Drei Schlagzeilen in zwei Wochen: Einen "Trend zur Frührente" macht die Süddeutsche Zeitung aus – und zwar selbst dann, wenn die Rentner im Alter mit weniger Geld auskommen müssen. Die ZEIT prophezeit: "Der Feierabend kommt zurück". Und an diesem Montag fordert eine Gruppe von Wissenschaftlern und Forschern ein "gesamtgesellschaftliches Projekt Arbeitszeitverkürzung". Nur noch 30 Stunden in der Woche soll gearbeitet werden. Ordnen die Deutschen gerade das Verhältnis zur Arbeit neu?

Eine repräsentative Umfrage, die ZEIT ONLINE beim Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegeben hat, scheint das zu widerlegen. Demnach sagten nur 25 Prozent der Befragten, dass sie weniger arbeiten würden, wenn sie gleichzeitig auf Gehalt verzichten müssten – gesetzt natürlich den Fall, ihr Arbeitgeber erlaubt das. Für 73 Prozent käme ein solcher Schritt nicht infrage.

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Bei den Jungen ist das Bild sogar noch eindeutiger. Der Anteil derer, die nicht weniger arbeiten wollen, wenn das Gehaltseinbußen mit sich bringt, beträgt bei den 16- bis 24-Jährigen sogar 86 Prozent. Das widerspricht erst mal der populär gewordenen These, dass vor allem junge, gut qualifizierte Arbeitnehmer die Arbeitszeiten herunterhandeln, und dafür auf Gehalt verzichten. Die Daten zeigen: Im Durchschnitt aller jungen Arbeitnehmer ist dem nicht so.

Ebenfalls interessant: Auf die Frage, ob sie zu viel arbeiten, antworten immerhin 44 Prozent der Befragten: eher nicht. Nur knapp 20 Prozent klagen, die Arbeit wachse ihnen über den Kopf.

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Auch der Trend zur angeblich frühen Rente spiegelt sich in den Zahlen nur bedingt wider. Rund 60 Prozent können sich laut der ZEIT-ONLINE-Umfrage nicht vorstellen, vorzeitig in Rente zu gehen, wenn sie weniger Rente hinnehmen müssten. Bei den Jungen liegt der Anteil sogar noch höher: bei fast 70 Prozent. Die meisten Befragten haben also vor, bis zum gesetzlichen Rentenalter zu arbeiten.

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Wie lassen sich die Zahlen nun deuten? Eine Erklärung könnte lauten: Das Streben nach mehr Freizeit und einer besseren Work-Life-Balance ist noch immer ein Thema von Eliten. Die Arbeitnehmer, die weniger Gehalt im Gegenzug für mehr Freizeit akzeptieren können und wollen, sind eine Minderheit.

Diese Umfrage wurde in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Onlineinterviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt. Für die vorliegende repräsentative Umfrage befragte YouGov vom 5. bis 7. Februar 1.094 Menschen.