Drohender StaatsbankrottAsmussen für schnelle Hilfszusagen an Zypern

EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen fordert baldige Hilfen für das Land – trotz Zyperns zweifelhaftem Umgang mit Schwarzgeld. Alles andere gefährde erneut die Euro-Zone.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen  |  © Pawel Kopczynski/Reuters

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat sich für schnelle Hilfszusagen an Zypern ausgesprochen. "Ich erwarte, dass das Hilfsprogramm für Zypern Ende März steht", sagte Asmussen dem Handelsblatt. Asmussen warnte, wenn ein systemrelevantes Land fallengelassen werde, "riskieren wir den Fortschritt, den wir im vergangenen Jahr bei der Bewältigung der Euro-Krise erreicht haben".

Falls Zypern keine externe Hilfe erhalte, rutsche das Land in die Zahlungsunfähigkeit. Einen Zeitpunkt, wann dem Eurostaat das Geld ausgehen könnte, wollte er nicht nennen. Die Entscheidung für Finanzhilfen dürfe keinesfalls bis nach der Bundestagswahl im September aufgeschoben werden, stellte der Notenbanker klar.

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Zypern benötigt Schätzungen zufolge Kredite in Höhe von 17 Milliarden Euro, davon sollen nach Angaben der Regierung höchstens acht Milliarden Euro an angeschlagene Banken fließen. Zypern hatte bereits im Juni Hilfe aus dem Rettungsfonds erbeten.

Kritik an Umgang mit russischem Schwarzgeld

Der Antrag ist jedoch umstritten. Dem Land wird besonders von Deutschland vorgeworfen, nicht entschieden gegen Steuerbetrug und Schwarzgeld etwa aus Russland vorzugehen.

Die Finanzminister der Euro-Zone kommen am Nachmittag in Brüssel zusammen, um zum wiederholten Male über die Rettung Zyperns vor dem Bankrott zu debattieren. Mit einer Entscheidung wird im März gerechnet. Erst müssten die Präsidentenwahlen des Landes am 17. Februar abgewartet werden, sagten Diplomaten.

Asmussen forderte zudem die französische Regierung zur Einhaltung der Ziele bei der Haushaltskonsolidierung auf. "Es ist extrem wichtig, dass Frankreich in diesem Jahr seine Zusage erfüllt, das Defizit bei der Neuverschuldung unter drei Prozent zu senken", sagte Asmussen. Er vertraue darauf, dass die Regierung die notwendigen Maßnahmen dafür umsetze.

Sollten Prognosen darauf hindeuten, dass der Zielwert verfehlt werde, sei es "im eigenen Interesse der Regierung in Paris zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen", sagte Asmussen. Europa habe Interesse an einem wirtschaftlich starken Frankreich.
 

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Leserkommentare
  1. Ich habe mir in froher Erwartung schließlich Aktien von den beiden größten Banken Zyperns CYPRUS POPULAR BANK und BANK OF CYPRUS ins Deport gelegt.

    Ist zwar nur eine Zockerei, aber ich hoffe damit ein paar Prozent Gewinn einzustreichen, wenn die zyprischen Banken gerettet werden.

    Zumindest sehe ich mit dieser Methode ein paar der Euros wieder, die über meine Steuerabgaben direkt an die Pleite-Staaten weiter gereicht werden.

    5 Leserempfehlungen
  2. Für die russische Schwarzgeldmafia ist Zypern vielleicht relevant, aber für Europa?

    "wenn ein systemrelevantes Land fallengelassen werde, "

    10 Leserempfehlungen
  3. Wenn Sie mit ihrem privaten Geld Steuerhinterzieher unterstützen wollen, sagt das zwar alles aus was man über SIE als Person wissen muss, aber das berechtigt Sie nicht das Geld ehrlicher Menschen für Ihre schmutzigen Geschäfte zu verwenden!

    Hochachtungsvoll

    Schwärzel

    14 Leserempfehlungen
  4. Zypern sei absolut systemrelevant, wenn wir dieses Land nicht retten, bricht die EU zusammen. So die Asmussens, Draghis und Barrosos.

    Es ist der vorläufige Tiefpunkt des Euro-Desasters. Das Bank-Depot der russischen Oligarchie, die Schwarzgelder Russland und griechischer Reeder, all das wird jetzt einen Rettungsschirm erhalten. Gefertigt im Deutschen Bundestag von „Leuten“, die wir gewählt haben.

    Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr mir das gegen den Strich geht! Kalter Zorn steigt in einem auf und man wünschte, dagegen etwas unternehmen zu können. Leider unmöglich. Wir sind gefangen in dieser verdammten Währungszone und werden auch noch vertreten von Leuten wie Assmussen. Aber wen interessiert das schon, solange wir unsere wirklichen Probleme (Sexismus etc.) nicht gelöst haben. Einfach grauenhaft!

    20 Leserempfehlungen
  5. weil Zypern eventuell nicht mehr teilnimmt. Das ist ja schrecklich.

    11 Leserempfehlungen
    • AWKBL
    • 11. Februar 2013 10:50 Uhr
    6. [...]

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und bemühen Sie sich um differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/fk.

    3 Leserempfehlungen
    • NoG
    • 11. Februar 2013 10:59 Uhr

    "Asmussen warnte, wenn ein systemrelevantes Land fallengelassen werde, "riskieren wir den Fortschritt, den wir im vergangenen Jahr bei der Bewältigung der Euro-Krise erreicht haben"."

    das suggeriert doch, das es laender in der euro-zone gibt welche nicht systemrelevant in asmussens augen sind.
    wer sollte das dann sein wenn nicht zypern (bzw. ein teil zyperns)?

    ein paar details zur angeblichen systemrelevanz zyperns bzw deren banken:

    http://wirtschaftskrise.b...

    "Diese Sichtweise lässt sich bei der Betrachtung der Zahlen nur schwer aufrechterhalten. Die Bilanzsumme aller zyprischen Banken 2011 beträgt gerade einmal 110 Mrd. Euro, das entspricht etwa fünf Prozent der Bilanzsumme der Deutschen Bank. Die Aktiva der zyprischen Banken werden zu 72 Prozent über Bankeinlagen finanziert, die Verpflichtungen gegenüber ausländischen Banken betragen nur 15 Mrd. Euro. Der größte Teil der Bankleinlagen gehört inländischen (32 Mrd. Euro) und osteuropäischen, meist russischen (23 Mrd. Euro) Bankkunden, nur 17 Mrd. Euro Bankeinlagen gehören griechischen Kunden. Dazu kommt, dass die EU-weit geltende Einlagensicherung alle Guthaben bis 100.000 Euro versichert, entsprechend unwahrscheinlich erscheint also insgesamt die Wahrscheinlichkeit der "Ansteckung" Griechenlands durch eine zyprische Staatspleite."

    10 Leserempfehlungen
  6. Alles andere gefährde erneut die Euro-Zone.

    Ja klar. Eine Insel mit nichtmal 1 Millionen Einwohner gefährdet die EU.

    Herr Asmussen soll uns mal erklären, wie eine so kleine Insel mit so wenig Einwohnern und Wirtschaft ein solches Defizit erwirtschaften konnte.

    Richtig. Es sind die Banken!

    Ein Bankensystem, dass der Größe und Stärke der Wirtschaft nicht angemessen war und ist.

    Deswegen: Pleiteschrumpfen!

    Kein Cent mehr für Pleitebanken. Weder in Zypern noch in Irlan, noch anderswo.

    Vorbild: Island!

    8 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, zz
  • Schlagworte Jörg Asmussen | Zypern | Bundestagswahl | Diplomat | Euro | Euro-Krise
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