Horn von Afrika : Somalias Piraten vergeht die Lust am Kapern

Noch nie gab es so wenige Piratenangriffe vor Somalia. Doch das Problem ist nicht weg: Die Seeräuber verlagern ihre Reviere nach Westafrika.
Somalische Piraten steigen in ein Skiff in Hobyo (Archiv) © Mohamed Dahir/AFP/Getty Images

Zwei kleine Schnellboote rasen im Roten Meer auf einen Gastanker zu. Skiffs heißen diese Boote, die somalischen Piraten nutzen sie für ihre Überfälle, sie sind klein und wendig. Die Besatzung des Tankers löst Alarm aus, bewaffnete Sicherheitskräfte gehen in Stellung. Die Männer feuern Warnschüsse in Richtung der Boote ab. Das eine Skiff wird langsamer. Doch das andere Boot rast weiter auf das Schiff zu. Nun nehmen die angeheuerten Sicherheitsmänner es ins Visier. Das Boot dreht ab.

Ereignet hat sich der Vorfall am 8. Januar. Ein kleinerer Zwischenfall, den das Internationale Marine-Büro (IMB), das weltweit Piratenüberfälle registriert, eigentlich für nicht berichtenswert erachtet. Zwar sei das Manöver "verdächtig" gewesen, es habe sich aber nicht um einen "bestätigten Überfall“ gehandelt. In der Pirateriestatistik des Jahres 2013 wird die Gastanker-Attacke nicht auftauchen.

Was den Vorfall dennoch berichtenswert macht: Überfälle wie jener auf den Gastanker sind selten geworden. Vor Somalias Küste ist es zurzeit so ruhig wie nie. Auf der Anti-Pirateriekarte des IMB sieht man den vermeintlichen Gastanker-Angriff als blau markierten Punkt. Die Karte zeigt für dieses Jahr lediglich einen weiteren, gelben Punkt vor der Küste Somalias. Es handelte sich um einen versuchten Angriff auf ein Containerschiff.

Noch im Jahr 2011 war die Karte der Organisation voller bunter Punkte. In derselben Region waren Hunderte Markierungen zu sehen, viele waren rot. Rot steht für erfolgreiche Piratenangriffe. Seit Monaten sieht die Sicherheitslage anders aus. Die Piraten ziehen sich am Horn von Afrika und auf dem Indischen Ozean zurück.

Die Wende kam 2012. Nach einem jahrelangem Anstieg der Piraterie gab es erstmals wieder einen deutlichen Rückgang der Überfälle. Die Piraten entführten nur 13 Schiffe vor Somalia. Sieben davon stammten aus der Region. Nach Angaben der NATO gelang den Piraten in der zweiten Jahreshälfte sogar kein einziger erfolgreicher Überfall auf internationale Handelsschiffe. Auch die deutsche Bundespolizei bestätigt die Entwicklung. Laut jüngstem Piratenbericht gingen die Piratenaktivitäten am Horn von Afrika in den ersten neun Monaten 2012 um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Mitte Januar erklärte sogar der somalische Oberpirat Mohamed Abdi Hassan offiziell seinen Rückzug: Er werde nun andere Geschäfte als Piraterie verfolgen, berichtete die FAZ. Eine seiner spektakulärsten Kaperungen war die des Supertankers Sirius Star im Jahr 2008.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Was passiert wohl

Interessant wäre ob dadurch mehr Menschen verhungern oder ob alternative Geldquellen aufgetan werden. Oder ob sich das ganze wirklich nur verlagert.
Vielleicht haben die Piraten auch schon Aufrüstungspläne seit dem Arab Spring dürften doch auch wesentlich mehr und modernere Waffen im Umlauf sein. Vielleicht findet sich auch ein Al Quaida Ableger der sich den Piraten anschließt (Kontakte gibt es ja wohl schon), die dann die Frachtschiffe mit Selbstmordattentaten bedrohen im Gegenzug für die Fundi-Islamisierung. Momentan ist da meines Wissens noch ein gemäßigter sunnitischer Islam.

