EU-RettungsplanZyperns größte Bank plädiert für Zwangsabgabe

Die Bank of Cyprus spricht sich dafür aus, die eigenen Kunden mit der Steuer zu belasten. Sonst bestehe die Gefahr, dass alle Einlagen verloren gingen.

Kunden vor einem Geldautomaten der Bank of Cyprus

Kunden vor einem Geldautomaten der Bank of Cyprus  |  © Kostas Tsironis/Bloomberg/Getty Images

Die größte zyprische Bank warnt vor einem Austritt aus der Euro-Zone und wirbt für die von der EU vorgeschlagene Sonderabgabe auf Bankeinlagen über 100.000 Euro. "Weil deutlich wurde, dass es keine alternative Lösung gibt, darf es keine weitere Verzögerung bei der Annahme des Rettungspakets geben", teilte die Bank of Cyprus mit.

Dabei sei eine Zwangsabgabe auf Bankguthaben das geringere Problem: Sollte das Bankensystem zusammenbrechen, wären alle Einlagen verloren. Ein Austritt aus der Euro-Zone sei keine Lösung: "Schließlich wollen wir deutlich machen, dass jede Rückkehr zum zyprischen Pfund einen deutlichen Verlust der Vermögenswerte sowie einen Teufelskreis aus Abwertung und Hyperinflation nach sich zieht."

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Auch die Regierung in Nikosia denkt offenbar erneut darüber nach, eine Zwangsabgabe auf Geldeinlagen einzuführen. Dies sagte der konservative Abgeordnete Prodromos Prodromou im Fernsehen. "Es wird die hohen Geldeinlagen betreffen", sagte er. Über derartige Überlegungen war zuvor bereits spekuliert worden, nun bestätigte dies erstmals ein Politiker.

Parlament will über Plan B abstimmen

Das Parlament hatte eine Zwangsabgabe auf Bankguthaben am vergangenen Dienstag abgelehnt. Zypern muss aber eine Eigenleistung von 5,8 Milliarden Euro zusammenbringen, um Beistandskredite der EU in Höhe von 10 Milliarden Euro zu erhalten.

Zyperns Geschäftsmodell: Steuern

Nach dem Beitritt zur Europäischen Union 2004 wollte Zyperns Regierung ausländisches Kapital anziehen. Die Körperschaftssteuer wurde auf zehn Prozent gesenkt. Auf Kapitalerträge müssen überhaupt keine Steuern gezahlt werden. Zwar wurden Gesetze gegen Korruption und Geldwäsche verabschiedet. Kritiker sagen aber, die Kontrolle sei schlecht und es habe sich wenig geändert im Vergleich zu vorher.

Banken

Der zyprische Bankensektor ist stark aufgebläht und viel zu groß für das kleine Land: Die Bilanzsumme ist rund sieben Mal so groß wie die Wirtschaftsleistung des Landes. Die Geldgeschäfte sind dabei konzentriert auf drei Banken, die erst seit der Euro-Einführung im Auslandsgeschäft aktiv geworden sind. Die Banken refinanzieren sich in erster Linie über Einlagen – im Gegensatz zum restlichen Europa. Sie kauften überwiegend griechische Staatsanleihen. Dadurch verloren zyprische Banken beim Schuldenschnitt in Griechenland 2012 rund vier Milliarden Euro.

Russland

Zyperns Banken lockten mit hohen Zinsen vor allem Privatanleger auf die Insel. Viele russische Investoren entdeckten das Anlageparadies für sich. Sie profitieren von den Steuererleichterungen und konnten ihr Geld gut verzinst im bislang als sicher geltenden Euroraum anlegen. Milliardensummen wurden nach Zypern transferiert. Schätzungen zufolge beträgt das russische Vermögen bei zyprischen Banken rund 26 Milliarden Euro. Finanzexperten vermuten, dass auch große Summen an Schwarzgeld via zyprische Geldhäuser reingewaschen wird.

Die Regierung in Nikosia schlug nun unter anderem die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen sowie die Einrichtung eines Solidaritätsfonds über staatliche Vermögenswerte vor. Dabei sollen unter anderem auch die Pensionskassen herangezogen werden. Die Parlamentarier sollten am Freitag über die jüngsten Vorschläge abstimmen.

In der Bundesregierung stoßen die Pläne jedoch auf Ablehnung. Auch die EZB drohte den Banken damit, ab Dienstag den Geldfluss zu stoppen, sollte bis dahin kein Programm zur Sanierung von Staat und Großbanken vorliegen.
 

