Die Briefe aus Brüssel waren unangenehm. Anfang Dezember attestierte die EU-Kommission gleich acht Staaten, zu wenig gegen die illegale Fischerei in ihren Ländern zu tun – darunter Panama, Sri Lanka, Belize und Kambodscha. Die Beamten drohten sogar damit, die Staaten auf eine Schwarze Liste zu setzen.

Für Länder wie Panama hätte das schwerwiegende Folgen. Das Land lebt gut vom Geschäft mit Reedern aus aller Welt, die aus steuerlichen Gründen gerne unter der Flagge des Inselstaates fahren. Käme das Land auf eine schwarze Liste, dürften dort registrierte Schiffe keine Häfen innerhalb der EU mehr anfahren. Auch dürften sie den Fang nicht mehr in der EU verkaufen – in einem der wichtigsten Absatzmärkte der Welt. Prompt schickten die Regierungen der angemahnten Länder ihre Vertreter nach Brüssel und gelobten Besserung. Sechs Monate Zeit haben sie nun, um bessere Kontrollen einzurichten.

Illegale Fischerei – oft auch als Piratenfischerei bezeichnet – ist ein Milliardengeschäft mit Folgen. "Illegale, nicht gemeldete und nicht regulierte Fischerei bedroht die Fischbestände der Welt", schreiben Wissenschaftler in neuen World Ocean Review (WOR), der am Donnerstag erschienen ist. Der Bericht, erstellt von Meereswissenschaftlern des Exzellenzclusters Ozean der Zukunft in Kiel und der Zeitschrift MARE, ist die erste umfassende Analyse über den Zustand der Fischbestände und der Fischerei weltweit. Er beschäftigt sich auch mit illegaler Fischerei.

Deren Ausmaß ist nur schwer zu schätzen. Schließlich handelt es sich um einen Schwarzmarkt. Glaubt man dem Bericht der Wissenschaftler, wurden im Jahr 2011 zwischen elf und 26 Millionen Tonnen Fisch illegal gefangen – rund ein Drittel des legalen Fischfangs. Ein Milliardengeschäft. Allein die EU-Kommission schätzte vor zwei Jahren den Wert des illegalen Fischs auf rund zehn Milliarden Euro.

Die britische Umweltschutzorganisation Environmental Justice Foundation (EJF) kommt sogar auf mehr als 20 Milliarden Dollar. "Für die Fischer ist illegale Fischerei vor allem deshalb so attraktiv, weil sie weder Abgaben noch Steuern auf diese Fänge zahlen", schreiben die Wissenschaftler.

Sogar Interpol beschäftigt sich mit der Piratenfischerei

Kristin von Kistowski, Fischereiexpertin der US-Organisation Pew Environmental Group, spricht gar von "organisierter Kriminalität" im großen Stil. Fischereikriminalität könne zudem mit Geldwäsche, Steuerflucht und Betrug verbunden sein. "Das ist kein randständiges Umweltthema", sagt die Fachfrau. In der kommenden Woche wird sich sogar die internationale Kriminalpolizei Interpol dem Thema zuwenden. Die Organisation wird eine eigene Sparte zur Bekämpfung der illegalen Fischerei gründen.

Wie genau funktioniert das Geschäft? Mit einem Mix aus verschiedenen Strategien. Da sind etwa die riesigen Fangschiffe, so genannte Trawler, die ohne Genehmigung in den Hoheitsgebieten anderer Staaten fischen, vor allem vor den Küsten Westafrikas. Weil die Länder die Schiffe nur selten effektiv kontrollieren können, kommen die Fischer meist ungeschoren davon.