Die Wirtschaft entwickelt sich gut, der Arbeitsmarkt auch – doch die Kluft zwischen Arm und Reich ist weiter gewachsen. Das geht aus dem Armuts- und Reichtumsbericht hervor, den das Bundeskabinett nach monatelanger Diskussion gebilligt hat.

Von Armut bedroht sind unverändert zwischen 14 und 16 Prozent der Bundesbürger. Laut Bericht verfügen die reichsten zehn Prozent der Haushalte über 53 Prozent des gesamten Nettovermögens. Die gesamte untere Hälfte der Haushalte besitzt dagegen nur gut ein Prozent.

Der Bericht, der den Zeitraum von 2007 bis 2011 abdeckt, war koalitionsintern heftig umstritten. Wirtschaftsminister Philipp Rösler setzte in der Ressortabstimmung Änderungen am Entwurf von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen durch. Dabei entfiel auch der Satz: "Die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt." Kritiker werfen der Regierung deshalb "Schönfärberei" vor.

"Armutszeugnis der Regierung"

"Der Armutsbericht ist ein Armutszeugnis der Bundesregierung", sagte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Der Bericht zeige, "dass die neoliberale Politik nach der Devise 'Sozial ist, was Arbeit schafft' gescheitert ist".

FDP-Chef Rösler wies die Vorwürfe zurück: Im Bayerischen Rundfunk sagte er, dies sei "absolutes Wahlkampfgetöse". Deutschland gehe es so gut wie nie, "wir sind Wachstumsmotor für ganz Europa und die Welt schaut auf uns". "Ich finde, das muss man auch herausstellen, dass es uns eben gut geht", sagte Rösler weiter.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sprach von einem "parteitaktischen Schauspiel". Der fertige Armutsbericht zeige "auf Grundlage der Fakten, wie gut die Lage in Deutschland wirklich ist", sagte Döring der Welt.

Der 548 Seiten starke Report trägt den Titel Lebenslagen in Deutschland und erscheint zum vierten Mal.