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Leserkommentare
  1. ich hätte einen Vorschlag. Falls Zyprer nicht selber zahlen wollen, dann kann doch unsere Kanzlerin einfach 20% von unserem Ersparten einfach abziehen und ganz EUROPA retten.
    Der Spruch, "das ist Alternativlos" werden wir schon verstehen.

    14 Leserempfehlungen
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    sparer? wir die deutschen?...lach...die sparer sitzen in den südländern,deren privat vermögen ist um ein vielfaches höher,wie die bundesbank uns ja gestern aufgeklärt hat....
    wir sichern mit unserer armut den wohlstand der südländer,so wird ein schuh draus..
    mfg

    Man kann natürlich immer schnell ironische Kommentare abgeben. Aber wenn man sich einmal eine einfache Rechnung aufstellt sieht man sehr schnell dass die geforderte Sonderabgabe nur die Zinsen nach unten korrigiert.

    Habe ich 50000 Euro auf einer deutschen Bank angelegt, bekommt man 1.5% sprich innerhalb von zwei Jahren ca. 1500 EUR Zinsen. Jetzt kann ich natürlich den Profit maximieren indem ich in Aktien oder sonstige riskantere Anleihen investiere, damit erhalte ich mehr.
    Genauso kann ich mein Geld auf eine Bank in Zypern bringen, 4.5% Zinsen im Jahr für eine Einlage mit zweijähriger Laufzeit. Dadurch erhalte ich innerhalb der zwei Jahre 4500 EUR Zinsen. Da sich die Refinanzierung der Banken am Leitzins orientiert muss ich davon ausgehen, dass eine Bank die mir 4.5 % bietet wesentlich riskantere Anleihen verwendet um diese Kosten zu decken (im zyprischen Fall unter anderem griechische Staatsanleihen).
    Jetzt wird eine Sonderabgabe von 6.75% gefordet, also ich muss jetzt 3375 EUR bezahlen. Daher bleiben mir von den Zinsen der vergangenen zwei Jahre nur noch 1125 EUR Profit übrig, also nicht wesentlich weniger als ich sowieso auf einer deutschen Bank erhalten hätte. Ich verstehe den ganzen Aufstand nicht, denn kein Deutscher erhält mit einer Spareinlage bei der Bank mehr.

    Hier noch ein Link zu den Zinsen in Zypern vs. Deutschland

    http://www.faz.net/aktuel...

    • MaxS2
    • 22. März 2013 14:57 Uhr

    Die Alternative zur Teilenteignung ist der Konkurs, und auch die Einlagensicherung über 100.000 Euro pro Kunde nützt wenig, wenn der Garantiegeber (der Staat) ebenfalls ausfällt.

    Was mich immer noch stört ist, dass Deutschland immer der Buhmann ist. Wäre das Verhältnis zwischen den Staaten besser, wenn man sich einfach vollständig heraushalten würde?

    21 Leserempfehlungen
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    Deustchland hätte sich zum Helden der "Kleinsparer" machen können, hätte Schäuble ja zur Zwangsabgabe gesagt aber klar und deutlich und öffentlich vernehmbar gegen das reißen der 100.000er Linie nach unten sein Veto eingelegt.

    Das bei der linken und rechten Anti-EURO Fraktion trotdem den generell hässlich dummen Deutschen gibt - seis drum. Das gehört dortens zum guten Ton. Genauso wie der Heiland der guten Rettung in Russland sitz und aktuell Putin heißt.

    Bleibt man halbwegs sachlich pragmatisch, dann ist die Positionierung der Bank gut, allerdings kommt sie reichlich spät damit um die Ecke.

    Das Verhältnis wäre besser wenn alle ihre eigene Währung hätten.

    • scoty
    • 22. März 2013 14:57 Uhr

    den Eigenbetrag Zyperns vorschießen.

    Die haben doch vor kurzen geprahlt das im Werte von 600 Milliarden Euro vor den Küsten Zypern an Gas und Ölvorkommen liegen.

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    • MaxS2
    • 22. März 2013 15:36 Uhr

    Man kann eine Eigenbeteiligung nicht einfach vorschießen. Es würde die Tragfähigkeit weiterer Kredite nicht erhöhen.

  2. Darüber kann man sicher Nachdenken.

    Was bei der ganze Debatte komplett fehlt ist, zumindest ein wenig Demut aller Verantworltichen und Akteure in der Politik, Wissenschaft, Oekonomie, immerhin die Sprachrohre der Reichen und Mächtigen im Hintergrund (nicht der Bevölkerung wie das stets suggeriert wird).

    Demut... und Verantwortung.

