Arbeitsmarkt : Grüne wollen Minijob-Einkommen auf 100 Euro kappen

Steuern und Abgaben sollten schon ab einem Einkommen von 100 Euro fällig werden. Grünen-Politikerin Göring-Eckardt hofft dadurch auf mehr reguläre Jobs.
Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt © Kay Nietfeld/dpa

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt hat vorgeschlagen, das abgabefreie Einkommen für Minijobs auf 100 Euro zu beschränken. Derzeit liegt die Grenze bei 450 Euro. Göring-Eckardt sagte zur Begründung, die Minijobs hätten das Ziel verfehlt, eine Brücke in den ersten Arbeitsmarkt zu schlagen.

"Alle Verdienste über 100 Euro im Monat sollen steuer- und abgabenpflichtig werden, mit reduzierten Beiträgen für geringe Einkommen", sagte die Politikerin der Rheinischen Post. Sie will allerdings Ausnahmen im sogenannten haushaltsnahen Bereich zulassen.

Ihrer Ansicht nach könnte mit früherer Besteuerung eher reguläre Beschäftigung entstehen. "Die Leute wären besser abgesichert und könnten wieder mehr Rentenansprüche aufbauen", sagte die Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl.

Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es derzeit mehr als 7,4 Millionen Minijobs. Zur drei Vierteln werden diese Jobs von Frauen angenommen. Viele von ihnen haben wiederum mehrere Minijobs und das nicht mehr als Nebenbeschäftigung, sondern als Haupterwerb. Das hatte kürzlich eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums ergeben.

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Kommentare

117 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

@92 zeitland

Zit.: "es ist nicht einzusehen, warum Vollzeitarbeitende die öffentlichen Versorgungssysteme von Minijobbern mitfinanzieren sollen."

Dass eine Grüne Sie auf diese Idee bringt, zeigt, dass Grün zur allgemeinen Solidarität über die Gruppen hinaus, nichts beigetragen hat. Was heisst denn "normale Versicherung und Steuer?" Das begründen Sie so wenig wie Göring die Wirkung dieser Regelung bezüglich Festanstellung.

Aber man rechne: 30% Abgaben macht 120 Euro. Verbleiben € 380 bei 60 Std /Mtl. € 6,33/Std. Zuviel. Also erhöhe man auf 72 und hat € 5,27/Std. Bestens. Schliesslich muss ja ein deutlicher Abstand zu den festangestellten Mindestlöhnern bleiben.

@101 nonase

Zit: "aber ein durchaus vernünftigen Rahmen gegen Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit."

Wovon leben Sie denn? Wer mit 5 Euro/Std. nicht schwarz arbeitet ist entweder alt, krank oder hat jemand anderen, der ihn mit versorgt.

Sie haben nur die Minijobber im Kopf, die davon das neue Mäntelchen kaufen oder? Die die davon leben müssen, haben sie gar nicht auf der Rechung, wie viele Foristen hier übrigens und Frau Göring Eckart vielleicht auch.

So einfach ist es nicht.

Arbeitsplätze bedingen immer auch einen verwaltungstechnischen Overhead bei den Firmen. Eine Firma, die 400 Angestellte hat, benötigt dafür mehr Personal, als eine Firma, die lediglich 100 Angestellte hat. (Neben den anderen Kosten.)

Wenn die Leute mit sehr geringen Stundenzahlen arbeiten, sind die auch weniger produktiv, als Personen, die länger arbeiten. Häufige Wechsel bedingen auch viel Syncronisation.