"Alles Quatsch", sagt Langen. In der 98-seitigen Richtlinie der Kommission sei an keiner Stelle die Rede davon, dass Städte ihre Wasserwerke privatisieren müssen. Die Steuerzahler treffe viel eher die Hybris mancher Stadtwerke, die bisweilen in gigantischen Projekten wie Offshorewindanlagen investiert sind, sagt Langen. Das eigentliche Problem sei, dass sich diese Unternehmen gegen europaweite Ausschreibungen sperren, ein Verfahren ganz nebenbei, dass in anderen Industriezweigen längst üblich ist.

Auch Barnier betont, die geplante Richtlinie beeinträchtige die Autonomie der Städte und Gemeinden bei der Organisation der Wasserversorgung nicht im Geringsten. "In Wirklichkeit tut die Richtlinie genau das Gegenteil. Sie verpflichtet Gebietskörperschaften, ein faires und transparentes Verfahren durchzuführen, wenn sie im Rahmen ihrer Autonomie die Entscheidung getroffen haben, die Wasserversorgung am Markt zu vergeben oder zu privatisieren."      

Der Verband kommunaler Unternehmen sieht das natürlich anders. Eine Sprecherin warnt vor einem Ausschreibungszwang. Deutschland habe mit der bisherigen Praxis doch gute Erfahrungen gemacht. Anschließend berichtet sie von den negativen Beispielen aus Barniers Heimat Frankreich. Dort ist der Markt seit mehr als hundert Jahren privatisiert. Unterschwellig suggeriert die Dame: Wollen wir das auch in Deutschland haben? Erstaunlich, wie die Sprecherin immer wieder das Gespräch auf die Ängste vor der Privatisierung lenkt. Und das, obwohl auch sie wiederholt zugeben muss, dass es in der Richtlinie darum eigentlich nicht geht.

Dennoch macht der Verband weiter Druck gegen die Liberalisierung. Der Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck hofft nun sogar auf die Regierung in Berlin. "Die Bundesregierung muss jetzt die kommunale Wasserwirtschaft in den weiteren Beratungen der Richtlinie schützen, ansonsten kommt sie unter die Räder der Gleichmacher aus Brüssel", heißt es in einer Pressemitteilung. Ob Reck mit "sie" die Richtlinie oder die Regierung meint, bleibt offen. Noch unklarer ist jedoch, warum ausgerechnet die Bundesregierung helfen soll.  

Deutsche Unterhändler haben mehr als ein halbes Jahr mit den anderen Mitgliedsstaaten verhandelt und sind mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. "Die europaweite Angleichung der Ausschreibungen wird den Wassermarkt viel transparenter machen und am Ende auch den Kunden zugute kommen", heißt es in Diplomatenkreisen. Auch sie geben Entwarnung: "Es wird keinen Zwang zur Privatisierung geben, jede Kommune kann das selber entscheiden." Bis Ende Juni sollen die Verhandlungen mit dem Europaparlament abgeschlossen sein. Dann ist der ganze Spuk vorbei.