    Als Ausgleichende gerechtigkeit (in diesem Fall eh nicht möglich da die Räuber alle still halten) soll die Zwangsabgabe meiner Meinung nach mit eienr steilen Progression durchgeführt werden...

    EIn Sockefreibetrag der für normale Lohnempfänger und in diesem Fall für Zypriotische Verhältnisse angemessen ist, aber ab dann eine steile Progression die von mir aus bis 50% und mehr geht...

    Die Banken bzw. deren Geschäft, also das Annehmen von Spargeld und geben von Krediten gehört in eine Oeffentlich Rechtliche Gesellschaftsform und muss endlich als ein Service Public strukturiert werden. Profite gehören der Gesellschaft, Aktionäre für Banken nur in Form von Staatlichen Eigentümern wie etwa die Länder, Kommunen, Regionen...

    Alle Transaktionen müssen öffentlich sein.. Transeuropäsche Kapitalverkerkehrskontrollen und Transaktionsabgabe die Norm anstatt die Ausnahme. Profite gehören als Zins oder Steuersekung den Bürgern...
    die Banken müssen einen Regionalen Auftrag wahrnehmen os das die lokale Wirtschaft damit gestützt wird.

    Alle Kapitaltransaktionen gehören ab sofort auf eine Whitelist, alls was dort nicht draufsteht ist verboten und illegal

    8 Leserempfehlungen
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    • MaxS2
    • 22. März 2013 15:26 Uhr

    Von dem riskanten Zins- und Steuerparadies haben alle profitiert, kleine wie große. Es wäre durchaus fair, alle - Kleinanleger wie Großanleger - mit dem gleichen Prozentsatz ihres Einsatzes zahlen zu lassen. Der "kleine Sparer" müsste ja trotzdem weniger zahlen, sein Verlust wäre wie bei allen anderen proportional zum Einsatz. Im Vergleich zu einem deutschen Bankkonto wäre der Verlust bei allen moderat, weil man ja vorher von den hohen Zinsen und niedrigen Steuern profitiert hat.

    Dass man hier eine mehr oder wenig steile Progression fordert, erscheint mir da eher populistisch. Man erwartet sich weniger Widerstand, wenn es weniger Leute trifft - auch wenn es bei denen dann umso härter ist.

    und nun dafür büssen sollen... wenn doch Oekonomen sich siet Jahrzehnten, ja noch länger streiten wie denn das alles so geht mit dem Geld und den Zinsen...

    Bankberater wurden intern dazu verpflichtet so viele Abschlüsse zu erhalten wie nur irgend möglich. Auch mir hat der BErater X mal angerufen bis ich mal deutlich gesagt habe wa sich von den finanzgeschäften halte und keine Beratung mehr wünsche...

    Das mit den Finanzgeschäften, Anlagen (nur zum Gebühren eintreiben und alles Risiko liegt trotz aller Versprechen beim Einzahler) verstehe ich sehr gut. ich hab mich vor Jahren mal bei so eiern Firma beworben... die Leute dort waren echt kriminell... Adresslisten abarbeiten und die Angerufenen zum Einzahlen überreden... Verdient hat man nur mit den Gebühren... da war es auch egal ob Verluste eingefahrne wurden... selbst da gab es ja noch Gebühren und Kommissionen.

    Die gesammte Finanzbranche muss sich, im Interesse aller anderen Teilnehmer der Gesellschaft, daran gewöhnen das Grundsätzlich alle finanzgeschäfte kriminell da nicht vorhersagbar sind... ein Spielcasino funktioniert nicht viel anders. Die Versprechungen suggerieren stets was anderers..

    ..und wie man sieht, viele andere die es besser wissen müssten eben auch nicht, dafür lassen die dann die Bürgerr bluten, doch die wollten das alles so gar nie haben... was aber zu tun, die meisten Menschen könne solchen Zwangsstrafen nicht entkommen und das weiss man eben auch in der Politik und bei den Banken..

  3. Der Tag rückt näher, an dem man den Euro nur noch mit Panzern verteidigen kann...

    3 Leserempfehlungen
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    Wir müssen den EURO mit Panzern verteidigen?

