Andrew Jennings"Karstadt ist ein schwieriger Fall"

Neue Marken, modernere Kaufhäuser, weniger Personal: Andrew Jennings baut Karstadt um. Dieses Jahr werde noch hart, sagt er im Interview. "Dann sehen wir Land." von Jahel Mielke

Frage: Herr Jennings, 2012 war ein schwieriges Jahr für den Einzelhandel. Schlecker und Neckermann gingen Pleite, Metro baute Stellen ab. Wie steht es um Karstadt?

Andrew Jennings: Schauen sie sich die Handelsunternehmen an, die pleitegegangen sind. Sie waren altbacken und haben es nicht geschafft, sich zu erneuern. Auch ich habe, als ich zu Karstadt kam, ein altmodisches, schwer angeschlagenes Handelsunternehmen vorgefunden. Doch wir haben 2012 viel erreicht, um ihm neues Leben einzuhauchen – trotz der Euro-Krise.

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Frage: Was haben Sie denn bisher erreicht?

Jennings: Das sehen Sie beispielhaft an dieser Filiale in Düsseldorf. Wir haben bisher 32 Häuser umgebaut und modernisiert, neue Marken gewonnen und die Strukturen überarbeitet. Ich habe sehr viel Erfahrung mit Restrukturierungen. Karstadt ist ein besonders schwieriger Fall und kann keine Schnellreparatur sein. Wir verändern uns sehr stark und haben den langfristigen Erfolg im Blick. Es ist klar, dass ein Restrukturierungsprogramm auch kurzfristig negative Effekte auf den Umsatz hat. Denken Sie etwa an den Ausstieg aus dem unrentablen Multimediageschäft oder an die Reduzierung von hohen Altwarenbeständen. So etwas ist für langfristiges Wachstum und Rentabilität unvermeidbar.

Frage: Seit der Sanierungstarifvertrag ausgelaufen ist, müssen höhere Löhne gezahlt werden. Wie viel Zeit haben Sie noch?

Andrew Jennings

Der 64-jährige Brite steht seit 2011 an der Spitze des Essener Warenhauskonzerns Karstadt. Er ist seit mehr als 35 Jahren im Handel tätig. Seine Karriere begann er beim Warenhaus Debenhams in London, später arbeitete er für Harrods, Saks Fifth Avenue und führte die Warenhauskette Woolworths in Südafrika.

Jennings: Wir haben so viele Tage und Monate, wie wir brauchen. Es gibt viele Gerüchte, die absoluter Nonsens sind. Man hat etwa behauptet, wir würden Wagenladungen altbackener englischer Mode aufkaufen, hätten Liquiditätsengpässe oder würden ausschließlich angelsächsische Manager einstellen. Unsere Strategie heißt "Karstadt 2015", und nicht "Karstadt März 2013". Zudem haben wir mit Nicolas Berggruen einen sehr langfristig orientierten und engagierten Eigentümer.

Frage: Können Sie sich darauf verlassen, dass Berggruen einspringt, wenn Karstadt das Geld ausgeht?

Jennings: Karstadt wird mit seinen Partnern, zum Beispiel Lieferanten oder Vermietern, zusammen bis 2015 rund eine Milliarde Euro investieren. Und ich kann nur wiederholen: Unser Eigentümer steht voll und ganz hinter uns.

Frage: Verdi kritisiert, Berggruen habe noch keinen Cent in das Unternehmen investiert.

Jennings: Letztlich gehört das Geld, das wir laufend erwirtschaften, unserem Eigentümer.

Frage: Wie viel der geplanten Investitionssumme ist seit Ihrem Amtsantritt 2011 geflossen?

Jennings: Wir sind ein privates Unternehmen und gehen dazu nicht weiter ins Detail.

Frage: Ein Großteil der 2.000 Stellen, die das Management streichen will, ist bereits abgebaut. Wo fallen noch Arbeitsplätze weg?

Jennings: Wir haben von den bis 2014 zu streichenden 2.000 Stellen schon rund 1850 über Frühpensionierung, freiwilligen Austritt, natürliche Fluktuation und Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverhältnisse eingespart. In fünf der insgesamt 86 Warenhäuser, darunter auch in Berlin, sehen wir Handlungsbedarf und beabsichtigen die Einrichtung von Transfergesellschaften. Das betrifft weniger als 150 Mitarbeiter.

Frage: Was sparen Sie dadurch?

Jennings: Kosteneinsparungen waren nicht das Ziel des Stellenabbaus, sondern mehr Effizienz. Aber wir werden schließlich eine Summe einsparen, die pro Jahr fast doppelt so hoch ist wie die Kostenreduzierungen durch den Fortführungstarifvertrag.

Frage: Ist der Stellenabbau damit abgeschlossen?

Jennings: Karstadt hat nun die richtige Größe. Es ist aber klar, dass am Ende der Kunde entscheidet, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Was wir anstreben ist Wachstum.

Frage: Wie soll das gehen, in Zeiten schrumpfender Umsätze im Handel?

Jennings: Wir wollen Marktanteile gewinnen. Ein wichtiger Baustein dabei sind die 50 neuen Marken, die wir im Herbst zu Karstadt geholt haben – viele davon exklusiv. Oder unsere neue Produktlinie "Preis-Leistung" oder die Weiterentwicklung unserer Eigenmarken.

