EnergieverbrauchRaimund Schlenk rettet die Welt

Der Student Raimund Schlenk verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: ein Zehntel der Energie eines Durchschnittshaushaltes zu verbrauchen. Wie schafft er das? von 

Raimund Schlenk vor dem Erdschacht, der ihm als Kühlschrank dient. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke über ihn zu sehen.

Raimund Schlenk vor dem Erdschacht, der ihm als Kühlschrank dient. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke über ihn zu sehen.  |  © Julia Fiedler für ZEIT ONLINE

Es ist kein guter Tag zum Duschen für Raimund Schlenk. In der Nacht ist die Temperatur auf Minus 17 Grad gefallen, der Schnee liegt einige Zentimeter hoch. Wenn die Sonne durch die Wolken bricht, glitzern die Eiszapfen an den kahlen Bäumen neben der Bauwagensiedlung. Keine Sonne, das heißt kaltes Wasser, das heißt kein guter Tag zum Duschen. So einfach ist das, wenn man unabhängig sein will von der Welt, die gerade dabei ist, sich zu zerstören. Wenn man kein schlechtes Gewissen mehr haben will.

Schlenk, 24 Jahre alt, Designstudent, Cordhose, Gummistiefel, hat sich vorgenommen das Klima zu retten. Nicht, indem er vor Klimagipfeln demonstriert oder den Grünen beitritt, sondern ganz allein. Er lebt mit seiner Freundin in zwei Bauwagen, die in einer Kleinstadt in Thüringen stehen, 22 Quadratmeter groß, bestrichen mit rot-brauner Farbe.

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Schlenk produziert seinen Strom selbst, er erhitzt sein Wasser selbst. Selbermachen ist eine seiner Strategien. Die andere lautet Sparsamkeit. Er sammelt Regenwasser zum Duschen, er benutzt ein Kompostklo, er vermeidet Dinge, die Energie verbrauchen. Er tut so ziemlich alles das, was die Menschen in der reichen Welt tun müssten, damit der Klimawandel noch gestoppt werden kann. 345 Kilowattstunden Strom verbraucht er dabei – ein Zehntel dessen, was ein normaler Haushalt in Deutschland verbraucht, in dem zwei Personen leben. Wären alle wie Schlenk, wäre das Klima in Ordnung.

Peter Lustig aus "Löwenzahn" als Vorbild

Er war noch ein Kind, als er zum ersten Mal darüber nachdachte, anders zu leben. Peter Lustig war damals sein Vorbild, die Hauptfigur in der Sendung "Löwenzahn". Der kleine Raimund wollte auch im Bauwagen leben, er wollte Dinge hinterfragen und vor allem: selbst bauen.

Schlenk ging in der Oberstufe auf ein Internat. Dort war er einer von denen mit wenig Geld. Für seine Schulkameraden war es normal, nach Kuba zu reisen oder ein Auto zum Geburtstag geschenkt zu kommen. Schlenk lebte von Geld aus einem Stipendium. Mit der Zeit sei ihm das Leben im Überfluss auf den Geist gegangen, sagt er. Er habe irgendwann den Wunsch verspürt, sich selbst zu versorgen. Unabhängig zu sein von den großen Energieunternehmen, von Geld und natürlichen Ressourcen.

Fotostrecke
Raimund Schlenk vor seinem Bauwagen. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu sehen!

Raimund Schlenk vor seinem Bauwagen. Klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu sehen!  |  © Julia Fiedler für ZEIT ONLINE

Nach dem Abitur fällt die Entscheidung für den Bauwagen. Im Internet forscht er nach Ideen für Erfindungen. Hat er eine gefunden, helfen ihm sein Wissen aus der Schreinerausbildung und dem Studium in Produktdesign bei der Umsetzung. Das Meiste konstruiert er selbst, auch seine Dusche. Die funktioniert so: Eine Pumpe pumpt Regenwasser in einen Boiler. Von dort gelangt es durch Schläuche in einen alten, schwarz gestrichenen Flachheizkörper vom Schrottplatz, der in einem Glaskasten steht. Scheint die Sonne auf den Flachheizkörper, erhitzt sich das Wasser, steigt auf und gelangt wieder in den Boiler und schließlich in den Wasserhahn. Bis zu 60 Grad wird das Wasser heiß, wenn nicht wie jetzt gerade Winter ist. Ein anderes Problem: Schlenk muss im Freien duschen, die Füße stehen im Schnee. Manchmal kapituliert auch er, dann duscht er im Warmen bei Freunden. Aber das komme nur selten vor, sagt Schlenk.

Er läuft an eine Stelle 50 Meter vom Bauwagen entfernt, dort steht sein Kühlschrank: Ein zwei Meter tiefer Schacht im Boden, in den eine Leiter hinunterführt. Unten im Loch: Wasserkanister und eine einsame Packung Butter. Die Grube hält ähnlich kühl wie ein Kühlschrank, verbraucht aber Null Strom. Schlenk weiß, dass es für die meisten Menschen unvorstellbar ist, morgens in die Kälte zu müssen, nur um Essen zu holen. Aber er empfindet das nicht als Last, er vermisst die Bequemlichkeit nicht. "Danach weiß ich, wie das Wetter ist, ich habe frische Luft geatmet und Vögel gesehen." 

Leserkommentare
  1. soll wiederkommen, wenn er mal über fünfzig ist und ihm alle Knochen weh tun.

    Bin mal gespannt, wie lange er dann noch die Welt rettet.

    Na ja, aber wenigstens hält er sich selbst für "ein wenig idealistisch"

    4 Leserempfehlungen
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    Wenn das mit 50 nicht mehr geht, soll man mit 24 bitteschön nicht versuchen irgendwas besser zu machen, ist ja ekelhaft.
    Und bekanntermaßen sind vor der Erfindung der Elektrizität ja auch sämtliche Menschen mit 49 gestorben.

