Zwei kleine Schnellboote rasen im Roten Meer auf einen Gastanker zu. Skiffs heißen diese Boote, die somalischen Piraten nutzen sie für ihre Überfälle, sie sind klein und wendig. Die Besatzung des Tankers löst Alarm aus, bewaffnete Sicherheitskräfte gehen in Stellung. Die Männer feuern Warnschüsse in Richtung der Boote ab. Das eine Skiff wird langsamer. Doch das andere Boot rast weiter auf das Schiff zu. Nun nehmen die angeheuerten Sicherheitsmänner es ins Visier. Das Boot dreht ab.

Ereignet hat sich der Vorfall am 8. Januar. Ein kleinerer Zwischenfall, den das Internationale Marine-Büro (IMB), das weltweit Piratenüberfälle registriert, eigentlich für nicht berichtenswert erachtet. Zwar sei das Manöver "verdächtig" gewesen, es habe sich aber nicht um einen "bestätigten Überfall“ gehandelt. In der Pirateriestatistik des Jahres 2013 wird die Gastanker-Attacke nicht auftauchen.

Was den Vorfall dennoch berichtenswert macht: Überfälle wie jener auf den Gastanker sind selten geworden. Vor Somalias Küste ist es zurzeit so ruhig wie nie. Auf der Anti-Pirateriekarte des IMB sieht man den vermeintlichen Gastanker-Angriff als blau markierten Punkt. Die Karte zeigt für dieses Jahr lediglich einen weiteren, gelben Punkt vor der Küste Somalias. Es handelte sich um einen versuchten Angriff auf ein Containerschiff.

Noch im Jahr 2011 war die Karte der Organisation voller bunter Punkte. In derselben Region waren Hunderte Markierungen zu sehen, viele waren rot. Rot steht für erfolgreiche Piratenangriffe. Seit Monaten sieht die Sicherheitslage anders aus. Die Piraten ziehen sich am Horn von Afrika und auf dem Indischen Ozean zurück.

Die Wende kam 2012. Nach einem jahrelangem Anstieg der Piraterie gab es erstmals wieder einen deutlichen Rückgang der Überfälle. Die Piraten entführten nur 13 Schiffe vor Somalia. Sieben davon stammten aus der Region. Nach Angaben der NATO gelang den Piraten in der zweiten Jahreshälfte sogar kein einziger erfolgreicher Überfall auf internationale Handelsschiffe. Auch die deutsche Bundespolizei bestätigt die Entwicklung. Laut jüngstem Piratenbericht gingen die Piratenaktivitäten am Horn von Afrika in den ersten neun Monaten 2012 um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Mitte Januar erklärte sogar der somalische Oberpirat Mohamed Abdi Hassan offiziell seinen Rückzug: Er werde nun andere Geschäfte als Piraterie verfolgen, berichtete die FAZ. Eine seiner spektakulärsten Kaperungen war die des Supertankers Sirius Star im Jahr 2008.