WirtschaftswachstumDie Notenpresse ist Japans letzte Chance

Die neue Regierung verdonnert die Zentralbank zum exzessiven Gelddrucken. Doch Ökonomen warnen: Es ist eine riskante Strategie im Kampf gegen den starken Yen. von 

Für Japans Wirtschaft ist der Höhenflug des Yen seit Jahren ein Fluch. Er verteuert die Exporte – gerade in Zeiten einer schwachen Weltwirtschaft und einer europäischen Schuldenkrise. Japans Unternehmen klagten schon lange über fallende Auslandsabsätze, das Land rutschte im vergangenen Jahr zu ersten Mal seit Jahrzehnten in ein Handelsdefizit, es importiert also mehr Waren als es exportiert.

Und seit Jahren bekämpft die Politik die Entwicklung. "Ich werde weiterhin alles tun", versprach Yoshihiko Noda schon im Sommer 2011, "um zu vermeiden, dass unsere Wirtschaft unter dem starken Yen leidet". Als Noda, bis dahin Finanzminister, kurz darauf Premierminister wurde, bekräftigte er sein Vorhaben. Aber eine lockere Geldpolitik und große Konjunkturprogramme halfen wenig.

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Seit vergangenem Dezember ist alles anders. Japan hat einen neuen Premierminister, Shinzo Abe, und die Lage scheint sich zu ändern. Abe fährt einen radikalen Kurs: Die Zentralbank zwang er vergangene Woche zu einem Inflationsziel von zwei Prozent. Sie soll so lange Staatsanleihen kaufen, bis das Inflationsziel erreicht ist. Neben einer Belebung der Binnenwirtschaft soll so auch der Wert des Yen fallen, um Exporteure zu unterstützen.

Der Yen verliert an Wert

Und in der Tat: Seit sich die Politik der neuen Regierung anbahnt, ist Japans Währung schon erheblich gegenüber dem Dollar gefallen. Die Unternehmen reagieren prompt: Diese Woche hoben daher gleich mehrere Konzerne ihre Gewinnprognosen. Der Kamerahersteller Canon, Videospielehersteller Nintendo sowie weitere große Unternehmen gaben an, aufgrund der günstigeren Exportbedingungen steigende Gewinne zu erwarten.

Nachdem Abe Mitte Januar zudem ein riesiges Konjunkturpaket verabschiedet hatte, legte die Regierung diese Woche auch ein Rekordbudget in Höhe von 92,6 Billionen Yen (735 Milliarden Euro) vor. Die Zusatzausgaben gehen vor allem in Infrastruktur und Verteidigung, Sozialausgaben werden gekürzt. Rund die Hälfte der Ausgaben finanziert die Regierung durch Schulden. In Regierungskreisen herrscht weitgehend Optimismus, dass das Programm die Wirtschaft ankurbelt. Das ist dringend nötig, Japan befindet sich seit 2012 in der vierten Rezession seit der Jahrtausendwende.

Leserkommentare
  1. 9. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "Japans Scheinproblem"
  2. 10. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke, die Redaktion/jp

  3. 11. [...]

    Entfernt. Kein erkennbarer Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

  4. Wenn der EURO durch den Abfall anderer bedeutsamer Währungen ansteigt, wird der Druck zunehmen, ebenfalls eine lockere Gelpolitik zu betreiben. Das widerum verführt Politiker die Schuldenbremse zu lockern.

    Letzendlich führt das politische Eingreifen zu "gleichen Währungen"; Wasser kann auch nicht punktuell in einem Trinkglas wärmer sein, als die Umgebung - es passt sich dem Umfeld an. Wenn vergleicbare Staaten in einem Wirtschaftsverbund Ihre Währungen ändern, zieht es automatisch ein Verhalten nach.

    Japans Deflationswelle führt später zu einem Inflationsschub. Konservative Geldsparer a la Sparkasse und Co. werden die eigentliche Last tragen, da ihr Geld an Kaufkraft verliert.

  5. Wenn ich richtig weiß, sind sämtliche Staaten der Erde verschuldet. Amerika hat 13-18 Billionen, Deutschland 4-7 Billionen, Griechenland, England, ... alle europäischen Länder haben Schulden. Sogar China ist ziemlich verschuldet. Japan ebenso.
    Wenn alle verschuldet sind, wer sind denn dann die Gläubiger?
    Sicher, einige Milliarden sind mir klar. wenn ich z.b. Geld in eine Lebensversicherung einzahle und die kauft davon Anleihen, dann bin ich indirkt einer der Gläubiger.
    Aber damit kann ich vieleicht 0,1 Prozent der Schulden erklären.

    Ist es nicht so, daß Privatpersonen im Laufe von Generationen all diese Forderungen an den Staat, ansammeln konnten? Im Zusammenhang mit Griechenland konnte man Zahlen lesen von Geldvermögen die unvorstellbar sind.
    600 Milliarden € zogen "die Griechen" seit Beginn der Kriese ab. Griechen kaufen Wohnungen in Londen oder Paris um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. "Black Rock" (eine "Interessengemeinschaft") soll über 7 Billionen Dollar verfügen, womit sie Politik beeinflussen können. Einzelne Banker von GoldmanSachs bekommen oder bekamen 250 Millionen Dollar jährlich.
    Hier ist. mal wieder, eine Finanzblase entstanden, die auch wieder platzen muß. Man spricht häufig von Immobilienblasen - aber nie von den Finanzblasen. Warum nicht? Um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen?
    Ist es wirklich so, daß ich 40 jahre gearbeitet habe, damit jetzt bald ein Politiker kommt und sagt, es sei alternativlos, daß meine Lebensversicherung nichts mehr wert ist?

    2 Leserempfehlungen
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    Japan ist unglaublich hoch verschuldet, aber der Fall Japans kann mann nicht mit anderen Laendern vergleichen, da Japan etwa 95% von Schulden dem eigenen Volk verschuldet ist.
    Staatsanleihe ist also laut Yen. Auch wenn was passieren wuerde , das Geld wird theoretisch nicht ins Ausland fliehen, anders als z.B. Griechenland.

  6. Japan ist unglaublich hoch verschuldet, aber der Fall Japans kann mann nicht mit anderen Laendern vergleichen, da Japan etwa 95% von Schulden dem eigenen Volk verschuldet ist.
    Staatsanleihe ist also laut Yen. Auch wenn was passieren wuerde , das Geld wird theoretisch nicht ins Ausland fliehen, anders als z.B. Griechenland.

  7. aber schon mittelfristig stellen sich, wie teilweise im Artikel schon beschrieben. Das da wären

    1. Länder mit wenig Rohstoffvorkommen müssen diese dann teuer importieren.Darum hat China sich schon vorausschauend in erheblichem Maß in Afrika eingekauft. Dadurch höhere Rohstoffkosten und die Preise steigen weiter, auch für Expportartikel
    2. steigende Inflation bedeutet höhere Kreditkosten.
    3. sinkender Konsum in der Binnenwirtschaft
    4. Gefahr die Kontrolle zu verlieren duch Eigendynamik, wie im Falle Griechenlands. Ja natürlich Japan ist mehr nach innen verschuldet. Aber was wenn die Bürger beginnen ihre Staatsanleihen zu verticken, weil sie Angst bekommen? So kann leicht Lawinchen ins Rollen kommen. Und wenn die kommt, dann sollten wir gehen.
    5. Verlust an Lebensqualität, weil Auslandsreisen richtig teuer werden können.
    6. Auslandsinverstitionen werden erheblich verteuert.

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  • Schlagworte Shinzo Abe | Japan | Canon | Deflation | Inflation | Nintendo
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