    • fiede
    • 20. März 2013 15:08 Uhr

    ... wenn er 50 ist und es nicht mehr schaffen sollte im Bauwagen zu leben, so kann er wenigstens von sich behaupten er hat es versucht! Das sollte man nicht ausser acht lassen...

    und wohnt im Bauwagen. Darf der das? :))
    Grüße

    Ich bin nicht der Meinung,dass man wie ein Nordkoreaner leben muss um die Welt zu retten,aber der Student hat mindestens Cojones um etwas zu tun worüber andere auf Ledersesseln und in kuscheligen,klimatisierten Büros bloss labern und schwafeln.

  2. Einmal weniger als andere und man ist bei Null. Bei zehn Mal weniger muss man dann wohl 9 mal mitbringen?
    Falls man "ein Zehntel von" meint, wie im Text klar wird, dann sollte man das auch gleich schreiben.

    6 Leserempfehlungen
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    Laut Überschrift verbraucht er ein Zehntel weniger Energie. Laut Artikel nur ein Zehntel des Durchschnitts. Also 9/10 weniger.

    Sechstklässlermathematik sollte eine renommierte Zeitung eigentlich schon draufhaben.

    • S.W.
    • 20. März 2013 13:29 Uhr
    3. Toll!

    sehr inspirierend!

    3 Leserempfehlungen
  3. Wenn das mit 50 nicht mehr geht, soll man mit 24 bitteschön nicht versuchen irgendwas besser zu machen, ist ja ekelhaft.
    Und bekanntermaßen sind vor der Erfindung der Elektrizität ja auch sämtliche Menschen mit 49 gestorben.

    24 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sorry der Typ"
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    sie können ja auch mal versuchen für 80 Millionen Menschen Gasflaschen herzustellen und die ständig wieder aufladen.

    Sie können auch gerne versuchen die Hälfte (oder noch mehr) der Wohnungen mit Holz zu heizen oder für 80 Millionen Menschen Erdkühlschränke zu bauen.

    Man kann ja von diesem Mensch halten was man will, aber man sollte zumindest so viel Realitätssinn besitzen, das man erkennt das seine Idee für den größten Teil der Bevölkerung nicht in Frage kommt mal ganz davon abgesehen das diese Lebensweise auch nicht die Gesündeste ist.

  4. ... von natürlichen Ressourcen?
    Das Equipment ist vom Himmel gefallen, der Bauwagen und das Grundstück sowieso und wo ist er unabhängig von natürlichen Ressourcen aka Wasser, Brennholz, Nahrung usw. usf.?

    Es ist dies wieder ein Modell, das für wenige Menschen in den Nischen und auf dem Abfallhaufen der Überschussgesellschaft ganz gut funktionieren mag, aber auch nur dort und auch nicht auf Dauer.

    8 Leserempfehlungen
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    • kille_
    • 20. März 2013 13:48 Uhr

    .. dass es ein 'Modell' ist, schon gar nicht für alle Menschen. Das ist seine Art zu leben und die ist sicher besser als sich nur genau darüber aufzuregen. Selbst wenn die CO2-Bilanz die gleiche wäre...

    Dass zeit-online hier eine reißerische Weltretter-Schlagzeile draus macht ändert es nicht.

    • LJA
    • 20. März 2013 14:02 Uhr

    Bei uns in der Gegend gibt es seit kurzem auch so eine Bauwagengemeinschaft. Der Aufwand, der von der Stadt dafür betrieben werden muß, immer wieder geeignete Grundstücke zu finden, wird nur noch von dem Flächenverbrauch übertroffen.
    Auf dem gleichen Areal, dass jetzt die Bauwägler mit ca. 30 Leuten einnehmen, wohnen 500m weiter, in einem genossenschaftlichen Wohnblock, ca. 10 mal so viele Menschen. Das alleine zeigt schon die Probleme eines Lebensstils, der zwar als Versuchsgelände für einige wenige geeignet ist, aber keinesfalls für einen größeren Teil der Gesellschaft.
    Sollte ich einmal das Mißvergnügen haben, in post-apokalyptischer Zeit leben zu müssen, so werde ich die Erfahrungen von Herrn Schlenk gerne berücksichtigen. Aber auch keinen Tag früher und keinesfalls freiwillig.

  5. ... gibt es immer wieder Menschen, welche glauben, sie seien der Messias.

    Wir warten weiter, hoffentlich noch lange.

    4 Leserempfehlungen
    • kille_
    • 20. März 2013 13:48 Uhr

    .. dass es ein 'Modell' ist, schon gar nicht für alle Menschen. Das ist seine Art zu leben und die ist sicher besser als sich nur genau darüber aufzuregen. Selbst wenn die CO2-Bilanz die gleiche wäre...

    Dass zeit-online hier eine reißerische Weltretter-Schlagzeile draus macht ändert es nicht.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Unabhängig zu sein"
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    es geht darum, dass an sich nicht unvernünftige Versuche durch solch überspannte Berichterstattung im Grunde eher lächerlich gemacht als vernünftig vermittelt werden.

  6. 8. Physik

    Zitat aus dem Artikel:

    "350 Watt elektrische Leistung produziert sie pro Stunde"

    Was will uns die Autorin damit sagen?

    3 Leserempfehlungen
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    wieviel Strom zur Verfügung steht. Sieben Glühlampen zu 50 Watt, zum Beispiel. Aber für einen Backofen würde es nicht reichen. Noch mehr Exempel gewünscht?

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  • Schlagworte Gas | Strom | CO2 | Energie | Energieverbrauch | Sonne
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