Zyperns Präsident Anastasiades (r.) im Gespräch mit Jean-Claude Juncker (l.) und Martin Schulz © Yves Herman/Reuters

Die Verhandlungen über ein Hilfspaket für Zypern stehen kurz vor dem Ende und dürften auf dem Treffen der Euro-Finanzminister am Nachmittag abgeschlossen werden. So zumindest erwartet es Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker. Die Zypern-Frage müsse am Abend "in abgeschlossener Form" vorliegen, sagte er in Brüssel. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Wochenende verstreichen lässt, ohne dass man das Problem gelöst hat."

Diesem Tempo kann Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings nichts abgewinnen. Sicherlich seien zügige Beratungen der Finanzminister nötig. "Aber die Dinge dauern solange, bis sie eben auch qualitativ vernünftig gelöst sind", sagte sie und dämpfte damit die Erwartungen auf eine schnelle Lösung.

Dabei wird bereits seit Monaten über eine finanzielle Unterstützung des Inselstaats durch die Europäische Union (EU), die Europäische Zentralbank (EZB) und den Internationalen Währungsfonds (IWF) diskutiert. Sollte sich die Troika nicht dazu durchringen, droht dem von einer schweren Bankenkrise erschütterten Zypern im Mai die Staatspleite. Statt der ursprünglich erwarteten 17,5 Milliarden Euro soll sich das Rettungspaket laut Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem nun eher auf 10 Milliarden Euro belaufen.

Streit über Spardogma

Die Lage in Zypern war natürlich auch Thema auf dem ersten Gipfeltag der europäischen Staats- und Regierungschefs. Zuvorderst diskutierten die 27 Mitgliedsstaaten aber über den Kampf gegen Rezession und Rekordarbeitslosigkeit, zeigten sich aber weiterhin uneins über die richtige Strategie.

Die deutsche Regierungschefin blieb bei ihrem Credo, dass sich Sparen und Wachstum nicht gegenseitig ausschließen. "Haushaltskonsolidierung, Strukturreformen und Wachstum sind nicht etwa Gegensätze, sondern bedingen einander", sagte Merkel. Diese Anforderungen dürften "nicht gegeneinander ausspielt" werden. Die Gegenargumente kamen dabei vor allem von Frankreich und Italien, die flexiblere Sparvorgaben zugunsten ihrer Wirtschaft forderten. "Zu viel Starrheit würde zu viel Arbeitslosigkeit heißen", sagte der französische Staatspräsident François Hollande mit Blick auf die EU-Vorgaben zum Defizitabbau.

Die Balance zwischen Spar- und wachstumsorientierter Politik ist eines der zentralen Themen in der Krise, in der finanziell angeschlagene Staaten vor allem im Süden Europas unter dramatisch hoher Arbeitslosigkeit leiden. Die Diskussion flammte neu auf, als bei der Wahl in Italien im vergangenen Monat die Sparkurs-Kritiker die meisten Stimmen bekamen und eine Regierungsbildung verhinderten.

Entschlossen gegen Jugendarbeitslosigkeit

Italiens abgewählter Regierungschef Mario Monti warnte bei seiner letzten Gipfelteilnahme, dass "die öffentliche Unterstützung für Reformen, und noch schlimmer, für die Europäische Union, dramatisch abnimmt". Ländern wie Italien, die geforderte Reformen umsetzten, solle "jeder verfügbare Spielraum" erlaubt werden, um "einen Eilplan zur Schaffung von stabilen und besseren Jobs umzusetzen".

Einig sind sich die EU-Länder jedoch, dass insbesondere mehr gegen die Jugendarbeitslosigkeit getan werden muss, die etwa in Spanien und Griechenland bereits die Hälfte der jungen Menschen unter 25 Jahren betrifft. "Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist die größte soziale Herausforderung, vor der wir stehen", heißt es in den gemeinsamen Schlussfolgerungen.