KonjunkturDeutschland rutscht mit Europa in die Krise

Die Schwäche im Euro-Raum macht der deutschen Wirtschaft zu schaffen: Ein Minus von 0,6 Prozent im letzten Quartal 2012 ist der bisherige Tiefpunkt.

Die Wirtschaft des Euro-Raums ist zum Jahresende so stark eingebrochen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat mit. 2012 fiel das BIP im Euro-Raum um 0,5 Prozent. Die 17 Länder mit Gemeinschaftswährung rutschten damit noch tiefer in die Rezession, die im Frühjahr vergangenen Jahres eingesetzt hatte.

Euro-Schuldenkrise und Konjunkturabschwung haben auch die deutsche Wirtschaft stärker gebremst als bisher befürchtet. Im Schlussquartal 2012 schrumpfte das BIP im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

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Damit konnte sich die bis dahin stabile deutsche Konjunktur nicht länger von der Rezession im Euro-Raum und dem weltweiten Abschwung abkoppeln. Im Vergleich zum vierten Quartal 2011 stieg das preisbereinigte BIP um 0,1 Prozent.

In den ersten drei Quartalen 2012 war die deutsche Wirtschaft jeweils gewachsen, die Dynamik ließ jedoch stetig nach: Nach plus 0,5 Prozent zum Auftakt ging das BIP-Wachstum zum Vorquartal zunächst auf 0,3 Prozent und im dritten Quartal auf 0,2 Prozent zurück.

Für das gesamte Jahr 2012 bestätigten die Statistiker einen Anstieg von 0,7 Prozent. Wichtigster Wachstumsmotor war 2012 wiederum der Export. Aber auch vom inländischen Konsum kamen positive Impulse.

Allerdings dürfte das Tal inzwischen durchschritten sein: "Die Perspektiven hellen sich allmählich auf. Die Frühindikatoren deuten auf ein absehbares Ende der aktuellen Schwächephase hin", prophezeite das Bundeswirtschaftsministerium Anfang der Woche. Dennoch reduzierte die Regierung ihre Prognose für 2013 von 1,0 auf 0,4 Prozent Wachstum.

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Leserkommentare
  1. ist nicht nachvollziehbar.
    Als wäre es ein keckes Gefühl, zunächst von positiven Erwartungen zu sprechen, um regelmäßig 1-2 Tage später dann negative Bilanzen zu präsentieren. Ok, dass eine ist Erwartung, das andere sind Daten der jüngsten Vergangenheit. Beides in einen Artikel zu bringen, mit objektiverer Headline könnte allerdings auch eine objektivere Betrachtung bei LeserInnen und Interessierten zu erzeugen.
    Nach einem Rumgeschwächel und nach Defiziten ist es natürlich, dass es irgendwann wieder bergauf geht.
    Wirtschaftsnachrichten sind häufig einfach nur langweilig, weil sie mehr an Emotionen gerichtet sind - Angst machen, wechselseitig mit Hoffnung machen. Es borderlinet in den Redaktionen?

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    alle Meinungen im Wechsel und "vergisst" immer das was vorher war.

    Außerdem kann es nicht sein das Europa in die Krise rutscht, Frau Merkel hat mir in ihrer Neujahrsansprache erzählt, das wir auf einem guten Weg sind.

    Außerdem haben wir die beste Regierung seit Jahren und die höchten Umfragewerte für die CDU.

    Also kann nur alles gut sein, ansonsten hätte mir die Regierung und die Zeit ja ewig lang was falsches erzählt und das kann ja nicht sein. ^^

    • Nibbla
    • 14. Februar 2013 9:04 Uhr

    Wir werfen Merkel ihre Fähnchenpolitik vor, aber die Medien äffen genau das nach.
    Ist das die neue Post-post-Moderne? Es gibt keine Aussage mehr, die länger als 1 Tag Bestand und Wert hat

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  2. ...wie die Regierungsolitik der letzten Jahre sind die Berichte der Medien inzwischen.

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  3. Seit Monaten wird davor gearnt, das der Sparkurs der restlichen EU Ländern auch mal bei uns durchschlägt.

    Mal ganz davon abgesehen, das man das auch an den Steigerungen der Target2 Salden sehen konnte, das hier etwas im Busch ist.

    Nur unsere "beste Regierung aller Zeiten" hat etwas anderes gedacht. Aber bei denen ist das ja auch Realitätsverweigerung. Durchhalten bis zu den Wahlen, nur das zählt, dann hat man wieder 4 Jahre Zeit zum nichts tun.

