Währungen"Manche rahmen sich alte Mark-Scheine"

Nirgendwo hängen die Einwohner so sehr an ihrer alten Währung wie in Deutschland. Warum? Ein kurzer Anruf bei dem Wirtschaftspsychologen Alfred Gebert von 

ZEIT ONLINE: Herr Gebert, pro Kopf besitzt jeder Deutsche theoretisch noch rund 160 Deutsche Mark, umgerechnet 82 Euro. Wir haben mal nachgerechnet: Kein anderes Euro-Land hängt noch so sehr an seiner alten Währung. Warum ist da so?

Alfred Gebert: Viele Deutsche sind emotional noch stark mit der Deutschen Mark verbunden. Sie heben kleinere Summen als Erinnerung auf, manche rahmen sich sogar alte Markscheine ein und hängen sie an die Wand.

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ZEIT ONLINE: 82 Euro pro Person! Wo sind denn diese gewaltigen Summen an Mark geblieben?

Alfred Gebert
Alfred Gebert

ist emeritierter Professor für Wirtschaftspsychologie in Münster.

Gebert: Das meiste Geld wurde höchstwahrscheinlich einfach vergessen und befindet sich noch heute versteckt in alten Kisten, Schachteln und Büchern. Ich selbst habe schon mehrere Hundertmarkscheine in meinen alten Büchern gefunden und konnte mich absolut nicht daran erinnern, sie dort einmal versteckt zu haben. Ein Großteil des Geldes ist sicherlich unwissentlich auf der Müllkippe gelandet und für immer verloren, beispielsweise nachdem ein Haus entrümpelt worden ist.

ZEIT ONLINE: Viele Deutsche rechnen auch noch immer in Mark um – obwohl das gar keinen Sinn ergibt. Warum tun wir das?

Gebert: Zum einen ist es die Macht der Gewohnheit. Je älter man ist und je länger man mit der Deutschen Mark gelebt hat, desto häufiger rechnet man um. Zum anderen glauben noch heute viele an den "Teuro". Sie denken, dass die Inflation mit dem Euro gestiegen ist. Beim Umrechnen fühlen sie sich bestätigt. Für die Griechen ist es außerdem viel komplizierter, umzurechnen, weil der Wechselkurs recht kompliziert zu bestimmen ist.

ZEIT ONLINE: Rechnen auch noch junge Deutsche um?

Gebert: Die Befragungen sagen: Unter den Deutschen, die älter als 45 sind, rechnet rund jeder Dritte um, vor allem bei großen Anschaffungen wie einem Haus. Ab 65 ist es schon jeder Zweite. Ab 80 kommt es sogar vor, dass die Deutschen das Wort "Mark" aussprechen, aber den Euro meinen.

ZEIT ONLINE: Den Euro gibt es jetzt schon so lange. Wann hört die ganze Rechnerei auf?

Gebert: Wer heute unter 30 ist, rechnet kaum noch um. Wenn die heute 45-Jährigen ausgestorben sind, wird keiner mehr von der Mark sprechen. Es kann also noch einige Jahre dauern.

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Leserkommentare
  1. Wir haben bei der Währungsumstellung den Château Lafite-Rothschild gegen einen Trollinger eingetauscht. Und nun wundern wir uns über die gelegentlichen Kopfschmerzen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Auch ich rechne noch in Mark um und sage noch oft Mark oder Pfennig obwohl ich Euro/Cent meine.
    Wirtschaftlich waren es leichtere Zeiten, von 2 DM für ein Brot wurden 2.10€.
    Zum anderen denke ich eben wegen der unwirtschaftlichkeit wird der Euro nicht länger halten als die Ost-Mark, von denen ich ebenfalls noch welche habe.
    Der Cent ist nichtmal mehr das Metall wert auf dem es geprägt ist.
    http://www.focus.de/finan...

    Der Euro rentiert sich nicht mehr, die Schweiz, Großbritannien, Norwegen, Dänemark und Schweden geht es nicht schlecht.
    Früher oder Später wechselt man wieder zur D-Mark, immerhin war sie stark, der Kurs stabil selbst in Tschechien und Polen konnte man damit ohne Probleme bezahlen.

    • ztc77
    • 08. Februar 2013 18:39 Uhr

    Wer Freundschaften nicht nur mit Deutschen, sondern auch mit EU- und außereuropäischen Ausländern pflegt, ist fassungslos angesichts der Ignoranz, mit der hier Umrechnende als Außerirdische bezeichnet werden.

    Natürlich erlebt jeder Mensch außerhalb der Euro-Zone dieselbe als Hochpreisland! Präzise bezogen auf die Grundnahrungsmittel und die damit einhergehenden Lebenshaltungskosten, das zeigen die Probleme der einfachen Leute in Süd-Zypern, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Montenegro* und Kosovo*(*Nicht-EU-Länder, aber halblegale Euro-Nutzung).

    Menschen aus Polen, Rumänien und Bulgarien versuchen, im Euro-Raum zu arbeiten und ihre Kinder von z.B. Großeltern im Heimatland betreuen zu lassen, in kostengünstigen transeuropäischen Buslinien emigiriert auch heimatliches Essen.

    Ein durchaus interessantes journalistisches Feld, das die Haltung der Umrechnungsscheuen als überhebliche Ignoranz aussehen lässt.

  3. 20. Joar...

    ... dafür kann man sich allerdings bei der damaligen Regierung bedanken, die zu dummdröselig war.

    Andere EU-Länder haben für die Umstellung auf den Euro eine allgemeine Preisbindung erlassen. Die kannten ihre Pappenheimer.

    • Acrux
    • 08. Februar 2013 19:46 Uhr

    waren im suedostlichen Europa bis hin zur Tuerkei bedeutende Zweuitwaehrungen, in den Gegenden kann auch sehr gut heute noch ein bedeutender Batzen gebunkert sein.

  4. Ob das alles Logik ist? Es ging um das umrechnen und um das :

    # Warum ist da so?#

    Warum rechnen die Leute noch um? Weil sie diese Währung schlicht nicht akzeptieren, weil sie sie nie wollten. Die Deutschen wurden nie gefragt, ob sie die Währung abgeben wollen und nun hängen sie der D-Mark nach, hängen an Tage ohne Probleme mit der Währung. Es fing mit dem T€uro an. Dieser Währung trauten die Deutschen nie und jetzt sind wir alle auch noch darin bestätigt worden, dass alles gelogen ist mit der Währung, der €uro die falsche Währung für alle ist.

    Darum ist das so!!!(meiner Meinung nach!)

  5. Herr Gebert sollte doch diesen Unsinn lassen!

    Es ist und bleibt ein TEURO - dem Verursacher all dieser Krisen im heutigen Kapitalismus - diese Währung ist aus kapitalistischer GIER entstanden und die Gierigen haben jetzt mit den Problemen zu tun auf sämlichen GIPFELN die diese nun selbst ins Leben rufen.

    Jede Landesbank tauscht im Jahr 2013 nur nach dem gesetzlichen Kurs: 1 DM = 0,51129 € oder 1 € = 1,95583 DM

    Die kapitalistische Wirtschaft
    tauschte von Anfang an 1 DM in 1 €

    Wer ist wohl der Betrüger und wer ist wohl der Betrogene?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Euro | Inflation | Wechselkurs | Währung | Buch | Geld
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