ItalienEuropas größtes Problem

Alle reden über Zypern. Doch das eigentliche Problem der Euro-Zone ist Italien – nicht nur wegen der Regierungskrise. von 

Stahlwerke in Taranto, Italien

Stahlwerke in Taranto, Italien   |  © Yara Nardi/Reuters

Luca Peotta nimmt sein Handy kurz vom Ohr und hält es in die Luft. "Hören Sie?", ruft er ins Telefon. Nichts ist zu hören, keine Maschinen, kein Arbeitslärm. Peotta spricht jetzt wieder in den Hörer: "Ich bin gerade in Bruino", sagt er dem Anrufer, "ein Industrieviertel in der Nähe von Turin." Bis vor einem Jahr, sagt Peotta, habe hier die Luft gesurrt vor Lieferwagen und Maschinen, aber jetzt sei hier nichts mehr. "Es graut mir, wenn ich hierher fahre."

Peotta ist italienischer Geschäftsmann, der Chef einer Firma für Hochöfen. Turin wiederum war früher der Wirtschaftsmotor Italiens, was fast wörtlich zu nehmen war, hier hat auch das Autounternehmen Fiat seinen Hauptsitz. Mittlerweile haben sich die Industriegebiete geleert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, unter den Jungen beträgt sie fast 31 Prozent. Früher wanderten die Jungen nach Turin, um Arbeit zu finden, nun wandern sie von Turin nach Deutschland. Oder in die Schweiz. Hauptsache weg.

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Nicht nur Turin erlebt eine Wirtschaftskrise. Italien steckt in einer tiefen Rezession, der schwersten seit Jahrzehnten. Allein im Jahr 2012 mussten rund 100.000 Unternehmen dichtmachen. 100.000 in einem Jahr. Die Arbeitslosenquote wird bald zwölf Prozent erreichen.

Es ist eine Situation, in der es eine starke politische Führung bräuchte. Stattdessen erlebt das Land obendrein eine politische Krise. Seit der Parlamentswahl Ende Februar gelingt es dem Vorsitzenden der Mitte-links-Koalition Pierluigi Bersani nicht, eine Regierung zu bilden. Vermutlich wird ihm das auch in den nächsten Wochen nicht gelingen. Hinzu kommt, dass die Unsicherheit in Europa nach der Zypern-Rettung wieder gewachsen ist.

Ein Teufelskreis

Die Rating-Agentur Moody's kündigte am Dienstag an, dass Italien unter strenger Beobachtung steht. Die italienischen Staatsanleihen sind bereits nur zwei Stufen vom Ramschniveau entfernt. Sollten die Zinsen für italienische Staatspapiere wieder in die Höhe schießen, würden die italienischen Banken, die zwei Drittel der Staatsverschuldung finanzieren, die Kreditausgabe weiter reduzieren. Das würde wiederum noch mehr Unternehmen treffen. Ein Teufelskreis.

Für Unternehmer wie Peotta ist der Grund für die Krise eindeutig. "Die italienischen Unternehmer haben zwei Hauptfeinde", sagt der Firmenchef, "die Banken und den Staat." Die Geldinstitute würden seit zwei Jahren immer weniger Kredite vergeben. Der Staat hingegen erhöhe immer weiter die Steuern, um von den Schulden runterzukommen. Eine Zange. Das Wirtschaftsministerium schätzt, dass die Steuerlast auf den Unternehmen mittlerweile bei 44 Prozent liegt.

"Als ob das nicht genug wäre, ist der Staat ein sehr schlechter Geschäftspartner", sagt Peotta. Um eine Rechnung zu begleichen, lassen sich sowohl die Regierung in Rom als auch die lokale Behörde oftmals mehr als ein Jahr Zeit. Nach Angaben des Ministeriums betragen die Schulden der öffentlichen Verwaltung gegenüber privaten Unternehmen zurzeit mindestens 70 Milliarden Euro. 

Leserkommentare
  1. Sondern der Euro und Europa selbst sind Europas größtes Problem. Wie auch immer es kommen wird, ich denke in spätestens einem Jahr wird die EU signifikant anders aussehen, als sie es heute tut. Und das muss sie auch. Wie gut sie in der aktuellen Ausrichtung funktioniert, sehen wir ja bereits seit 2008 jeden Tag ein wenig klarer.

