Auf der Weihnachtsfeier kommen sich die Kollegen näher. Tags drauf tauschen sie verstohlene Blicke in der Konferenz aus, dann werden sie beim Knutschen im Kopierraum erwischt. Das neue Büro-Paar ist eine Weile lang Klatschthema Nummer eins beim Flurfunk. Doch ein paar Monate später ist die Liebe vorbei, das Paar streitet sich auf dem Büroflur. Die Kollegen sind genervt. Und allen ist es unangenehm.

"In Deutschland ist es meist verpönt, als Paar beim gleichen Arbeitgeber zu arbeiten", sagt Tim Hagemann, Professor für Arbeitspsychologie in Bielefeld. Denn Turteleien oder Beziehungsstreitereien am Arbeitsplatz führen in der Regel zu einem Leistungsabfall – nicht nur bei den verliebten Mitarbeitern, sondern auch dem Rest des Teams.

Dabei ist das Büro eine der größten Kontaktbörsen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Kaffeeherstellers Jacobs verliebt sich mehr als jeder zehnte Deutsche bei der Arbeit.Nur im Freundeskreis und beim Ausgehen in der Nacht finden mehr Deutsche ihren Partner. "Mit den Kollegen verbringt man viel Zeit zusammen, man erlebt die gleichen Dinge, hat die gleichen Interessen – das alles verbindet natürlich", sagt Hagemann. Und da wo Menschen zusammentreffen, passiert es eben auch, dass sich zwei verlieben.

Arbeitsrechtlich kann der Chef eine Beziehung unter seinen Mitarbeitern nicht verbieten. Das hat zuletzt auch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf in einem Urteil 2005 entschieden. Damals hatten Mitarbeiter eines Tochterunternehmens einer amerikanischen Supermarktkette gegen eine Ethikrichtlinie des Konzerns geklagt. Diese verbot Liebesbeziehungen zwischen den Mitarbeitern. Laut Urteil greift eine solche Richtlinie in das Persönlichkeitsrecht ein und ist somit unzulässig.

Arbeit nicht vernachlässigen

Allerdings wird die Liebe unter Kollegen dann problematisch, wenn die Gefühle zu einem unprofessionellen Verhalten führen. "Die Arbeit darf nicht wegen der Beziehung vernachlässigt werden", sagt Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht.Paare, die im Büro Händchen halten, sich küssen oder streiten, können vom Chef zurechtgewiesen werden.

"Chefs können das Paar in verschiedene Räume oder einen von beiden in ein anderes Team versetzen, sofern rechtlich zulässig", sagt der Arbeitsrechtler. Eine solche Versetzung darf aber nur auf eine gleichwertige Positionen erfolgen – und natürlich auch nur auf einen Job mit gleicher Tätigkeit. Jemand, der beispielsweise als Programmierer eingestellt wurde, muss weiterhin in diesem Bereich tätig sein und darf nicht plötzlich als Sekretär arbeiten. Auch ist der Betriebsrat über so eine Maßnahme zu informieren und kann seine Zustimmung zu einer solchen personellen Einzelmaßnahme unter bestimmten Bedingungen verweigern.