Finanzkrise : US-Regierung will Rating-Agentur S&P verklagen

Wegen der Vergabe zweifelhafter Bonitätsnoten vor der Finanzkrise droht Standard & Poor's ein Gerichtsverfahren in den USA. Die Rating-Agentur weist die Vorwürfe zurück.
Hauptsitz der Rating-Agentur Standard & Poor's in New York © Emmanuel Dunand/AFP/GettyImages

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) rechnet nach eigenen Angaben mit einer Zivilklage des US-Justizministeriums. Diese werde sich auf die S&P-Ratings verschiedener Wertpapier-Konstruktionen (CDOs) beziehen, teilte das Unternehmen mit. Nach Informationen des Wall Street Journal wollen außer dem Justizministerium auch die Generalstaatsanwaltschaften einzelner Bundesstaaten klagen.

Standard & Poor's teilte mit, vom US-Justizministerium über die bevorstehende Klage informiert worden zu sein. Dabei gehe es um die Bewertung von auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren vor der Finanzkrise von 2007. Standard & Poor's sowie die beiden anderen großen Rating-Agenturen Moody's und Fitch hatten die Papiere lange als unbedenklich eingestuft und stehen nun in der Kritik, Anleger damit in die Irre geführt zu haben.

Die Rating-Agenturen hatten damals im Auftrag von Banken bewertet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Hypothekenpapiere ausfallen. Vor der Finanzkrise waren die Agenturen in sehr vielen Fällen davon ausgegangen, dass die Schuldner ihre Raten zuverlässig zahlen können – die Papiere bekamen folglich gute Noten. Als der US-Immobilienmarkt jedoch einbrach, gab es massenhafte Ausfälle, die Investoren verzeichneten Verluste in Milliardenhöhe. Die Finanzkrise gipfelte im Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.

S&P bezeichnet mögliche Klage als unbegründet

Die Rating-Agenturen stehen seit Jahren in der Kritik, entzogen sich Verfahren aber zumeist erfolgreich mit der Begründung, sie hätten lediglich eine Meinung vertreten und keine Kaufempfehlung abgegeben. Auch S&P erklärte nun, eine mögliche Klage sei komplett unbegründet.

Laut Wall Street Journal waren zuvor Gespräche über einen Vergleich gescheitert. Unklar sei allerdings, warum nur gegen S&P und gegen keinen der Wettbewerber vorgegangen werden solle, schrieb die Zeitung.

Mitte Januar hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass Rating-Agenturen in Deutschland grundsätzlich wegen ihrer Einschätzung verklagt werden können. Zuvor hatte ein australisches Gericht S&P zur Zahlung einer millionenschweren Entschädigung verurteilt, weil die Rating-Agentur Anleger in die Irre geführt habe. In New York hatte ein Gericht eine ähnliche Klage von Investoren zugelassen.

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