Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat sich für die Ernennung des künftigen Berliner Flughafenchefs Hartmut Mehdorn gerechtfertigt. "Wir müssen Probleme lösen und nicht nur beschreiben, und da kann Mehdorn Impulse geben", sagte Wowereit im RBB-Inforadio.

Mehdorn sei "der klassisch Typ eines Managers, der auch mal eine Bresche schlagen kann". Wowereit, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des BER ist, zeigte sich zuversichtlich, dass Mehdorn die Arbeit an dem Projekt beschleunigen wird. Beim Brandschutz und den Mängeln am Bau müsse es jetzt um die Umsetzung gehen.

Am Freitag hatte der Airport-Aufsichtsratschef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bekannt gegeben, dass Hartmut Mehdorn der neue Chef des Flughafens wird. Am Montag tritt der frühere Bahn- und Airberlin-Chef Mehdorn seinen Posten an. Damit folgt er auf Rainer Schwarz, der im Januar entlassen worden war. Anders als Schwarz wird Mehdorn Vorsitzender der Geschäftsführung und nicht nur ihr Sprecher. Mehdorn trägt damit die Gesamtverantwortung.

"Ganz so hart ist es mit ihm nicht mehr"

Auf die kritischen Reaktionen nach der Ernennung sagte Wowereit, ihm sei klar gewesen, dass "eine Reizfigur wie Hartmut Mehdorn nicht nur Applaus auslösen wird". Mehdorn sei für die gegenwärtige Krisensituation als Übergangschef berufen worden, sagte Wowereit. Mehdorn "bleibt ja auch nicht für zehn Jahre, sondern er hat einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben mit dem klaren Auftrag, den Flughafen fertigzustellen". So sehe Mehdorn das auch. Wowereit räumte ein, dass Mehdorn polarisiere, "aber er ist ja auch älter geworden. Ich glaube, ganz so hart, wie es am Anfang war, ist es mit ihm auch nicht mehr".

Beim Thema Nachtflugverbot sieht sich Wowereit durch Mehdorns Ernennung gestärkt. Auch Mehdorn habe deutlich gemacht, dass die Randzeiten für Flüge gebraucht würden, sagte Wowereit. "Oder wir müssen daraus einen Provinzflughafen machen." Das sei aber nicht die bisherige Strategie gewesen sei. Die Position zu den Randzeiten sei mit Brandenburg abgestimmt worden, die dortigen Behörden hätten das bewilligt, betonte Wowereit.

Platzeck hatte Neuverhandlungen angekündigt, um ein längeres Nachtflugverbot zu erreichen. Bislang soll am neuen Flughafen ein Flugverbot zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens gelten. Eine Volksinitiative gegen Fluglärm fordert jedoch eine Ausweitung der Nachtruhe auf die Zeit zwischen 22 und sechs Uhr.

Der Weiterbau des Großflughafens war wegen Pannen am Bau und Personalquerelen ins Stocken geraten. Nach der viermaligen Verschiebung der Inbetriebnahme ist völlig offen, wann am BER die ersten Flieger starten und landen können.