Die Finanzminister der Euro-Zone haben ein Rettungspaket für Zypern beschlossen. Das Land werde "bis zu zehn Milliarden Euro" erhalten, sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach zehnstündigen Verhandlungen. Erstmalig werden dafür Bankkunden an den Kosten beteiligt.

Demnach sollen in- wie ausländische Kunden zyprischer Banken eine Sonderabgabe auf ihre Einlagen leisten. Anleger mit bis zu 100.000 Euro Einlagen sollen eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Investoren mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Darüber hinaus gibt es eine Quellensteuer auf Zinsen, die zwischen 20 und 25 Prozent betragen soll.

Die Sonderabgabe werde 5,8 Milliarden Euro erbringen, sagte Dijsselbloem. Im Gegenzug sollen die Anleger "zu hundert Prozent" mit Anteilen der Banken entschädigt werden. Darüber hinaus sieht der Beschluss vor, dass die zyprische Regierung die Unternehmenssteuer von zehn auf 12,5 Prozent anheben und Privatisierungen vorantreiben soll.

"Wir bestrafen Zypern nicht"

Zypern hätte ohne frisches Geld Anfang Juni der Staatsbankrott gedroht. Die Beteiligung der Anleger ermöglichte es, die Summe für das zyprische Rettungspaket deutlich zu reduzieren. Zypern hatte ursprünglich um 17 Milliarden Euro Unterstützung gebeten.

"Wir bestrafen Zypern nicht", sagte Dijsselbloem mit Blick auf die Anlegerbeteiligung. Der Kompromiss trage der "sehr besonderen Situation" des zyprischen Bankensektors Rechnung, der im Vergleich zur sonstigen Wirtschaft relativ groß sei. Deshalb sei die Belastung der Bankkundengelder Teil einer gerechten Lastenverteilung. Zyperns Banken haben einen verhältnismäßig hohen Anteil von Einlagen aus dem Ausland, darunter insbesondere auch große Summen aus Russland.

Damit die Anleger ihr Geld nicht noch schnell ins Ausland schaffen, bevor der Beschluss umgesetzt wird, werden Vorkehrungen getroffen. "Die zyprische Regierung hat bereits heute Abend mit der Umsetzung begonnen", sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen. Er gehe davon aus, dass ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werde, bevor die Banken nach einem regulären Feiertag am Montag am Dienstag wieder öffnen.

IWF will sich am Rettungspaket beteiligen

"Wir gehen auf harte Zeiten zu, und die Gürtel werden enger geschnallt", sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris. Der Kompromiss ermögliche aber einen "beherrschbaren Schuldenstand" und "verteile die Lasten gerecht zwischen dieser und den künftigen Generationen". Einschnitte bei Löhnen und Renten habe sein Land verhindern können, sagte er. Auch eine für Zypern "katastrophale" Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte habe man in den Verhandlungen vermeiden können, in denen der Internationale Währungsfonds (IWF) eine "sehr harte Position" eingenommen habe.

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, sie werde den IWF-Gremien nun vorschlagen, sich an der Rettungsaktion zu beteiligen. Eine Summe nannte sie nicht. Laut Diplomaten steht eine Milliarde Euro im Raum. Der Rest käme aus dem ständigen europäischen Rettungsfonds ESM, der damit erstmals eingreift.

Das Hilfsprogramm, das die zyprische Regierung bereits im Juni beantragt hatte, war umstritten. Mehrere Euro-Länder – darunter Deutschland – hatten von Zypern insbesondere ein entschiedeneres Vorgehen gegen Geldwäsche gefordert. Das Land hat inzwischen einer unabhängigen Prüfung zugestimmt. Damit das Paket in Kraft treten kann, muss auch der Bundestag dem Kompromiss noch zustimmen.