BahnhofsbauBund will der Bahn zwei Milliarden zusätzlich für Stuttgart 21 genehmigen

Die Regierung hält an Stuttgart 21 fest. Im Aufsichtsrat will sie der Bahn offenbar zusätzlich Geld gewähren. Allerdings soll auch Baden-Württemberg einen Anteil tragen.

Blick auf das Bauprojekt Stuttgart 21 (Archiv)

Blick auf das Bauprojekt Stuttgart 21 (Archiv)  |  © Michael Dalder/Reuters

Trotz immer höherer Kosten setzt die Bundesregierung einem Medienbericht zufolge weiter auf den Weiterbau des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21. In einer Sondersitzung des Bahn-Aufsichtsrats am 5. März sollen die Regierungsvertreter, die dem Aufsichtsrat angehören, der Bahn die Übernahme zusätzlicher Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro genehmigen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Arbeitnehmervertreter, die die Hälfte der Mitglieder des Gremiums stellen, haben ihre Position noch nicht festgelegt.

Der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn, die als Bauherrin für Stuttgart 21 verantwortlich ist. Zu Baubeginn hatte der Konzern das Projekt mit 4,5 Milliarden Euro veranschlagt, das ist aber längst nicht mehr zu halten.

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Inzwischen geht die Bahn davon aus, dass sich der Bahnhof auf bis zu 6,8 Milliarden Euro verteuern könnte. Bislang wollte sie zusätzliche Kosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro selbst übernehmen. Für weitere Kostenrisiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro forderte der Konzern aber eine Beteiligung der Projektpartner, zu denen etwa das Land Baden-Württemberg gehört.

Der Aufsichtsrat fordert nach Informationen der FAZ nun von der Bahn, etwa 300 Millionen dieser Kostenrisiken zu eliminieren. Demnach sollen die Projektpartner die Kosten für die Anbindung des Bahnhofs an den Flughafen tragen, außerdem die Zusatzkosten aus dem Schlichtungsverfahren zu dem umstrittenen Projekt.

Die Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im Aufsichtsrat sehen noch mehrere offene Punkte. Geklärt werden müsse, ob es über die bekannten Risiken hinaus weitere gebe und ob die bisher genannten Summen ausreichend seien, sagte ein Sprecher. Der Bahn-Vorstand müsse auch sagen, inwieweit sich die beiden anderen Projektbeteiligten Land und Stadt an Zusatzkosten beteiligten. Schließlich müsse für den Fall, dass am Ende doch nicht weitergebaut werde, ein Ausstiegsszenario klar sein.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor gesagt, der Bund stehe zu Stuttgart 21, wolle aber Klarheit zur Finanzierung. "Weitere Kostenüberraschungen darf es da nicht geben", sagte ihr Sprecher.

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Leserkommentare
  1. "Offenbar doch eine Mehrheit der Baden-Württemberger, die dem kostspieligen Zukunftsprojekt demokratisch ihren Segen erteilt haben."

    Die Bürger von BW haben nicht abgestimmt, ob der Bahnhof gebaut oder nicht.... (man wird müde dies zu erwähnen, entstammt einer fehlgeleiteten Propaganda).

    Die Abstimmung ging über den Ausstieg BW aus der Finanzierung des Bahnhofs zu den damalligen Projektkosten.....

    9 Leserempfehlungen
  2. ... da hamm'se grad echt das falsche Beispiel gewählt. Oder warum dachten Sie, kaufen die Griechen Panzer und Raketen (gegen Schuldscheine)? Weil sie durch die EU-Regelungen zur Aufrüstung gezwungen sind.

    Nennen Sie mich krämerisch, aber ich hätte gerne gewusst, wofür genau das Geld herhalten muss und vor allem, wo es herkommen soll. Vielleicht können Sie ja spenden.

    Eine Leserempfehlung
  3. ... ganz: "Sollte S21 nicht gebaut werden, kann ich immernoch mit der Bahn nach Stuttgart fahren."

    Denn Sie verkennen, dass vor dem Bahnhof das sogenannte Gleisgebirge liegt. Nur so lange, wie das noch hält, funktioniert der Bahnhof. Das Ding ist riesig und entsprechend riesig würden auch die Kosten dafür in Zukunft sein.

    Ohne Gleisgebirge sähe es allerdings anders aus.

