Anlagebetrug : 1.200 Beamte durchsuchen Büros mutmaßlicher Immobilienbetrüger

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger verhaftet. Deren Firmengruppe soll Anleger um mehr als 100 Millionen Euro geprellt haben.
Ein Polizist während der Razzia © Nicolas Armer/dpa

Wegen Betrugs mit Kapitalanlagen haben 1.200 Beamte die Büros einer Frankfurter und einer Hamburger Unternehmensgruppe durchsucht. Sie soll Tausende Anleger um einen dreistelligen Millionenbetrag geprellt haben. Gegenstand der Ermittlungen seien mehrere Anlagefonds im Gesamtvolumen von mehr als 100 Millionen Euro, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Es gehe unter anderem um den Verdacht des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue. Sechs mutmaßliche Haupttäter seien verhaftet und weitere Beschuldigte festgenommen worden. Sie sollen über Jahre hinweg ein groß angelegtes Betrugssystem aufgebaut haben.

Das Ermittlungsverfahren läuft seit Mitte 2012. Die Namen der Firmen wurden nicht genannt. Aus Ermittlungskreisen verlautete jedoch, es handele sich um die in Frankfurt ansässige Immobilienfirma S+K sowie das Hamburger Emissionshaus United Investors, das zum Beispiel bei der Konstruktion von Immobilienfonds half.

Vor dem Hauptsitz von S+K in der Frankfurter Kennedyallee standen am Nachmittag etwa 20 Mannschaftswagen der Polizei und zwei Kleintransporter, in die stapelweise Beweismaterial geladen wurde. Zu den Verhafteten zählen laut mit dem Fall vertrauten Personen auch die beiden Geschäftsführer von S+K.

Zwölf Prozent Zinsen versprochen

Tausenden Kunden sollen Anteile an Investmentfonds verkauft worden sein, die wiederum ihre Mittel an eine Immobilien-GmbH der S&K-Gruppe als Darlehen weiterreichten. Den Kunden wurde laut Verkaufsprospekt eine Verzinsung von zwölf Prozent versprochen. Um die Ansprüche älterer Anleger zu befriedigen, seien im Schneeballsystem neue Zuflüsse verwendet worden, lautet ein Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Die Beamten gehen davon aus, dass von den Anlagegeldern nicht mehr viel übrig ist: Sie seien unter anderem für "den extrem aufwändigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten" verwendet worden. Im Internet kursieren Fotos der beiden S+K-Chefs mit teuren Sportwagen. Zudem sind die Gelder nach Einschätzung der Strafverfolger in großem Stil in das Eigentum verbundener Unternehmen, beschuldigter Personen und deren Familienangehöriger verschoben worden. Sie stünden daher mutmaßlich den Anlegern nicht mehr zur Verfügung. Beide Firmengruppen haben weit mehr als 100 Untergesellschaften.

Die Siegburger Kanzlei Göddecke, die Geschädigte vertritt, warf der Unternehmensgruppe vor, den Wert des eigenen Immobilienbestands mit zweifelhaften Gutachten geschönt und dadurch Kapitalanleger geschädigt zu haben. "Wir können nachweisen, dass die S&K bei der Bewertung von mehreren Immobilien einen Gutachter eingesetzt hat, der überhaupt keine Zulassung hatte. Dieser kam verdächtig oft auf einen Immobilienwert, der über dem tatsächlichen Marktwert lag", erklärte Rechtsanwalt Marc Gericke.

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