Jacob LewWashington-Insider ist Obamas neuer Finanzminister

Der US-Senat hat den ausgewiesenen Haushaltsexperten Jacob Lew als neuen Finanzminister bestätigt. Seine erste Aufgabe: den Budgetstreit mit den Republikanern lösen.

Der neue US-Finanzminister Jacob Lew

Der neue US-Finanzminister Jacob Lew   |  © Kevin Lamarque/Reuters

Jacob Lew mag äußerlich wirken wie ein freundlicher Versicherungsvertreter. Aber Kenner lassen sich von dem zurückhaltenden und korrekten Auftreten des 57-Jährigen kaum täuschen. Der neue US-Finanzminister gilt vor allem in Budgetfragen als einer der gewieftesten Strippenzieher des Landes. Dabei blieb er bisher gerne im Hintergrund.

Der US-Senat hat den Haushaltsexperten nun als neuen Finanzminister bestätigt. Lew erhielt eine deutliche Mehrheit. 71 der Senatoren stimmten für den früheren Stabschef von Präsident Barack Obama, 26 gegen ihn. Die erste Aufgabe für den 57-jährigen Nachfolger von Timothy Geithner wird es sein, den erbittert geführten Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern beizulegen.

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Seit Lew vor 30 Jahren seine politische Karriere in der Hauptstadt begann, lieferte er sich immer wieder harte Verhandlungen mit den Republikanern über den Staatsetat. Er ist ein Insider, der als sehr fleißig und durchsetzungsstark beschrieben wird. Gleichzeitig loben Kollegen seine Zugänglichkeit.

Freitags vor Sonnenuntergang nach Hause

Schon von 1998 bis 2001 arbeitete er für den damaligen Präsidenten Bill Clinton als Budgetdirektor im Weißen Haus. Im Gegensatz zu heute konnte Lew damals angesichts der florierenden Wirtschaft einen Haushaltsüberschuss verwalten. Davon sind die USA weit entfernt, und so macht sich Lew für einen entschlossenen Defizitabbau in dem hoch verschuldeten Staat stark.

Der aus New York stammende Lew, der in Harvard und an der Georgetown University studierte, gilt als tief gläubiger Jude. Laut der New York Times verlässt er sein Büro am Freitag stets vor Sonnenuntergang, um den Sabbat begehen zu können. Er hat zwei erwachsene Kinder und ist auch schon Großvater. Sein aus Polen stammender Vater arbeitete als Anwalt und Antiquar.

Zunächst hatte Präsident Obama Lew 2010 als Budgetdirektor angeheuert, Anfang 2012 wurde er Stabschef im Weißen Haus. Lew war bereits an den äußerst zähen Verhandlungen mit den Republikanern im Sommer 2012 über die Erhöhung der Schuldenobergrenze beteiligt. Vor dieser Zeit arbeitete er rund ein Jahr für die damalige Außenministerin Hillary Clinton im State Department. Davor war er mehrere Jahre in der Privatwirtschaft tätig, etwa beim Finanzinstitut Citigroup.

In der eigenen Partei ist Lew beliebt. Die Republikaner halten ihm dagegen vor, an der Wall Street weitgehend unbekannt zu sein und nicht über genügend Kenntnisse und Verbindungen zum Finanzsektor zu verfügen.

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Leserkommentare
  1. der Vereinigten Staaten "Gute Kontakte" zur Wall Street haben muss, wusste ich noch nicht.

    Diese Republikaner, immer einen Scherz auf den Lippen.
    Das war doch ein Scherz, oder??

    Eine Leserempfehlung
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    damit ist gemeint, über gute Kenntnisse bezüglich Kapital-, insbesondere Anleihenmärkten zu verfügen. Schließlich muss ein Finanzminister nicht nur Steuern und Abgaben einnehmen (Steuerpolitik) sowie sich um die Budgetierung kümmern (Haushaltspolitik), sondern auch um die Refinanzierung, falls die Steuermittel nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken (was ja leider fast immer der Fall ist). Deswegen muss man als Finanzminister gut wissen, wie man am günstigsten und effektivsten Anleihen emittiert. Und da können gute Kenntnisse über Märkte und Kontake an der Wall Street hilfreich sein.

    • Heiva
    • 28. Februar 2013 9:39 Uhr

    Es ist doch Tradition in den USA,dass Finanzminister über allerbeste Verbindungen zur "Wallstreet" hatten,haben und und weiter haben werden.Es würde mich sehr wundern,wenn es denn so nicht wäre.

  2. damit ist gemeint, über gute Kenntnisse bezüglich Kapital-, insbesondere Anleihenmärkten zu verfügen. Schließlich muss ein Finanzminister nicht nur Steuern und Abgaben einnehmen (Steuerpolitik) sowie sich um die Budgetierung kümmern (Haushaltspolitik), sondern auch um die Refinanzierung, falls die Steuermittel nicht ausreichen, um die Ausgaben zu decken (was ja leider fast immer der Fall ist). Deswegen muss man als Finanzminister gut wissen, wie man am günstigsten und effektivsten Anleihen emittiert. Und da können gute Kenntnisse über Märkte und Kontake an der Wall Street hilfreich sein.

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  3. Antwort auf "falsch verstanden"
  4. jetzt kommt der Text zu 4.

    Zitat:
    Davor war er mehrere Jahre in der Privatwirtschaft tätig, etwa beim Finanzinstitut Citigroup.

    Ich denke der Mann weiß schon was er macht aber die Republikaner können das nicht zugeben, weil sie ihm dann ja Kompetenz zusprechen müssten.

    Das ist politisches Kasperltheater sonst nichts.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte Barack Obama | Bill Clinton | Hillary Clinton | US-Senat | Citigroup | Georgetown University
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