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    "Denn Sie verkennen, dass vor dem Bahnhof das sogenannte Gleisgebirge liegt. Nur so lange, wie das noch hält, funktioniert der Bahnhof. Das Ding ist riesig und entsprechend riesig würden auch die Kosten dafür in Zukunft sein."

    Na, keine Dramatisierung, bitte!

    "Der zweite Teil bei dieser Frage sind die Kosten für die nötige Modernisierung des alten Hauptbahnhofes, der vor allem im Bereich des Gleisvorfeldes dringend den heutigen Standards angepasst werden muss. Die Investitionskosten würden mindestens weitere 1,5 Milliarden Euro ausmachen."
    http://direktzu.bahnproje...

    Und in der "Schlichtung" hat Herr Kefer erklärt, dass diese 1,5 Mrd. die Sanierungskosten bis 2054 seien.
    (OK, inzwischen dürften die Sanierungskosten ein wenig höher sein, denn die Bahn hat ja schon einiges kaputtgemacht.)

    • Zananza
    • 21. Februar 2013 21:57 Uhr

    Etwas, das mich an der Bahn stört, sind die stetig steigenden Bahnpreise. Sie begründen es mit gestiegenen Ausgaben, aber dennoch erzielen sie immer höhere Gewinne.

    Nicht desto trotz möchte die Bahn die Fehlplanungen zuteilen an Bund/Länder/Stadt, oder auch Steuerzahler weiterreichen. Zu DDR-Zeiten nannte man so etwas zurecht Volkseigentum.

    • angste
    • 21. Februar 2013 21:58 Uhr

    krämerischer, als sie wirklich ist . .

    ---

    Naja, 2 Milliarden, nur damit es BIS ZUR WAHL keine Absage für S21 gibt ist schon ein bißchen viel....

    3 Leserempfehlungen
  4. Der Autofahrer, der bei jedem Schlag in den Rücken, den Millionen von Straßenlöchern verursachen, daran erinnert wird, wo tatsächlich Milliarden an Investitionen fehlen (um nur mal beim Thema Verkehr zu bleiben)vermag das Positive an einem solchen Milliardengrab, wie in Stuttgart, nicht zu entdecken.

    2 Leserempfehlungen
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    • fragfix
    • 21. Februar 2013 22:50 Uhr

    abgewinnen. Vermutlich kann fast jeder Nahverkehrbenutzer in Stuttgart auf Anhieb drei Dinge nennen, in die man das Geld besser stecken könnte. So steht an meiner S-Bahn-Haltestelle schon wieder eine Rolltreppe wochenlang still, obwohl sie eben erst erneuert wurde. Klar ist jetzt allerdings, dass das Projekt auf jeden Fall durchgezogen wird. Als erstes wird die CDU im Land und in der Stadt umfallen und dann natürlich die SPD. Und wenn die Grünen dann immer noch nicht umfallen, wird es halt nach den nächsten Wahlen eine CDU-SPD-Regierung im Land geben. Da gibt es immer noch genug S-21-Befürworter und dann gibt es das Geld.

    Für die Stuttgarter wird das Projekt allerdings ein Deasaster. Es sind ja nicht nur Lärm und Dreck, Staus und Stress, ein zerstörter Bahnhof und ein zerstörter Park, das verlorene Geld und am Ende ein schlechterer Bahnhof. S 21 ist ja auch der Versuch eine echte Metropole zu werden, also das Schwaben aus „Schwabenmetropole“ zu streichen. Mindestens so etwas wie München schwebt den Visionären von S 21 vor oder Berlin (natürlich nur viel ordentlicher und besser), am besten aber gleich so etwas wie Paris oder London. Falls irgendwann alles fertig ist, werden die Stuttgarter feststellen, dass sie immer noch Schwaben sind und das viel Beton keine Metropole macht. Und sie werden überrascht bemerken, dass die Gleis zwar weg, der Kessel, in dem Stuttgart liegt aber noch da ist. Alles in allem wird S 21 ein Trauma hinterlassen, das für mehrere Jahrzehnte reicht.

  5. dass diee Steuerverschwendung der CDU viele Wählerstimmen kostet.

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  6. und mir wird richtig mulmig dabei, denn ich habe das Gefühl, dieses Selbstbedienungssystem bestimmter mit der Regierung vebandelter Wirtschaftseliten wird so nicht mehr lange gutgehen.

    7 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Stuttgart | Bahn | Angela Merkel | Bundesregierung | CDU | FAZ
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