Die Deutsche Bahn kann das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 trotz der Kostensteigerung weiterbauen. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns habe in einer Sondersitzung mit Mehrheit dafür entschieden, sagten Mitglieder des Gremiums. Unter den 20 Mitgliedern habe es eine Enthaltung und eine Gegenstimme gegeben.

Das Treffen war notwendig geworden, nachdem der Bahn-Vorstand im Dezember verkündet hatte, dass die Kosten steigen dürften. Der Konzern hatte dem Aufsichtsrat damals vorgeschlagen, den Bahnhof weiterzubauen. Das Gremium lehnte eine Zustimmung jedoch ab und verlangte weitere Informationen vom Vorstand. Der unterirdische Bahnhof soll nun bis zu 6,5 Milliarden Euro kosten und damit etwa zwei Milliarden Euro mehr als zuletzt geplant.

Die Bahn will einen Teil der Mehrkosten selbst übernehmen, weitere Risiken will sie mit dem Land Baden-Württemberg, der Stadt und der Region Stuttgart teilen. Stadt und Land lehnen das bisher ab. Die Bahn will deshalb vor Gericht gegen sie für eine weitere Kostenübernahme klagen. Die Projekt-Gegner fordern ein Ende des Bauvorhabens.

"Nicht vor der Verantwortung wegducken"

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart auf, sich an den Mehrkosten zu beteiligen. "Ich erwarte, dass sich Land und Stadt nicht vor der Verantwortung wegducken", sagte Ramsauer. "Die Bahn muss die Beteiligung ihrer Projektpartner notfalls einklagen", sagte der CSU-Politiker. Er halte es für unmöglich, das Projekt an diesem Punkt noch zu stoppen.