RohstoffeZyperns Schatz

Vor der Küste Zyperns werden große Öl- und Erdgasvorkommen vermutet. Die könnten Europa unabhängiger von den Lieferungen aus Russland machen. von 

Als Pleiteinsel wird Zypern gehässig in manchen Boulevardmedien bezeichnet. Vielleicht sollte man besser von einer Schatzinsel sprechen. Denn vor den Küsten der drittgrößten Insel des Mittelmeeres werden riesige Öl- und Erdgasvorkommen vermutet. Mit ihrer Ausbeutung könnte Zypern seine Finanzprobleme schon in wenigen Jahren lösen. Die Kriseninsel forciert deshalb jetzt die Suche nach Bodenschätzen vor ihren Küsten. Diese Woche unterzeichnete Handelsminister Neoclis Sylikiotis ein Abkommen mit dem französischen Energiekonzern Total. Das Unternehmen soll südlich der Insel nach Gas und Öl bohren. "Wir haben ernstzunehmende Anzeichen, dass es dort bedeutende Ölvorkommen gibt", sagte Minister Sylikiotis im Gespräch mit dieser Zeitung in Nikosia.

Zypern ist in den vergangenen Monaten immer tiefer in den Strudel der Griechenlandkrise geraten. Die Wirtschaft des Inselstaates ist mit dem Nachbarland eng verflochten. Hart traf es vor allem Zyperns große Banken. Sie machten in den vergangenen Jahren 40 bis 50 Prozent ihres Geschäfts in Griechenland und investierten massiv in griechische Staatsanleihen. So wurde Griechenland für Kreditinstitute wie die Bank of Cyprus und die Laiki Bank zum Milliardengrab. Sie haben dort fast ihr gesamtes Eigenkapital verloren. Hilfskredite von rund zehn Milliarden Euro braucht Zypern jetzt für die Rekapitalisierung der Banken, weitere 7,5 Milliarden für die Refinanzierung fälliger Staatsschulden und den Ausgleich des Haushaltssaldos.

Anzeige

Doch die möglichen Geldgeber, die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF), zögern. Zypern wird vorgeworfen, nicht genug gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu unternehmen. Den IWF plagt auch die Sorge, mit den neuen Hilfskrediten, die rund 100 Prozent der diesjährigen Wirtschaftsleistung entsprechen, werde sich Zypern so hoch verschulden, dass die Schuldenlast nicht mehr tragbar ist.

Aber die Hilfsgelder, um die nun gerungen wird, könnten schon bald als "Peanuts" erscheinen. Denn die Insel sitzt möglicherweise auf Erdgasvorkommen, die nicht nur den eigenen Bedarf auf Jahrzehnte hinaus decken, sondern auch Europa unabhängiger von russischem Gas machen könnten. Bereits im Oktober 2011 begann der US-Konzern Noble Energy im sogenannten Block 12, einem von 13 Offshore-Sektoren südlich der Insel, mit der Suche nach Erdgas. Block 12 grenzt an ein Seegebiet, in dem Israel bereits 2009 zwei große Erdgasfelder entdeckte, Tamar und Dalit.

Ende Dezember 2011 wurde Noble Energy im zyprischen Sektor fündig.

Ende 2010 einigten sich Israel und Zypern auf eine Abgrenzung der beiderseitigen Wirtschaftszonen im östlichen Mittelmeer. Ende Dezember 2011 wurde Noble Energy im zyprischen Sektor fündig: In etwa 4.500 Metern unter dem Meeresboden stieß die Probebohrung auf ein Erdgasfeld. Es hat nach ersten Schätzungen einen Umfang von 255 Milliarden Kubikmeter. Der Fund könnte Zyperns Erdgasbedarf für etwa zwei Jahrzehnte decken. Die Förderung soll 2018 beginnen. Doch das ist erst der Anfang. 

Leserkommentare
  1. aber wie kurzsichtig muss man sein, wenn man im Mittelmeer anfängt Öl zu fördern? Die Ölpest ist doch vorprogrammiert. Abgesehen davon ist das Ziel der EU doch der Klima und Naturschutz, sowie die Nachhaltigkeit. An der förderung neuer Ölvorkommen ist nichts Nachhaltig und der Naturschutz ist hier auch nicht erkennbar.