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    • Marula
    • 28. März 2013 8:36 Uhr

    Europa? Das gibt es nur im geografischen Sinne. Ansonsten sind die Länder Europas so verschieden wie die Südamerikas.
    Italien ist eines der korruptesten Länder in Europa, liegt im Korruptionsindex ganz weit hinten. Wieso ist daran die EU oder Europa schuld?
    Man kann natürlich behaupten, dass die vielen Schulden daher kommen, dass mit Einführung des Euros die Zinsen so niedrig waren und es so leicht war, sich zu verschulden. Außerdem musste man ja deutsche Güter kaufen und die Wiedervereinigung finanzieren.
    Va tutto bene.
    Die EZB hat bereits italienische Staatsanleihen aufgekauft (momentan sind es 99 Milliarden) und die italienischen Banken in großem Maßstab mit Sonderkrediten zu Niedrigzinsen versorgt, damit diese italienische Staatsanleihen aufkaufen. Natürlich ist das keine verbotene Staatenfinanzierung.
    Die Bedingungen, die die EZB mit diesen Maßnahmen verknüpft hat, wurden von Italien nicht erfüllt. Die Ausgaben etwa wurden und werden nicht gekürzt und bereits die Monti-Regierung erklärte letztes Jahr, keine Auflagen erfüllen zu wollen, wenn die EZB italienische Staatsanleihen aufkauft.
    Natürlich ist Deutschland schuld, wenn Italien hohe Zinsen bezahlen musste und vielleicht wieder muss. Schließlich hätte man schon längst Eurobonds auflegen können, dann gäbe es das Problem nicht.

    Was für eine Verschleierungstaktik, alle Probleme auf den Euro und die EU zu schieben.

    • hairy
    • 28. März 2013 9:44 Uhr

    Gewiss nicht. Das größte Problem ist der Egoismus und seine Wiederkehr im neoliberalistischen Diktum vom "freien" Markt, von dem wenige profitieren und viele draufzahlen. Daher erzeugt er eine asoziale Marktwirtschaft. Und immernoch, trotz all der Verwerfungen, sind die staatlichen Reglementierungen halbherzig bis unwirksam.

    Das System ist eben der größte Fehler: er appeliert und bereitet die soziale, legale und wirtschaftliche Grundlage für diesen Egoismus = Gier.

    Kurz gesagt: über Generationen werden Vermögen, Wohlstand & Macht vererbt und vermehrt; dagegen die sozialen Probleme + die wirtschaftlichen Nachteile eben sozialisiert = 50% Habenichtse.

    Die 4 Säulen des EU-Binnenmarktes + Euro + Neoliberalismus (globale "Wirtschaftsfreiheiten") ohne Kontrollen und ohne lenkbare Rahmenbedingungen erodieren unsere EU-Gesellschaften von Innen.

    Aber auch nur die leiseste Kritik am sakrosankten, alternativlosen Euro wird ja - auch (oder gerade?) von den Medien - konsequent vermieden.

    Und wenn sich doch mal jemand wagt, wird er als Europa- und Integrationsfeind gebrandmarkt!

    Das einzige Problem, das Europa hat ist der Euro!

    Ich staune immer, wenn ich von neuen Beschlüssen höre, oder Ländern die beitreten wollen usw. wo ich immer denke, warum? Die EU existiert doch eh nicht mehr lang.
    Das ist wie Plätze auf der bereits sinkenden Titanic buchen bzw. gibts da ja ne Szene wo DiCaprio beschimpft wird, weil er einen Tür der bereits sinkenden Titanic kaputt macht.
    So ist das auch mit der EU.

    Bestes Beispiel die Bankenaufsicht.
    Wann kommt die noch ma? 2015, oder wars 2017?
    Ist ja auch vollkommen egal!
    Es gibt in Amerika laut Finanzexperten Dirk Müller drei Millionen (!) Geschäftsvorgänge pro Stunde!
    Es gibt 200 Leute die das Vollzeit überwachen sollen, die schaffen ca. 0,6 Prozent!
    So! Und das sind die Geschäfte die über die Börse laufen!
    Da sind die "Over the count" Geschäfte, die nicht über die Börse laufen und nicht überprüft werden können gar nicht dabei! Da gehts um Billionen über das Jahr verteilt!
    In der EU werden allein 200% mehr künstliches Kapital geschaffen, während die Wirschaft maximal +12% erreicht!
    Aber gut das wir in zwei Jahren ne Aufsicht haben, die das nichtmal annährend gebändigt bekommt...
    Da gibts den Euro nicht mehr Leute!

    Die EU wird an ganz grundsätzlichen Dingen scheitern, die Politk in den vielen südlichen Ländern ist bereits gescheitert.
    Von gemeinsamer Binnenwirtschaft in der EU keine Spur und dann noch die falsche Finanzpolitik.

