StaatsfinanzierungDie Industrieländer treten auf die Schuldenbremse

Die Schuldenquote der Industrieländer wächst nur noch leicht, zeigt eine Studie der OECD. Und das Schuldenmachen wird teurer. von 

OECD-Chef Gurría

OECD-Generalsekretär Angel Gurria (l.) und der russische Finanzminister Anton Siluanov  |  © Yuri Kadobnov/AFP/Getty Images

10,9 Billionen Dollar. So viele neue Schulden werden die rund 34 Staaten des Industrieländerclubs OECD in diesem Jahr an neuen Krediten aufnehmen, zeigt eine Studie der Organisation. Das ist einerseits ein neuer Rekordwert. Andererseits zeigt die Statistik auch, dass die Industriestaaten bemüht sind, ihre Schulden zu begrenzen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Bruttokreditaufnahme aller Mitgliedsstaaten nur um 100 Milliarden Dollar. Das ist noch immer ein hoher Wert, aber er ist weit geringer als in den Jahren zuvor.

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man die Staatsschuldenquote betrachtet. Diese setzt die Gesamtverschuldung des Staates ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. In diesem Jahr wird sie in den OECD-Staaten bei 111,4 Prozent des BIP liegen. Noch während der Hochphase der Krise in den Jahren 2008 und 2009 stieg diese Quote in den Industrieländern um 11,5 Prozent an. In diesem und nächstem Jahr wächst die Schuldenquote nur um rund ein Prozent. Die Autoren der OECD-Studie halten das explizit für eine "gute Nachricht".

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Zugleich zeigt die Erhebung, dass das Schuldenmachen für die Staaten in den vergangenen Jahren teuer geworden ist. Mussten die OECD-Länder noch vor drei Jahren im Schnitt für langfristige Staatsanleihen rund 3,8 Prozent Zinsen zahlen, werden es in diesem Jahr 4,0 Prozent sein, schätzt die Organisation. Diese 0,2 Prozentpunkte Differenz können sich schnell zu Millionenbeträgen aufsummieren – die am Ende der Steuerzahler zahlen muss.

Fehleinschätzungen der Rating-Agenturen

Überraschend an dem Report ist die deutliche Kritik an den Rating-Agenturen. Diese hätten oft unklare Bewertungsmaßstäbe, schreiben die Autoren. "In den vergangenen zwanzig Jahren haben die Bonitätswächter häufig daneben gelegen", heißt es in der Studie. Und: "Alle Herabstufungen sollten sorgfältig geprüft und nicht für bare Münzen genommen werden."

Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten. Je negativer ihre Einschätzung, desto höhere Risikoprämien müssen die Staaten zahlen, wenn sie Staatsanleihen ausgeben. Inzwischen würden die Einschätzungen der Agenturen allerdings extrem zwischen Optimismus und Pessimismus schwanken. "Das führt zu einer Über- und Unterbewertung von Haushaltsrisiken", schreibt die OECD. Diese Unsicherheit habe "starke Marktverzerrungen und Fehleinschätzungen bei der Bewertung von Haushaltsrisiken" zur Folge. Am Ende müssten Staaten "ultra-hohe Finanzierungskosten" stemmen.

Wie allerdings bessere Bewertungskriterien aussehen könnten, ist den Experten noch relativ unklar. Die Solvenz von Staaten zu bewerten sei weitaus komplexer als die von Banken und Unternehmen. Schließlich spielten Marktrisiken, Inflation, Liquidität, Währungsrisiken und andere Indikatoren in einem komplexen Spiel miteinander. Die OECD bringt unter anderem in Gespräch, nicht nur die "Möglichkeit" eines Staates zu bewerten, Kredite zu bedienen, sondern auch die "Bereitschaft" dazu. Das allerdings würde die Bewertung zugleich politischer machen – und de facto noch komplizierter.

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Leserkommentare
  1. ... wenn die hohe Politik versucht, ein Ponzisystem mittels "sparen" zu retten...

    2 Leserempfehlungen
  2. ... die oben genannten Länder schulden das meiste Geld sich selbst oder untereinander ... Im Großen und Ganzen eigentlich ein Nullsummenspiel, aber mit verehrender Wirkung!

    • gom
    • 28. Februar 2013 0:26 Uhr

    Klar wird gespart, aber nur bei normalen Bevölkerung, verschont werden hingegen die Finanzmafia, Wirtschaft und reiche. Seit den 90er wurden die Finanzmafia, Wirtschaft und reiche massiv entlastet, würde man für diese Gruppe die Steuersätze aus den 90er einführen, hätte der Staat zweistelligen Milliarden Überschuss.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte OECD | Agentur | BIP | Bruttoinlandsprodukt | Dollar | Inflation
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