    Die Förderung solcher Quelln sollte tunlichst vermieden werden. Das Mittelmeer ist ein enormer Wirtschaftsmotor im bereich Tourismus und ohne Ölplatformen schon enorm ökologisch belastet. Wenn man sich ein wenig anstrengt hat man bald ähnliche verhältnisse wie in der Nord und Ostsee nach dem 2. Weltkrieg.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sitzen schon viele reiche Russen auf Zypern!
    Eine wirkliche Lösung ist die Unabhängigkeit vom Erdöl.
    Daran zu arbeiten wäre wirklich sinnvoll - für die ganze Erde!

  2. Die Meldung kommt ja gerade recht zum ansonsten anstehenden Bankrott. Vielleicht hätte man die vermuteten Rohstoffe früher fördern sollen?

  3. Regierung als Sicherheit für die knapp 5 Milliarden an Krediten geben lassen. Das sollte kein Problem sein, denn es wird ja sicherlich jeder Cent zurückgezahlt.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • scoty
    • 11. Februar 2013 15:45 Uhr

    das kann man so sehen oder so sehen.
    Ich erinnere mal an die BP-Katastrophe und die Gesamtschaden von ca. 42 MIlliarden Dollar.
    2 Monate sprudelte das Öl so vor sich hin, bis endlich in 1500 Meter Tiefe das Leck gestoppt werden konnte.

    Gestoppt welch ein nettes Wort nicht.
    Hierzu aus Wikipedia:

    " Am 17. Juni 2010 gab BP bekannt, dass sich noch geschätzte sieben Milliarden Liter (43 Millionen Barrel) Öl in der betroffenen Ölquelle befänden. Es würde somit noch zwei bis vier Jahre dauern, bis die Gesamtmenge ins Meer geflossen sei "

    Wir reden gerade von einer Katastrophe die sich in 1500 Metern abgespielt hat bzw. wie ein tropfender Wasserhahn noch weiter läuft.

    1. bei Zypern sind die Tiefen bis zu 4500 Meter so wie im Artikel angegeben.
    2. Es spielt sich vor unserer Haustür ab.

    • bayert
    • 11. Februar 2013 15:00 Uhr

    Zypern wird die Hilfsgelder mit Zins und Zinseszins zurückzahlen und in die Riege der Nettozahler aufsteigen.

    Eine Leserempfehlung
  4. ... bin mal gespannt, ob mir die Bank das Geld jetzt nachwirft.

    entweder) wir werden hier wieder nach Strich und Faden verar...t, da ich immer nur "dürfte, vermutet, könnte" gelesen habe und die meiste Info von einem POLITIKER kommt.

    oder) es stimmt und die Sache ist dann für Zypern sowieso rosig, wenn sie 2019 mit dem Export beginnen können. Dann sollten die Banken bzw. die Ratingagenturen ja nichts dagegen haben die Kreditwürdigkeit wieder raufzusetzen

    EinGangLion,
    dürfte möglicherweise Ölbaron sein

    3 Leserempfehlungen
    • gooder
    • 11. Februar 2013 15:02 Uhr

    Es müsste sich aber schon um gigantische Mengen handeln, die Europa vom russischen Erdöl-/Gasimporten unabhängiger werden lassen würde. Begrüssenswert wäre es aber, wenn die Menge ausreicht, um Europa unabhängig von Lieferungen aus dem nahen und mittleren Osten zu machen.

    Eine Leserempfehlung
  5. Das gibt mächtig Ärger mit dem gierigen Nachbarn, der die Förderung lieber unter den Halbmond zerren würde.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • scoty
    • 11. Februar 2013 15:13 Uhr

    was ist wertvoller: Trinkwasser oder Öl ?

    Zypern hat einen Trinkwasserproblem und die Türkei hat reichlich davon und baut gerade eine Unterwasserleitung übers Festland auf die türkische Inselseite.

    • scoty
    • 11. Februar 2013 15:08 Uhr

    und damit schlechte Nachrichten für die Israelis.

    http://alithia.com.cy

    ( die Nachricht auf Hauptseite und kann auf deutsch übersetzt werden )

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service