Stuttgart 21 : Der abgefahrene Bahnhof
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Was würde ein Ausstieg kosten?

Was würde ein Ausstieg kosten?

Die Schätzungen darüber variieren stark. Die Deutsche Bahn geht von Gesamtkosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro aus. Rund 1,5 Milliarden Euro würde demnach der Ausstieg an sich zu Buche schlagen, dazu kommen rund 1,3 Milliarden Euro, die für Investitionen in einen Kopfbahnhof anfielen. Ähnlich rechnet der SPD-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, Claus Schmiedel. Er schätzt die Ausstiegskosten auf mehr als drei Milliarden Euro.

Die Gegner des Projekts halten das für übertrieben. Das Aktionsbündnis K21, das sich für die Variante eines Kopfbahnhofes in Stuttgart starkmacht, rechnet vor, dass der Ausstieg nur rund 400 Millionen Euro kosten würde – die Finanzierung für eine Modernisierung des Kopfbahnhofes nicht inbegriffen. Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, glaubt, dass der Baustopp noch günstiger wäre: "Die Kosten für einen Ausstieg belaufen sich auf mehrere Millionen Euro", sagte er ZEIT ONLINE. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Märkische Revision liegt mit ihrer Kosteneinschätzung zwischen Gegnern und Befürwortern. Sie beziffert die Kosten des Baustopps auf rund 1,5 Milliarden Euro.

Welche Alternativen gibt es zum Tiefbahnhof?

Kombibahnhof heißt wohl die am meisten diskutierte Alternative zu Stuttgart 21. Im Sommer 2011 hatte der Schlichter Heiner Geißler mit dem Schweizer Verkehrsberatungsbüro SMA seine Lösung vorgestellt: einen Kopfbahnhof mit verkleinertem Tiefbahnhof. Die Regionalzüge sollen weiterhin oberirdisch durch einen modernisierten Kopfbahnhof fahren, die Fernverkehrszüge unterirdisch auf vier Gleisen einfahren. Auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro würden sich die Investitionskosten laut Geißler belaufen.

Andere Alternativen sehen überhaupt keinen Tiefbahnhof mehr vor. Das Aktionsbündnis K 21, zu dem der B.U.N.D. und der Verkehrsclub Deutschland gehören, fordert einen modernisierten Kopfbahnhof. Die 16 Gleise sollen bestehen bleiben und neu angeordnet, überlastete Streckenabschnitte ausgebaut werden. Dadurch erhoffen sich die K-21-Anhänger eine größere Leistungsfähigkeit. Zum Vergleich: Im geplanten Tiefbahnhof gäbe es nur acht Gleise.

Das Aktionsbündnis schätzt die reinen Baukosten auf 1,2 Milliarden Euro. "Allerdings kann der Kopfbahnhof in Stufen verändert werden", sagt Gerhard Pfeifer vom B.U.N.D. "Wenn das nötige Geld nicht da ist, können wir mit wenigen 100 Millionen Euro beginnen."

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