NiederlandeWenn die Erde täglich bebt

Kaum ein Land in Europa fördert so viel Erdgas wie die Niederlande. Doch die Bohrungen verursachen immer öfter Erdbeben. Nun wächst der Protest. von 

Für die Einwohner von Groningen begann das Jahr mit Erschütterungen. Mehr als 20 Mal bebte in dem niederländischen Ort seit Jahresbeginn die Erde. Acht Erdstöße waren es allein in der vergangenen Woche. Die Beben erreichten auf der Richterskala eine Stärke zwischen 1,8 und 3,2.

Jeder in Groningen weiß, was die Erde zum Beben bringt. Es sind die Erdgasbohrungen in der Region. Die Niederländische Erdölgesellschaft (NAM) – ein Joint-Venture von Shell und ExxonMobil – fördert den Rohstoff aus dem Groninger Feld. Das löst die Erschütterungen aus. Für die Niederländer ist Erdgas ein wichtiger Rohstoff, nach Norwegen ist das Land das wichtigste Förderland Europas. Das Groninger Feld gehört zu den zehn größten Gasfeldern weltweit. Nirgendwo sonst leben so viele Menschen auf einem Erdgasfeld, aus dem Gas befördert wird.

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Die ersten Erdstöße registrierte die NAM bereits im Jahr 1986. Damals waren es meist nur zehn bis zwanzig in einem Jahr. Die Groninger hatten sich damit arrangiert. Doch im Jahr 2003 sprang die Zahl der Beben auf 50. Vor zwei Jahren waren es sogar 80. Ein Erdstoß erreichte gar einen Wert von 3,6 auf der Richterskala. Seit die Erdbeben zunehmen, wächst der Widerstand in der Bevölkerung. Plötzlich diskutieren die Niederlande über ihre Energiepolitik.

Die Erdgasgesellschaft gibt sich gelassen. "Erdbeben gehören leider zur Gewinnung von Erdgas", sagte NAM-Sprecher Chiel Seinen kürzlich im niederländischen Rundfunk. Das Unternehmen fördert mit konventionellen Bohrmethoden, nicht mit Fracking. Die Beben entstehen, weil sich beim Bohren tief im Erdreich Spannungen in den Gesteinsschichten aufbauen. Die Spannungen entladen sich entlang der Bruchlinien. Weil in etwa drei Kilometern Tiefe gebohrt wird, sind die Erdstöße leichter spürbar als bei tieferen, tektonischen Erdbeben.

Rund 1.500 Schäden an Dächern und Wänden

Für viele Anwohner sind die Erdbeben inzwischen ein großes Ärgernis. Gebäudeschäden gehören für sie zum Alltag. Allein am vergangenen Wochenende meldeten die Menschen aus der Region Groningen rund 1.500 Schäden an Dächern und Wänden.

"Seit Jahren fürchten wir, dass die Beben stärker werden", sagt Hilda Groeneveld von der Bürgerinitiative Groninger Bodem Beweging. "Jetzt ist es noch schlimmer als erwartet." Die Menschen hätten entsetzliche Angst, sagt Groeneveld. Die Initiative warnt, auch der Boden könne sich aufgrund der Bohrungen absenken. Bis zu 40 Zentimeter seien denkbar. Groeneveld fordert seit einiger Zeit ein Referendum über einen Bohrstopp. "Die einzige Art, Schlimmeres zu verhindern, heißt: stoppen, und zwar jetzt!"

Leserkommentare
  1. deutsche Landschaften mit vogeltötenden Windmühlen und giftigen Solarpaneelen mit marginalem Nutzen zu verschandeln.

    Anmerkung: Bitte führen Sie entsprechende Quellen an, die ihre Behauptungen belegen. Danke, die Redaktion/jp

    3 Leserempfehlungen
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    Weil Abgase natürlich nicht schädlich für die Atmosphäre ist. Man ist schließlich Verschwörungstheoretiker - pardon - "Klimaskeptiker".

    Ich finde Solar und Windenergie besser als endliches Erdöl. Wollen sie fracking? Viele Länder vergiften die Natur, um Erdöl zu fördern. Deswegen können wir ruhig auch eigene Energie bei uns produzieren und wenn unsere Natur dabei ein wenig leidet, dann immer noch besser als große Ölkatastrophen, wie z.B. in Nigeria.

    Weg mit denen, lieber umweltfreundliche Kohle-,Gas-, und Atomkraftwerke!
    Nicht zu vergessen unser liebes umweltfreundliches Öl!
    Gut, zugegeben, davon haben wir in DE weniger Umweltverschmutzung, weil es in der See oder in Afrika gewonnen wird. Daran sterben zwar viele Menschen, aber hey besser als giftige Solaranlagen....

    tödlich sein wird.