Frage: Kritiker sagen, die Deutschen kaufen nur Marken, die sie auch kennen.

Leserkommentare
    • Boono
    • 15. März 2013 16:24 Uhr

    "Jennings: Karstadt hat nun die richtige Größe. Es ist aber klar, dass am Ende der Kunde entscheidet, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Was wir anstreben ist Wachstum."

    Schon jetzt sind bei Karstadt eigentlich nur noch die Kassen besetzt. Beratung? Wenn mal zufällig jemand Zeit hat...
    Wozu dann noch bei Karstadt kaufen? Lieber gleich online bestellen oder bei Karstadt Ware anfassen und später woanders online bestellen. Beim Begutachten der Ware ohne Kaufabsicht "stört" ja kein Verkäufer mehr... ;-)

    Was soll das werden? So kann der Einzelhandel nicht überleben. Manager, stellt Personal ein, anstatt immer mehr abzubauen!

    Eine Leserempfehlung
  1. Zu meiner Überraschung wurde gerade die Elektronik-Abteilung im örtlichen Karstadt dicht gemacht. Bisher war meines Wissens der Karstadt in unserer Stadt einer der größten Umsatzträger pro Kopf der möglichen Käufer im Deutschland-Vergleich. Nun wird optisch durch die Leere auch hier ein Abstieg sichtbar. Gleichzeitig wurde dabei Personal eingespart.

    Karstadt geht unter der Führung des Hedgefonds den Weg, der schon Kaufhof und Praktiker im Metro-Konzern zum stetigen Absturz gebracht hat. Das obwohl im Unterschied zu deren beiden Märkten (Großmärkte und Baumärkte) im Kaufhaus-Bereich keine Konkurrenz mehr herrscht.

    Auch hier gilt: Kostensparen als oberstes Ziel nutzt kurzfristig der Bilanz, führt langfristig aber in den Niedergang und Konkurs.

  2. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

  3. den Laden zuzumachen und die immer noch zu erwartenden Verluste so zu stoppen.
    Durch den Wettbewerb insbesondere im Textielbereich in den Läden und den Wettbewerb durch den Versandhandel im Internet dürfte da wohl kaum eine reakistische Überlebenschance für den Karstadtkonzern bestehen, ebenso wenig wie die drei Nobelhütten, die zumeist Touristen als "Museum" benutzen.

    • Oakham
    • 15. März 2013 17:33 Uhr

    war diese Antwort:
    " Ich wurde aber nicht eingestellt, um Deutsch zu lernen."

    • gooder
    • 15. März 2013 17:41 Uhr
    6. 1 EURO

    Mehr als diesen einen Euro hat Nicolas Berggruen auch bis heute nicht in die Hand genommen. Die Schuldentilgung erfolgt aus dem laufenden Geschäft und daraus sollten sich nach Berggruens Ansicht nach auch die Investitionen,immerhin 400 Millionen Euro, finanzieren.
    Laut Ansicht Berggruens müssen die Bürger der alten Industrieländer des Westens "länger und härter arbeiten", wenn sie die Herausforderungen durch Wachstumsländer wie China, Indonesien oder die Türkei bestehen wollen.
    Lohnverzicht und Stellenabbau,jedem Karstadt Mitarbeiter muss klar sein, dass weder von der Seite des Managments ,noch von der Seite der Berggruen Holding Hilfe kommen wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Oakham
    • 15. März 2013 18:00 Uhr

    > müssen die Bürger der alten Industrieländer des Westens "länger und härter arbeiten ...<

    .... und was ist daran auszusetzen?

    • Oakham
    • 15. März 2013 18:00 Uhr

    > müssen die Bürger der alten Industrieländer des Westens "länger und härter arbeiten ...<

    .... und was ist daran auszusetzen?

    Antwort auf "1 EURO"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gooder
    • 15. März 2013 18:30 Uhr

    In einem Zeit-Interview sagte Berggruen:"Wir müssen die Frage beantworten: Sind wir bereit, Opfer zu bringen"? In Demokratien haben die Institutionen oft nur wenig Kraft, weil die Politiker zu kurzfristig" agieren. Die früheren Schwellenländer könnten Arbeitskraft zu niedrigen Preisen anbieten, während es im Westen genau umgekehrt ist".

    Die Menschen sollen also bei Karstadt die Karstadtpreise bezahlen aber zu den Bedingungen chinesischer Wanderarbeiter arbeiten, wenn ch ihnrichtig verstehe.

    • gooder
    • 15. März 2013 18:30 Uhr

    In einem Zeit-Interview sagte Berggruen:"Wir müssen die Frage beantworten: Sind wir bereit, Opfer zu bringen"? In Demokratien haben die Institutionen oft nur wenig Kraft, weil die Politiker zu kurzfristig" agieren. Die früheren Schwellenländer könnten Arbeitskraft zu niedrigen Preisen anbieten, während es im Westen genau umgekehrt ist".

    Die Menschen sollen also bei Karstadt die Karstadtpreise bezahlen aber zu den Bedingungen chinesischer Wanderarbeiter arbeiten, wenn ch ihnrichtig verstehe.

    Antwort auf "Schön und gut ...."

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