BerlinBahn verklagt Bombardier wegen mangelhafter S-Bahnen

Die Deutsche Bahn fordert 350 Millionen Euro für die Lieferung fehlerhafter S-Bahnen in Berlin. Der Fahrzeughersteller Bombardier bezeichnet die Klage als Rufschädigung.

Zwei Starkstromelektriker in einer Betriebswerkstatt der S-Bahn in Berlin-Grünau

Zwei Starkstromelektriker in einer Betriebswerkstatt der S-Bahn in Berlin-Grünau

Die Deutsche Bahn fordert für Mängel an Berliner S-Bahnen 350 Millionen Euro Schadenersatz. Eine entsprechende Klage gegen den Fahrzeughersteller Bombardier Transportation wurde beim Landgericht Berlin eingereicht. Der Versuch, sich außergerichtlich auf einen Kompromiss mit Bombardier zu einigen, sei erfolglos geblieben, sagte ein Bahnsprecher.

Die Berliner S-Bahn kämpft seit 2009 mit Defekten an ihren Wagen. Zusammen mit anderen Verfahren der Bahn gegen Bombardier liegt der Streitwert bei mehr als 500 Millionen Euro. Nach Angaben der Bahn musste der Konzern mit hohem finanziellen Aufwand die Räder und Achsen der S-Bahn-Baureihe 481 durch eine Neukonstruktion ersetzen. Außerdem habe man Bremsanlagen und Fahrmotoren umbauen und zum Teil austauschen müssen. Die Deutsche Bahn streitet sich bereits in zwei Gerichtsverfahren mit dem kanadischen Bombardier-Konzern, der einer ihrer wichtigsten Lieferanten ist.

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Bombardier nannte die Vorwürfe der Bahn nicht nur unbegründet, sondern auch rufschädigend und drohte seinerseits mit Klage, sollte die Bahn ihre Vorwürfe aufrechterhalten. Die allgemeine Gewährleistungspflicht für die betroffene S-Bahn-Reihe sei "im gegenseitigen Einvernehmen" bereits 2007 ausgelaufen, teilte das Unternehmen mit. Für die Wartungsarbeiten sei "von Beginn an" die S-Bahn Berlin selbst zuständig gewesen. Trotz der gegenseitigen Vorwürfe erklärte sich Bombardier weiterhin offen für Gespräche. Ein langwieriger Rechtsstreit sei nicht im Interesse der Unternehmen.

Keine Pflicht zur Wartung?

Die Berliner S-Bahn sei von Beginn an für ihre eigenen Wartungsarbeiten verantwortlich gewesen, teilte das Unternehmen weiter mit. Bombardier habe "keinerlei vertragliche Verpflichtungen zur Wartung und Reparatur der 481-Reihe".

Die Bahntochter S-Bahn Berlin kämpft seit 2009 gegen technische Probleme, mangelnde Wartung verschärfte die Krise. Zeitweise stand ein großer Teil des Wagenparks nicht zur Verfügung.

 
Leser-Kommentare
    • DDave
    • 04.03.2013 um 19:00 Uhr

    wurde die Berliner S-Bahn nicht von der DB Mobility Logistics AG kaputt gespart?
    Will man jetzt versuchen die Fehler durch die mangelhafte Wartung der S-Bahnen Bombardier "anzuhängen"?

    Wenn man die Berliner S-Bahn nicht kaputt gespart hätte und die Wartungsintervalle nicht verlängert hätte, dann bräuchte man sicherlich kein Verfahren vorm Landgericht...

    Ich kann nur empfehlen Schwarzbuch Deutsche Bahn zu lesen.

    4 Leser-Empfehlungen
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    • AKONIT
    • 04.03.2013 um 22:32 Uhr

    Ja, typisch.
    Sparen, bis die Weichen klemmen und dann einen Schuldigen (Lieferanten) suchen.
    Wer ein öffentliches Verkehrsmittel nach den Gesetzen der 'New Economy' führt, steht nach spätestens 15 Jahren vor einem Schrotthaufen, wie die Berliner S-Bahn oder die DB auf vielen Strecken.

    • AKONIT
    • 04.03.2013 um 22:32 Uhr

    Ja, typisch.
    Sparen, bis die Weichen klemmen und dann einen Schuldigen (Lieferanten) suchen.
    Wer ein öffentliches Verkehrsmittel nach den Gesetzen der 'New Economy' führt, steht nach spätestens 15 Jahren vor einem Schrotthaufen, wie die Berliner S-Bahn oder die DB auf vielen Strecken.