Angriffe auf Frachtschiffe.

Es ist egal ob die Piraten Moslems, Christen, Buddhisten oder meinetwegen auch Scientologen sind, es ist Piraterie und das ist ein Verbrechen.
Kann sein das Al-Qaida seine Finger da mit im Spiel hat, aber ob sie moderne Waffentechnik besitzen mag ich zu bezweifeln, sonnst würden sie nicht jedes mal mit Waffen russischer Bauart aus den 60ern und 70ern angreifen.
Selbermordattentate auf Frachtschiffe gab es in der Geschichte schonmal, da nannte sich Brander und gilt seit dem Stahlrumpf und Dampfschiffahrt als sinnloses Unterfangen, da heute weder Holz noch brennbare Segel vorhanden sind.

Somit ist das bomben neben dem Schiff nutzlos, da bei einer Selbstmordbombe kein direkter Impakt auf dem Schiffsrumpf wirkt, und sich die Sprengkraft in andere Richtungen (ohne Widerstand) ausbreitet.

Zum anderen hat ein Frachtschiff, je nach Ladung, Tiefgang und Bauart eine Seitenhöhe von 20-30 meter, glaube kaum das man solange wartet bis ein Selbstmordbomber an Deck ist.

USS Cole

"Somit ist das bomben neben dem Schiff nutzlos, da bei einer Selbstmordbombe kein direkter Impakt auf dem Schiffsrumpf wirkt, und sich die Sprengkraft in andere Richtungen (ohne Widerstand) ausbreitet."

Wie im Fall der USS Cole? 17 Tote Matrosen, 39 Verwundete und ein riesiges Loch im Rumpf des Zerstörers.

Was Waffen anbelangt so gibt es praktisch keine echten Möglichkeiten für die Piraten noch weiter aufzurüsten, sie haben ja bereits Sturmgewehre, RPGs, Maschinengewehre usw.

Moderne Ausrüstung

Der Vergleich mit der USS Cole hinkt.
Die Cole lag in Jemen vor Anker, sie war ein Ziel, ein Schiff der Regierung der USA.
Ein Schiff einer Reederei ist kein Ziel welches für fundamentalisten als "zu zerstören" gilt.
Denn tonnenweise Sprengstoff wie bei der USS Cole muss mühsam geschmuggelt werden, und das wird man nicht bei "sinnlosen Zielen" wie einem Containerschiff aufbrauchen.

"Was Waffen anbelangt so gibt es praktisch keine echten Möglichkeiten für die Piraten noch weiter aufzurüsten, sie haben ja bereits Sturmgewehre, RPGs, Maschinengewehre usw."

Das ist nicht modern, High Tech-Radaranlagen, gepanzerte Fahrzeuge und Drohnen sind modern, es klingt als wären das spezielle Militärausrüstungen, doch auch auf dem Schwarzmarkt ist sowas zu bekommen, selbst Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber und Kriegsschiffe sind dort zu haben, kosten eben nur mehr als ein Dragunow, Kalashnikow oder eine RPG 7.
Und aus Sicht religiöser Fanatiker ist jedes Mittel recht die (O-Ton) Ungläubigen zu töten, warum also nicht schneller, professioneller und in größerer Abschusszahl?

@Humanist.

Salatöl? In welcher Welt Leben Sie eigentlich. Viele Schiffe haben jetzt bewaffnete Dienste an Bord. Die Dienste bestehen überwiegend aus ehemaligen Soldaten und dann aus 3-6 Mann Teams die mit automatischen Waffen ausgerüstet sind. Und es wird schnell scharf geschossen. Ich zitiere aus einer Quelle:

"You can consider an armed security team on your vessel. Armed teams are still just a defense measure, because armed teams have no way of knowing the intent of a vessel, many actual fishing vessels have been shot at by armed security teams and fishermen have been killed."

Daneben gibt es noch die Möglichkeit bewaffnete Geleitboote zu mieten.