    Ich meine es kann doch nicht um den EURO gehen. Das ist doch am Ende auch nur eine Währung wie jede andere.
    Es muß doch um die Politik gehen. Und da sind wir etwas schuldig: Es gibt keine europäische Politik. Es gibt nur 25 nationale Politiken. Und auch die Sozialdemokratie hat zwar eine sozialistische Internationale, aber Konsequenzen für die Politik hat das nicht.
    Was sind das denn für Kommunisten in Zypern? Können nur die NAZI-Karte ziehen. Aber dem Volk erklären wo die Schuldigen sitzen, das können die nicht. Und wenn die Kommunisten das in so einer Lage nicht mehr können...wer denn dann?
    Was wir erleben ist der Tatsache geschuldet das nur das Kapital international organisiert ist. Die Arbeiterbewegung (ich gebrauche mal den Begriff, obwohl heute die Gruppe der abhängig Beschäftigten weit über die Arbeiterschaft hinausreicht) ist davon weit entfernt.
    Das ist unsere Schwäche, und das gilt mehr oder weniger für jedes Land in Europa.
    Eine europäische Politik für die kleinen Leute müsste her. Wenn das klappen würde, dann wäre auch der Euro kein Problem.

  4. Denn die EU hat versprochen, dass Benkeinlagen bis 100 000 Euro sicher sind.

    Versprochen ist nicht versprochen!

    Und aus ökonomischer Sicht ist es durchaus vertrebar die meist auslädischen Besitzer sehr großer Bankeinlagen an den Kosten für die Bankenrettung zu beteiligen, denn sie haben - von unverhältsmäßig hohen Zinsen profitiert.

    Eine Leserempfehlung
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    • Moika
    • 22. März 2013 17:33 Uhr

    Es ging nicht darum, die Einlagengarantie e i n e r insolventen Bank zu unterlaufen - sondern darum, das gesamte zyprische Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Für solch einen Fall - einer Art wirtschaftlichem Super GAU - kann es keine Garantien geben. Denn wenn alle Banken samt Staat platt sind - wer soll die Garantien bezahlen?

    Und dann sind 20 - 40 Prozent Verlust immer noch besser als ein Totalverlust.

  5. wird es höchstwahrscheinlich noch heute oder am Wochenende so etwas wie eine Einigung geben. Zuviel steht für die europäische Finanzwirtschaft auf dem Spiel. Gelder könnten im großen Stil aus Europa abgezogen werden und länderübergreifend ein Chaos einschließlich Börsenabsturz verursachen.

    Aber alles deutet auch auf einen faulen Kompromiss hin, mit dem man lediglich - wie immer - ein wenig Zeit kauft. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass nur noch faule Kompromisse möglich sind, weil das gesamte Finanzsystem einschließlich Euro und Verschuldungsorgien vernunftbezogene Handlungen nicht mehr zulassen.

    Eine Leserempfehlung
  6. 8. .....

    sparer? wir die deutschen?...lach...die sparer sitzen in den südländern,deren privat vermögen ist um ein vielfaches höher,wie die bundesbank uns ja gestern aufgeklärt hat....
    wir sichern mit unserer armut den wohlstand der südländer,so wird ein schuh draus..
    mfg

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "abwarten"
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    Ich empfehle nochmals die Reportage von ARTE:

    "Staatsgeheimmnis Bankenrettung"
    https://www.youtube.com/w...

    Knapp einen Stunde sehr gut aufbereiteter Hintergrundinformationen, die uns Normalbürger endlich mal die Augen öffnen können, wer hier eigentlich wenn rettet und warum von offizieller Seite gerne versucht wird, die Völker gegeneinander aufzuhetzen....da passt die Bundesbank Meldung sehr gut ins Bild...

    Fakt ist: Die global Player in der EU und sonstwo sind es deren riskante Geschäfte am Ende mit Steuermitteln abgesichert werden, wenns schief gegangen ist.
    Auch hängen zum Teil korrupte Politiker in diesen undurchsichtigen Geschäften und Milliardeninvestitionen drin....
    öffentlich wird uns mindestens seit 2008 weiß gemacht, wir retten Länder deren Bevölkerung und teilweise wären diese Menschen nur nicht fleißig genug....
    Und so wird geschickt der Focus in falsche Richtungen gelenkt und wer wirklich von diesem ganzen Rettungstheater profitiert bleibt im Dunkeln.

    Dies ist hochgefährlich für ganz Europa und die Menschen und eine gezielte Abzocke letztlich aller Steuerzahler in der EU, um riskante Geschäfte von reichen "Investoren" auszulösen, damit Sie nicht selbst die Verluste Ihrer riskanten Geschäfte tragen müssen.

    Notorische Begründung sonst stürzen "systemrelevante Banken/Firmen" ohne auf Nachfrge einen konkreten Beweis dafür zu bringen...letztlich soll einfach nur eine reiche Klientel geschützt werden ?!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, zz
  • Schlagworte Bundesregierung | Europäische Union | Bank | Europäische Zentralbank | Euro | Euro-Zone
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