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Danke, die Redaktion/sam

    sondern die neiliberale Wirtschaftspolitik, die Europa seit den 70-er Jahren praegt. Deutschland hat das Versagen des Neoliberalismus am deutlichsten in den neuen Bundeslaendern erfahren. Damals, Anfang der 90er, sagte Schaeuble, auf Oskar Lafontaines Kritik antwortend, dass der letztere 'die dynamischen Kraefte des Kapitalismus' unterschaetze. Ueber zwanzig Jahre danach ist Schaeuble Finanzminister der Bundesrepublik, und mit ihm sitzen hunderte und tausende Politker und Experten europaweit in Parlamenten, Fachraeten etc., die nichts dazu gelernt haben.

    Wir brauchen ein Ende des Neoliberalismus und ein neues Europa mit einer neuen Wirtschaftspolitik: Regulierung der Banken und der Finanz, Einfuhrzoelle (die gab es schliesslich auch in den 60ern!), um die Verlagerung von Arbeitsplaetzen aus Europa in Billiglohnlaender einzudaemmen, Industriepolitik und Lohnerhoehungen, die der Produktivitaet entsprechen.

    Spekulanten, Finanz- und Bankenwelt, Gosskonzerne und neoliberale Lobbies haben Europa jahrezehntelang geschadet und wollen es jetzt zertruemmern. Die Loesung ist: den Neoliberalismus ein fuer allemal zertruemmern und Europa staerken.

    leo prades @my-new-life-inasia.blogspot

  2. Wochenland haben alle über Griechenland geredet. Jetzt reden alle über Zypern. Danach werden alle über Italien reden, dann über Portugal, danach über Spanien.

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    • Moika
    • 28. März 2013 9:46 Uhr

    Vermutlich werden Sie mit Ihrer Einschätzung recht behalten.

    Was mich immer mehr wundert ist die Zurückhaltung der Medien in Bezug auf Italien. Mario Monti und der Chef der EZB Draghi haben 1999 in Interviews in Sachen Währungsunion vor einem Beitritt Italiens gewarnt: Das Land sei längst noch nicht so weit....

    Damals drohte Chirac mit einem Boykott, sollten Italien und Griechenland nicht aufgenommen werden. Seit dieser Zeit leistete sich Italien 3 Mal einen Berlusconi und mit der letzten Wahl eine weitere Katastrophe für das Land.

    Über der Einschätzung, die Banken stünden relativ stabil da, kann ich nicht mal mehr schmunzeln. Aufgabe der Geschäftsbanken ist die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten - aber bestimmt nicht die Fianzierung eines finanzpolitisch verantwortungslosen Staates.

    Daß dem Staat geliehene Kapital fehlt, wie wir dem Artikel entnehmen können, an allen Ecken und Enden. Selbst eine 10 prozentige Abwertung des Euro wird dem Land nicht mehr auf die Beine helfen - und die auf die Staatsverschuldung zu leistenden Zinszahlungen werden bald der größte Posten im Staatshaushalt sein.

    Nach Zypern und Griechenland wird Italien das dritte Land sein, das die Währungsunion verläßt.

    • zozo
    • 28. März 2013 11:16 Uhr

    Es sind aber alle Einzelfälle. Die Eurozone hat 17 Einzelfälle, und alle außer einem sind mal dran, Europas größtes Problem zu sein.

    • zfat99
    • 28. März 2013 7:55 Uhr

    ... des Euros beginnt heute um 12 Uhr, das Problem "Italien" ist Peanats.

    via ZEIT ONLINE plus App

    4 Leserempfehlungen
  3. "Es ist eine Situation, in der es eine starke politische Führung bräuchte."...das erinnert mich was, Italien, hohe Arbeitslosenquote, ich komm jetzt nur nicht drauf...

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    sollten Sie doch als Deutscher schnellstens draufkommen...

    • Newo
    • 28. März 2013 10:53 Uhr

    Der Führer...Nein, selbst der würde das Problem nicht lösen können, sondern nur Augenwischerei aller Berlusconi betreiben...

    • zozo
    • 28. März 2013 11:19 Uhr

    ... das braucht auch eine starke politische Lösung.

  4. Europas größtes Problem ist Europa.
    Ein mit Euro künstlich beatmeter Organismus, der unter wiederkehrendem Organversagen leidet. Gestern Zypern, heute Italien, morgen Deutschland.

    Die Ärzte haben dabei nur das eigene Honorar im Auge, der Patient ist so gut wie tot.

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    ...künstlich beatmet, sondern auch mit Blutkonserven versorgt, die bei anderen nördlich der Alpen abgezapft werden! Solange die noch Blut haben.

  5. Wäre doch schade, wenn es keine Horrormeldungen mehr geben würde...

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    Jetzt wo Zypern nicht mehr so viel hergibt braucht man eine neue Sau.

