ZEIT ONLINE: Frau Haug, an diesem Mittwoch hat das Europaparlament gegen den Vorschlag der Regierungschefs gestimmt, den neuen EU-Haushalt auf 960 Milliarden Euro zu begrenzen. Warum?

Jutta Haug: Die Abmachung, die die Staatschefs getroffen haben, bedient 27 nationale Egoismen. Sie hat keinen Mehrwert für Europa. 960 Milliarden Euro für einen Zeitraum von sieben Jahren ist eindeutig zu wenig Geld. Hinzukommt das Problem, dass die Mitgliedsstaaten dazu tendieren, mehr zu versprechen als sie letztlich zahlen. Wenn die Lücke zu groß wird, dann haben wir schon heute Schwierigkeiten. Dann können wir unseren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.

ZEIT ONLINE: 960 Milliarden sind Ihnen zu wenig. Geht es den Parlamentariern denn nur um mehr Geld?

Haug: Nein. Es ist wichtig, die Struktur des Haushalts zu verändern. Wir wollen mehr in Bildung, Forschung und Arbeitsplätze investieren. Außerdem muss der Haushalt flexibler werden. 

ZEIT ONLINE: Was meinen Sie damit?

Haug:  Bisher ist es so: Wenn in einer Kategorie wie der Agrarpolitik Geld übrig bleibt, dann fließt es an die Mitgliedsstaaten zurück. Wir fordern, dass wir das Geld anderswo im Haushalt nutzen können. Außerdem sind sieben Jahre eine enorm lange Zeit, in der sich Europa sehr verändern kann. Nach der Hälfte der Zeit sollten wir den Haushalt überprüfen und nachjustieren können.

ZEIT ONLINE: Es ist das erste Mal, dass das Parlament gegen den EU-Haushalt stimmen kann – prompt ist es geschehen. Ist das auch ein symbolisches Nein, um Stärke zu demonstrieren?