    Will sagen, einen Tod müssen sie sterben, auch wenn sie in Fell gekleidet im Wald stehen und den Bäumen beim wachsen zuschauen würden.

    Ich gehe mit dem kleinsten Über: Sonnen-u. Windenergie.

    Erdgas- wie Erdölförderung wird immer aberwitziger und technisch schwieriger zu beherrschen. Dagegen ist ein Windrad Kinderkram.

  2. 2 Leserempfehlungen
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    Jede technik hat ihre Schattenseiten. Aber Windkraftanlagen verbieten zu wollen, weil sie Vögel töten ist lachhaft. Alleine die Liste auf Wikipedia zeigt da ein komplett anderes Bild:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Vor allem das Fazit spricht für sich:
    Der NABU hatte 127 internationale Studien ausgewertet und kam zum Schluss, dass durch Windenergie in Deutschland keine Vogelart gefährdet sei.

    [...]

    Bitte diskutieren Sie in Kommentaren das Artikelthema und achten Sie auf einen respektvollen Tonfall. Danke, die Redaktion/fk.

    • siar1
    • 18. Februar 2013 12:13 Uhr

    Das klatschen deutlich mehr an die Windschutzscheiben von Autos, von angefahrenen Tieren will ich erst garnicht anfangen.

    Bei den Solarzellen gibt es einige Hersteller, die Cadmium verwenden. Die seriösen wehren sich dagegen.

    Ist es nicht absurd, wenn man Grundwasservergiftung, Erdbeben und Gasaustritte billigenden in Kauf nimmt, aber bei Solarenergie auf Gifte hinweist?

    Natürlich müssen da Regeln her, doch das Cadmium ist nicht für die Herstellung von Solarzellen notwendig. Bei Fracking kommt man ohne Chemiecocktails nicht aus.

    Bitte diskutieren Sie in Kommentaren das Artikelthema. Danke, die Redaktion/fk.

    • Infamia
    • 18. Februar 2013 12:23 Uhr

    Ich finde es immer erstaunlich, wie schnell einige Menschen sofort mit den difustesten Meldungen über Massensterben von Vögeln durch Windkraft oder cadmiumverseuchte Solarzellen kommen, wenn es um saubere Energie geht.

    Wollen wir mal eine Rechnung aufmachen, wieviel Mensch und Tier durch Atomunfälle, unsaubere Luft durch Kohlekraftwerke, verschmutztes Wasser durch Ölunfälle (die Liste kann man gerne fortführen) Schaden nahmen? Ich glaube, da nimmt sich das bisschen Cadmium, was offensichtlich nur ein Teil der Hersteller verarbeitet, aber eben nicht alle, gering aus. Das zeigt mir nur, dass der Gesetzgeber hier eben Regeln schaffen muss, die den Einsatz giftiger Stoffe verbieten. Ende der Diskussion.

    Wir hatten darum gebeten, zu einer Diskussion des Artikelthemas zurückzukehren. Danke, die Redaktion/fk.

  3. nachlassender Gasdruck verändert die Erdstrukturen... also keine Überraschung, sondern bewusstes Risiko....

    5 Leserempfehlungen
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    Im Artikel steht "Die Beben entstehen, weil sich beim Bohren tief im Erdreich Spannungen in den Gesteinsschichten aufbauen." Aber es sind nicht wirklich bloß die Bohrungen, sondern die Entnahme sehr großer Gas-Volumina (wie Sie verdeutlichen) aus recht nah (3 km Tiefe) an der Oberfläche liegenden Kavitäten. Diese standen seit der Bildung des Gases unter einem gewissen Druck, der die darüber liegenden Bodenmassen (gewachsener Fels ist es in der Gegend eher nicht) normalerweise stützt.
    Man muss nun wissen, dass "Groningen" von Den Haag aus gesehen WEIT weg ist, und dass man sich ohnehin noch nie sonderlich grün war. Ich gehe jede Wette ein, dass SEHR viel schneller gehandelt würde / worden wäre, würden diese Erdbewegungen auch die Hauptstadt treffen. Das ist allerdings auch künftig eher nicht zu befürchten, weil die recht geringe Tiefe der Bewegungen -ähnlich wie beim deutschen Bergbau- keine sonderliche weite seitliche Fortpflanzung "schafft".
    Derweil in und um Groningen der Boden noch weiter unter den Meeresspiegel sackt als er auch ohne Gasablassen ohnehin liegt...