  6. Ich habe diese Frage hier schon einmal gestellt.
    Wir haben genügend Arbeitskräfte, Güter in Hülle und Fülle, massenhaft Kapital (so viel davon, dass es ständig "Anlage sucht"), technische, technologische und logistische Kapazitäten wie nie zuvor. Der Traum der Menschheit, dass Maschinen (früher Heinzelmännchen) die Arbeit erledigen, ist zu großen Teilen Realität geworden. Wo also ist der Mangel!!!!
    Wenn "die Märkte" gesättigt sind, wenn weniger Hochöfen, Autos und dergleichen gebraucht werden, kann die logische Konsequenz doch nur sein, dass wir mehr Freizeit haben und weniger malochen müssen. Stattdessen leiden wir in der Fülle, müssen ständig "sparen" (und gleichzeitig mehr ausgeben, um die Wirtschaft anzukurbeln). Und warum? Weil Renditen auf Vermögen ausgeschüttet werden müssen, die jeden Bezug zur realen Wirtschaft verloren haben, die nur imaginären Wert besitzen und angelegt, angelegt, angelegt werden müssen. Und wenn dann die "Anleger", die diese Renditen ohne Gegenleistung gebunkert haben, an der Behebung von Schieflagen beteiligt werden, ist das Geschrei groß.
    Wahrlich, der Irrsinn, dem wir uns unterwerfen, kennt keine Grenzen, weder im übertragenen Sinn, noch als Staatsgrenzen!

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    Ihr Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Besinnungslos im System gefangen, so könnte man es auch beschreiben.

    Unser Problem ist, dass unser Prinzip zur Verteilung der erzeugten Produkte völlig gegen die Wand gefahren ist. Ein Finanzsystem, dass in beschleunigtem Maße das Kapital nach oben verteilt und den Massen eben dieses entzieht, nur um das Wachstumsprinzip des Geldes zu befriedigen, muss immer weiter in die Sackgasse fahren, weil keine "Realität" dies am Ende verwirklichen kann
    Und so "verhungert" die Masse in der Fülle während eine kleine Minderheit eben darin erstickt.

    Wir lachen über die dummen Schildbürger... wir sollten vielmehr über uns selbst laut weinen.

    Sie haben mir aus der Seele geschrieben.
    Ein Schlüssel, die Probleme angehen zu können, steckt im Schrumpfen der Finanzwirtschaft. Aus einem wunderbaren Interview mit dem wiener Ökonomen Stephan Schulmeister zitiere ich:

    Sie führen die aktuelle Krise also tatsächlich auf die vergangenen vierzig Jahre zurück?

    Absolut. Der Grund ist eigentlich relativ einfach: Wenn man akzeptiert, dass es im Kapitalismus sozusagen eine Kernenergie gibt, und das ist nun einmal das Profitstreben, dann kann man zwei Spielanordnungen unterscheiden: Eine, in der sich diese Kernenergie nur in realwirtschaftlichen Aktivitäten entladen kann, wo also das Profitstreben die Turbinen der Realwirtschaft antreibt. Das ist eine Spielanordnung, in der aus Geld (selbstreferentiell) mehr Geld machen systematisch verhindert wird.

    Wenn wir noch einmal zurückdenken an die Welt der 1950er, 1960er Jahre bei uns, dann gab es feste Wechselkurse, Zinssätze unter der Wachstumsrate, schlafende Aktienbörsen, keine Finanzderivate, stabile Rohstoffpreise. Wenn ich das alles zusammen nehme, ist die Aussage simpel: Wer Profit machen wollte, musste in die Realwirtschaft gehen. Und das ist auch passiert. Denn das Kapital ist ein flexibles Wesen, das den Profit dort sucht, wo er am höchsten ist. Diese Art von Kapitalismus nenne ich Realkapitalismus.

    Aus: http://www.wirtschaftundg...„es-besteht-die-gefahr-von-wirtschaftskriegen-“-im-gesprach-mit-stephan-schulmeister/

    • osawa
    • 28. März 2013 10:19 Uhr

    Es gibt mir immer ein kleines Stück Vertrauen in meine Gattung zurück, wenn ich Texte lese, die mit einfachen Worten und klarem Blick das an sich sehr simple Problem umreißen.
    Der Gesetzgeber und die gesamte Gesellschaft muss sich endlich vor Augen halten, dass es nicht die Masse der "armen Arbeitslosen" ist, die das Gemeinwesen bedroht, sondern die wenigen "reichen Arbeitslosen", die rückgratlosen Politikern Gesetzestexte diktieren, um die Regeln zur Befriedigung ihrer Gier nach Belieben selbst zu bestimmen und die einen Anteil am letztendlich immer nur von der Realwirtschaft erzielten Gewinn einstreicht, die den gesamten Hochadel der letzten Jahrhunderte als Waisenknabe dastehen lässt.
    Die Refeudalisierung der westlichen Welt ist seit einigen Jahrzehnten in vollem Gange.
    Hoffen wir, dass es nicht erst einer zweiten französischen Revolution bedarf um die Narzissten und Egomanen in die Schranken zu weisen.

