Maurice Taylor : US-Reifenfabrikant nennt Frankreichs Regierung Extremisten

Seit Tagen erregt sich Frankreich über US-Unternehmer Taylor. Der hatte sich über die französische Arbeitsmoral mokiert und heizt nun den Streit noch weiter an.
Protest vor dem Reifenwerk in Amiens, das von Schließung bedroht ist (Bild vom 13. Februar) © Patrick Kovarik/AFP/Getty Images

Die Gewerkschaften protestierten, das US-Außenministerium schaltete sich ein – nun geht der Streit um die herablassenden Äußerungen von US-Firmenchef Maurice Taylor über die Franzosen in die nächste Runde.

Nachdem Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg die Äußerungen des Reifenfabrikanten als "extremistisch" bezeichnet hatte, keilte Taylor zurück. Mit scharfen Worten kritisierte er Regierung und Gewerkschaften. "Sie behaupten, ich sei ein Extremist", schrieb der Chef des Reifenherstellers Titan Taylor in dem Brief. "Der Extremist, Herr Minister, ist Ihre Regierung und das mangelnde Wissen, wie man ein Unternehmen aufbaut."

Der Titan-Konzern hatte 2012 vorgeschlagen, mehr als 500 Angestellte des angeschlagenen Werks des US-Reifenherstellers Goodyear im nordfranzösischen Amiens zu übernehmen, doch das Projekt scheiterte. Auf den Versuch der Regierung in Paris, die Gespräche wieder in Gang zu bringen, reagierte Taylor mit einem ersten Brief, über den sich am Mittwoch viele Franzosen empörten. Taylor lässt sich darin über die "sogenannten Arbeiter" in dem Reifen-Werk aus, die höchstens "drei Stunden" am Tag arbeiten würden.

Für sieben Stunden Bezahlung sechs Stunden arbeiten.

Montebourg reagierte erbost mit einem Antwortbrief: Taylors Äußerungen seien "ebenso extremistisch wie beleidigend" und zeugten "von einer völligen Ignoranz unseres Landes".

Taylor legte daraufhin nach, er selbst müsse "verrückt" gewesen sein, daran gedacht zu haben, "Millionen Dollar für den Kauf einer Reifenfabrik in Frankreich auszugeben und mit die höchsten Löhne in der Welt zu zahlen". Die französische Regierung lasse es zu, dass "die Spinner der kommunistischen Gewerkschaft" die bestbezahlten Jobs zerstörten.

In erneut spöttischem Ton spricht er die einst geplante Übernahme von Goodyear-Mitarbeitern an: "Zu keinem Zeitpunkt hat Titan gefordert, die Löhne zu senken", schrieb er. "Wir haben nur gesagt: Wenn jemand für sieben Stunden Arbeit bezahlt werden will, dann muss er mindestens sechs Stunden arbeiten."

US-Außenamt versucht zu schlichten

Maurice Taylor findet aber auch gute Worte für Frankreich: Das Land habe "schöne Frauen und großartigen Wein". Er selbst sei zudem nach dem berühmten Franzosen Maurice Chevalier benannt. "Meine Großmutter nannte meinen Vater nach dem französischen Entertainer Maurice Chevalier." Als ältester Sohn habe er den Namen dann geerbt.

In dem Streit hatte am Donnerstag sogar das US-Außenministerium versucht, weitere Eskalation zu verhindern. Frankreich sei "der älteste Verbündete" der USA, sagte eine Sprecherin. Viele erfolgreiche US-Unternehmen seien in Frankreich aktiv, viele erfolgreiche französische Unternehmen in den USA. Den heftigen Briefwechsel zwischen Taylor und Montebourg bezeichnete die Sprecherin als "private Angelegenheit".

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Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Keine Frage

Taylor ist mir nicht Sympathisch und seine Motive sind nicht edel für die Allgemeinheit sondern dienen primär seinen Interessen - nur erwarte ich von ihm weniger als von einem Vertreter des Staates (dies hatte ich ja nun schon mehrfach wiederholt).

Was mit den Mitarbeitern Amiens passiert wäre ist schwer zu sagen bzw. reine Spekulation, auf jeden Fall hätten Sie eine größere Chance gehabt wie jetzt.
Denn - warum sollte er das Reifenwerk überhaupt übernehmen, wenn er es eh "dichtmachen" wollte.