  4. haben Menschen Probleme mit Schäden an ihren Häusern durch Grabungen.
    Wenn man sich mal die Häuser um den Hambacher Forst ansieht, deren Bewohner teilweise nicht einen Cent dafür gesehen haben, muss man sich echt überlegen, ob das mit der Braunkohle wirklich so toll ist, wie manche meinen.

    Eine Leserempfehlung
  5. wer sein Haus auf einem Erdgasfeld baut!
    Genauso wie die Iraker das amerikanische Öl unter ihrem Sand verstecket halten.

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    • Infamia
    • 18. Februar 2013 12:19 Uhr

    Es gibt Pläne der Industrie, im Norden Deutschlands Fracking zu probieren. Das Gebiet geht über weite Teile der Lüneburger Heide und grenzt an die Stadt Hamburg.

    Was wollen Sie den Menschen sagen, die da bereits ihre Häuser stehen haben? Umziehen?

  6. Jede technik hat ihre Schattenseiten. Aber Windkraftanlagen verbieten zu wollen, weil sie Vögel töten ist lachhaft. Alleine die Liste auf Wikipedia zeigt da ein komplett anderes Bild:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Vor allem das Fazit spricht für sich:
    Der NABU hatte 127 internationale Studien ausgewertet und kam zum Schluss, dass durch Windenergie in Deutschland keine Vogelart gefährdet sei.

    [...]

    Bitte diskutieren Sie in Kommentaren das Artikelthema und achten Sie auf einen respektvollen Tonfall. Danke, die Redaktion/fk.

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    Antwort auf "Quellen, kein Problem"
    • siar1
    • 18. Februar 2013 12:13 Uhr

    Das klatschen deutlich mehr an die Windschutzscheiben von Autos, von angefahrenen Tieren will ich erst garnicht anfangen.

    Bei den Solarzellen gibt es einige Hersteller, die Cadmium verwenden. Die seriösen wehren sich dagegen.

    Ist es nicht absurd, wenn man Grundwasservergiftung, Erdbeben und Gasaustritte billigenden in Kauf nimmt, aber bei Solarenergie auf Gifte hinweist?

    Natürlich müssen da Regeln her, doch das Cadmium ist nicht für die Herstellung von Solarzellen notwendig. Bei Fracking kommt man ohne Chemiecocktails nicht aus.

    Bitte diskutieren Sie in Kommentaren das Artikelthema. Danke, die Redaktion/fk.

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    Antwort auf "Quellen, kein Problem"
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    Danke für den Hinweis. Ntzen Sie für derlei Anmerkungen künftig gerne die "Bedenklich-Melden"-Funktion, da wir die Kommentarfunktion zur Diskussion des Artikelthemas genutzt sehen möchten. Danke, die Redaktion/fk.

    • Hagane
    • 18. Februar 2013 12:28 Uhr

    Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Dafür ist die Kommentarfunktion vorgesehen. Danke, die Redaktion/fk.

    als es ist.
    Nichts muss mehr als "gering Gewässergefährdend" sein und findet man selbst dann gerne auch mal in Kosmetika.

    Dieselben Stoffe benötigt man auch für Geothermiekraftwerke, mal zur Erinnerung an die grüne Fraktion.

  7. Im Artikel steht "Die Beben entstehen, weil sich beim Bohren tief im Erdreich Spannungen in den Gesteinsschichten aufbauen." Aber es sind nicht wirklich bloß die Bohrungen, sondern die Entnahme sehr großer Gas-Volumina (wie Sie verdeutlichen) aus recht nah (3 km Tiefe) an der Oberfläche liegenden Kavitäten. Diese standen seit der Bildung des Gases unter einem gewissen Druck, der die darüber liegenden Bodenmassen (gewachsener Fels ist es in der Gegend eher nicht) normalerweise stützt.
    Man muss nun wissen, dass "Groningen" von Den Haag aus gesehen WEIT weg ist, und dass man sich ohnehin noch nie sonderlich grün war. Ich gehe jede Wette ein, dass SEHR viel schneller gehandelt würde / worden wäre, würden diese Erdbewegungen auch die Hauptstadt treffen. Das ist allerdings auch künftig eher nicht zu befürchten, weil die recht geringe Tiefe der Bewegungen -ähnlich wie beim deutschen Bergbau- keine sonderliche weite seitliche Fortpflanzung "schafft".
    Derweil in und um Groningen der Boden noch weiter unter den Meeresspiegel sackt als er auch ohne Gasablassen ohnehin liegt...

    2 Leserempfehlungen
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    Das ist so nicht richtig. Es handelt sich in der Regel um Sandstein, wo es zwischen mehr oder weniger grobkörnigen Sandkörnern winzige Hohlräume gibt. Tropfsteinhöhlen sind eher selten.

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