    • AKONIT
    • 04.03.2013 um 19:27 Uhr

    Heute ist der Schaden da, aber wie wurde der Vertrag verhandelt?
    Natürlich erhielt der preiswerteste Anbieter den Zuschlag.
    Die Kunden, d.h. die Bahnen, müssen sich nicht wundern, wenn sie ihre alten Standards verlassen und 'marktwirtschaftlich" handeln, bzw. einkaufen wollen, wenn so etwas (meist) daneben geht.
    Bei S-Bahnen sind die härtesten Belastungen überhaupt und da sollte man eher auf bewehrtes zurückgreifen, als auf 'billiges'.
    Ich selbst genügend Erfahrung mit Bahnen im Ausland, wo weltweit ausgeschrieben wird und ein europäischen Unternehmen soll sich dann auf asiatische Priesniveaus einlassen.

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    Bombardier ist ja nun alles andere als ein "Billigunternehmen", sondern einer der globalen Marktführer im Bau von Schienenfahrzeugen. Abgesehen davon sollte aufgrund der klimatischen Bedingungen im Ursprungsland Winterexpertise vorhanden sein.

    Den Schuh wird die Bahn sich anziehen müssen.

    Bombardier ist ja nun alles andere als ein "Billigunternehmen", sondern einer der globalen Marktführer im Bau von Schienenfahrzeugen. Abgesehen davon sollte aufgrund der klimatischen Bedingungen im Ursprungsland Winterexpertise vorhanden sein.

    Den Schuh wird die Bahn sich anziehen müssen.

  1. Bombardier ist ja nun alles andere als ein "Billigunternehmen", sondern einer der globalen Marktführer im Bau von Schienenfahrzeugen. Abgesehen davon sollte aufgrund der klimatischen Bedingungen im Ursprungsland Winterexpertise vorhanden sein.

    Den Schuh wird die Bahn sich anziehen müssen.

    2 Leser-Empfehlungen
    • AKONIT
    • 04.03.2013 um 22:32 Uhr

    Ja, typisch.
    Sparen, bis die Weichen klemmen und dann einen Schuldigen (Lieferanten) suchen.
    Wer ein öffentliches Verkehrsmittel nach den Gesetzen der 'New Economy' führt, steht nach spätestens 15 Jahren vor einem Schrotthaufen, wie die Berliner S-Bahn oder die DB auf vielen Strecken.

    4 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Komisch"
  2. Sehr interessant ist, dass die Züge von Bombadier, in Privatbetrieb gewartet und betrieben...

    EINWANDFREI laufen und es dort nicht zu Problemen kommt.

    Die Bahnen von Bombadier, (BRB [Bayern] und VIA [Hessen] ) haben nicht die beschriebenen Probleme wie die in Berlin beschrieben.

    Subjektiv, aus meiner Sicht komme ich zu dem Schluß, wenn ein Unternehmen unter dem Herrn H. M. völlig auf den Börsengang fixiert das Geld in den besagten Börsengang pumpt und aber ca 15-20 Jahre Wartungsinvestitionen sowohl auf der Schiene als auch bei der Schiene selbst über die besagte Zeit NICHT tätigt, dann kann ja nur die im Artikel beschriebene Situation bei rauskommen.

    Übrigens gibt es auf einer der wichtigsten Strecken HD-FFM immer wieder Signalstörungen oder anderweitige Probleme, so dass die Reginalbahn oder aber auch der RE nicht oder sehr verspätet fährt. (Diese Bahnen sind nicht von Bombadier gefertigt worden!!!) Ich bin froh, an der Strecke der VIA zu wohnen, habe ich doch eine Alternative zu der ich umsteigen kann.

    Es scheint eine Altlast aus der Zeit H. M. jetzt zum Tragen zu kommen, welches nun sein Nachfolger Herr Grube ungerechterweise auslöffeln darf. Hoffentlich gibt es eine Einigung mit dem Zulieferer. Schade dass ein Herr H.M. nicht für solche Folgeschäden persönlich haften kann.

    Ja und ich fahre weiter Bahn. My 2 cents E.

  3. Das ist ein Widerspruch in sich.
    Sobald techn.Erfordernisse "übergeordneten polit. Aspekten" geopfert werden können, ist das Scheitern programmiert!

    Ausserdem:"Ich bin nicht reich genug für Billiglösungen!"

    Wartungsintervalle sind technisch vorgegeben, und keine willkürliche Entscheidung.

  4. Wer rollendes Material als Sperrholzmodel(ich erinnere Bilder vom ICE aufgenommen in Berlin Messegelände) kauft, gehört als Flughafenchef installiert und ist warscheinlich ein Garant für Miliardengrab und Stlillegung von Schönefeld!
    Manager (ob bei DB, BER, DBank, etc.) können nicht anders als Unwillen und Unfähigkeit der Anderen auszunützen.

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