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    ... was hätte die Regierung denn Ihrer Meinung nach konkret anders machen sollen? Nur aus Interesse. Pauschale Kritik ist immer relativ einfach, sagt im Endeffekt aber nichts aus.

    Und an den Target-2 Salden lässt sich im übrigen nur ablesen, dass

    1) Die "Problemländer" gemessen an der eigenen Produktion immer noch zu viel konsumieren.

    2) Nach wie vor zu wenig Vertrauen um sein Geld in diesen Ländern anzulegen existiert.

  4. ist knapp 5% unterhalb des Niveaus von 1994(!!) und sendet also von dort positive Impulse. Was sollen solche Jubelmeldungen, die zeitgleich von Tagesschau, Spiegel und der Zeit nahezu wortgleich veröffentlicht werden denn bewirken?
    Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) / Querschuesse.de
    http://www.querschuesse.de/deutschland-reale-einzelhandelsumsatze-mit-47...
    Zitat: "Weiterhin dokumentieren diese Daten für Deutschland eine langanhaltende Konsumschwäche der privaten Haushalte, denn immer noch liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze um -4,7% unter dem Niveau von 2000 und um -4,9% unter dem Jahr 1994, dem Beginn der langen Datenreihe!"

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    • Xdenker
    • 14. Februar 2013 10:08 Uhr

    Seit 1994 ist er inflationsbereinigt um 17 Prozent gewachsen, wie man leicht mit Excel nachrechnen kann: http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/down...

    Die Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren sind dagegen seit 1994 inflationsbereinigt um -0,5% gesunken, für Bekleidung und Schuhe um -6,7% sowie für Einrichtungsgegenstände, Geräte und Ausrüstungen um -5,1%. Kein Wunder, dass da die Einzelhandelsumsätze real gesunken sind. Der Grund ist, dass die Masse der im Einzelhandel vertriebenen Produkte real billiger geworden sind!

    Der Querschuss geht ins Knie.

    • Coolie
    • 14. Februar 2013 12:27 Uhr

    ...für die Wahrheit interessiert sich doch keiner. Lieber hat es der deutsche Michel, sich warm und in Sicherheit wiegen zu können, wozu die deutsche Medienlandschaft (Springer, Bertelsmann und Burda) ihr übriges beiträgt. Schliesslich haben wir doch die beste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.

  5. Was erwarten "wir" eigentlich? Wachstum ohne Ende?

    Durch die unseligen einseitigen "Rettungsversuche" für die Verursacher der Krise, die Banken, haben Merkel und Schubladen Scheuble ins "Klo" gegriffen. Die Krise ist noch lange nicht beendet. Bei einem gesättigten Markt und einer geförderten Überschwemmung durch Wahren aus Asien kann die Binnen Nachfrage nach eigenen Produkten nicht wachsen.

    Wer soll es auch bezahlen? Die von der Regierung geförderten Billig Jobs, Leih- und Zeitarbeit stehen im krassen Gegensatz zu einer unbedingt notwendigen Nachfrage von Produkten aus dem eigenen Land. Die Drohungen der Firmen ab zu wandern ist doch längst Realität.

    Wahlkampf gesteuerter Aktionismus hilft hier auch nicht weiter.

    5 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 14. Februar 2013 9:33 Uhr

    ...arbeiten.
    Da schmeiß ich, von Steuermittel bezahlt, mit Zahlen rum und wenn die nicht stimmen, bin ich einfach überrascht...

    10 Leserempfehlungen
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    • Xdenker
    • 14. Februar 2013 9:42 Uhr

    wie man leicht nachlesen kann.

    • Xdenker
    • 14. Februar 2013 9:34 Uhr

    Ich bin davon überzeugt, dass es derzeit wächst!

    Gewachsen ist es auch im Jahresvergleich 2012 zu 2011, und zwar kalenderbereinigt (wg. der unterschiedlichen Anzahl von Arbeitstagen) um 0,9 Prozent.

    Soviel zur Überschrift dieses Artikels.

    Was im letzten Quartal 2012 geschrumpft ist, war der Außenhandelsüberschuss. Ob und inwieweit dieser Rückgang von dem Handel mit der Eurozone, mit der Rest-EU oder mit der übrigen Welt ausgeht, muss einstweilen offen bleiben. Habe dazu vom Statistischen Bundesamt noch keine Aussage gefunden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Europa | Konjunktur | Bundeswirtschaftsministerium | BIP | Bruttoinlandsprodukt | Export
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