    So habe ich das auch früher gesehen und gar nicht verstanden, warum das nicht kommt. Heute weiß ich es: Es funktioniert wegen des raffgierigen Deppen nicht, aus denen die Menschheit zum größten Teil besteht. Es reicht den Leuten eben nicht, was sie haben - egal, wieviel sie davon haben. Und wenn man dann immer mehr nur noch haben kann, indem man es jemand anderem wegnimmt ...

    Die Menschen hätten tatsächlich genug von allem was sie für die Erfüllung der Grundbedürfnisse bräuchten, wären die Ressourcen unseres Planeten gleichmäßig und gerecht verteilt. Sie hätten genug zu essen und zu trinken, aber auch genügend Reichtum und genügend Freizeit.

    Eines der größten Probleme unserer Spezies ist die verdrehte Logik, nach der wir die Wichtigkeiten unseres Daseins ausrichten und die uns in diesem zerstörerischen Irrsinn gefangen hält.

    Wir alle benötigen Arbeitsplätze, weil wir einen Lohn brauchen, den diese ja bekanntlich mit sich bringen, um leben zu können. Soweit ist es natürlich zunächst logisch, dass wir alle in jeder politischen Diskussion dem Ruf nach dem Erhalt und dem Schaffen von Arbeitsplätzen folgen.

    Dabei ist unsere Abhängigkeit von Arbeitsplätzen die Wurzel so vieler Probleme auf der Welt; niemand streng genug nach dem Sinn von Arbeit, nach derem Nutzen für unsere Gesellschaft und für unseren Planeten, weil wir alle ja Arbeitsplätze benötigen um zu leben und weil diese Arbeitsplätze immer knapper werden.

    Man sollte diese Kausalität endlich umdrehen! Die Menschen sollten einen Lohn bekommen, damit sie arbeiten können, damit sie sich mit ihren Ideen und mit ihrer Kraft zum Wohle der Gemeinschaft einbringen können.
    Hierfür wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen erstrebenswert.

    Dem Wahnsinn, der hinter dieser verdrehten Logik steckt, der nie von den großen Medien hinterfragt wird, sollte die ZEIT endlich einmal auf die Schliche kommen.

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    Will nur keiner was von Wissen, geschweige Diskutieren und Umsetzen!

  7. Es scheint, dass auch in Europa eine Revolution im Gang ist. Doch keiner merkt was.
    Doch wer genau hinhört bei den Nachrichten, wird beunruhigt erkennen, dass der Bürger nichts mehr bewegt, nichts mehr zu sagen hat.
    Regierungen werden, anders als im Nahen Osten, nicht von aufgebrachten Bürgern, die sich auf grossen Plätzen sammeln, vertrieben.
    In Europa werden Regierungen von Anlegern gestürzt.

    Anleger? Wo bitteschön ist dieser Anleger, der andauernd die Nachrichten beherrscht?

    Doch wenn die Anleger, den Märkten misstrauen, dann sieht es schlecht aus für die Regierungen. Nervöse Anleger sind der Politiker rascher Tod.
    Anleger protestieren nicht lautstark, sie üben sich in Zurückhaltung. Das reicht für eine radikale Kursänderung in den Parlamenten.
    Anleger sind völlig unberechenbar.
    Manchmal ist es so, dass die Anleger morgens um halb neun ganz gut drauf sind. Sie gehen rin in die Kartoffeln. Doch schon gegen elf überlegen sie es sich wieder anders und – sie gehen raus aus die Kartoffeln.
    Jetzt lese ich: “Immer mehr Anleger – institutionelle – haben Vorbehalte gegenüber deutschen Staatsanleihen.”
    Was doch im Klartext bedeutet, dass jetzt auch der Stuhl der Bundeskanzlerin wackelt.

    Nicht Steine werfende arbeitslose Jugendliche, die Anleger stürzen in Europa Regierungen.
    Die Anleger leben mitten unter uns. Gut getarnt, als freundliche Nachbarin, als netter Spaziergänger im Park.
    Auch in Europa ist eine Revolution im Gang. Doch keiner merkt was.

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