IWF-DirektorinJustiz lässt Lagardes Wohnung durchsuchen

Ermittler haben die Pariser Wohnung von IWF-Direktorin Lagarde gefilzt. Sie steht im Verdacht, vor Jahren dem Geschäftsmann Tapie 285 Millionen Euro zugeschanzt zu haben.

Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)  |  © Eric Vidal/Reuters

Die französischen Behörden haben die Pariser Wohnung von Christine Lagarde durchsucht. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) steht seit Jahren im Verdacht, eine hohe Entschädigungszahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie begünstigt zu haben. Grund der Hausdurchsuchung war nach Angaben ihres Anwalts eine seit Jahren laufende Untersuchung zu Lagardes Zeit als französische Wirtschafts- und Finanzministerin (2007 bis 2011).

Lagarde wird Beihilfe zur Unterschlagung öffentlicher Gelder vorgeworfen. Infrage steht, ob ihre Genehmigung einer Zahlung von 285 Millionen Euro an Tapie illegal war. Lagarde hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

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"Diese Untersuchung wird dazu beitragen, die Wahrheit aufzudecken und meine Klientin zu entlasten", sagte Lagardes Anwalt Yves Repiquet. "Frau Lagarde hat nichts zu verbergen." Einen Rücktritt als Direktorin des IWF hat Lagarde ausgeschlossen. Ihr Anwalt sagte, Lagarde sei nicht vernommen worden.

In der Tapie-Affäre geht es um den Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas an die französische Bank Crédit Lyonnais im Jahr 1993. Tapie hatte der verstaatlichten Bank vorgeworfen, ihn beim Verkauf des Unternehmens übervorteilt zu haben, und auf Entschädigung geklagt.

"Die beste Lösung"

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen dem Geschäftsmann und der Bank beauftragte Lagarde 2007 ein Schiedsgericht, den Fall zu lösen. Tapie bekam daraufhin Schadenersatz in Höhe von 285 Millionen Euro – mit Zinsen sogar 400 Millionen Euro – zugesprochen. Lagarde hatte Ende Januar beteuert, die Anrufung des Schiedsgerichts sei "damals die beste Lösung" gewesen.

Parallel zu den Ermittlungen gegen Lagarde untersuchen auch Pariser Untersuchungsrichter den Fall. Dabei wurden zuletzt unter anderem die Wohn- und Büroräume von Claude Guéant durchsucht, der zum Zeitpunkt der Affäre unter dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy dessen Generalsekretär im Elysée war.
 

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Leserkommentare
  1. Das Problem ist nur: Die haben buchstäblich alle "Dreck am Stecken". Durchs Band. Ein(e)r wie der andere. Da sieht man nur, wie da oben die Vetternwirtschaft blüht. Und da soll der kleine Steuerzahler noch Vertrauen haben ? Ich wüsste nicht, wie das gerechtfertigt wäre ...

    21 Leserempfehlungen
  2. ... für einen Großaktionär der sich betrogen fühlte ? Das soll Frau Lagarde mal erklären.

    8 Leserempfehlungen
  3. 3. Merke:

    Wirft ein Politiker mit Dreck, nimmt er ihn stets vom eigenen Stecken! Dieser Satz gewinnt von Tag zu Tag an Bedeutung!

    16 Leserempfehlungen
    • Newo
    • 20. März 2013 15:11 Uhr

    über das Verhalten von Nichtwählern...
    Unglaublich was sich diese Leute leisten dürfen. UNd dann muss ich mir anhören, dass ich ein kleiner böser Nationalist bin, weil ich etwas gegen die EU habe.
    Europa ja, aber bitte nicht so!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... hat die Angelegenheit mit der EU nichts zu tun.

    Frankreich und nicht die EU hat die Entschädigungszahlung an Tapie geleistet und Mme. Lagarde war damals französische Wirtschafts- und Finanzministerin und keine EU-Kommissarin oder Abgeordnete. Und nun ist Lagarde Präsidentin des IWF, der ebenfalls mit der EU nichts zu tun hat.

    Diesfalls würde ich Vertrauen in die EU für gerechtfertigter halten. Stellt sich nämlich heraus, dass die Zahlung zu Unrecht erfolgte, besteht die Möglichkeit, dass die Kommission wegen ungerechtfertigter Beihilfen untersucht.

  4. So bekommt man also die nötigen Referenzen um Chefin vom IWF zu werden!

    Und öffentliche Gelder verteilen um "Geschäftsleute" zu stützen das macht Sie ja heute noch, nur gibt Sie sich nicht mehr mit so läppischen Millionenbeträgen zufrieden und es heißt nicht mehr Unterschlagung sondern Rettungsmaßnahme!

    LG

    Klaus

    16 Leserempfehlungen
    • deDude
    • 20. März 2013 15:15 Uhr

    Und dafür wird die Justiz aktiv, während andere ungestraft Milliarden und Billionen verschieben?

    Als IWF-Chef/in muss man doch gradezu kriminelle Energie besitzen, genau wie für die meisten anderen Jobs in der Finanzbranche.

    7 Leserempfehlungen
  5. Irgendwie scheint es vollkommen normal zu sein, dass man ab einem gewissen sog. "gesellschaftlichen Level" irgendetwas Unredliches gemacht zu haben scheint.

    Ob die Vorwürfe jetzt berechtigt sind, lasse ich dahingestellt.

    Affären, Veruntreuungen, Wohnungsdurchsuchungen, Bestechungsvorwürfe... - kommt alles ziemlich oft in diesen Kreisen vor.

    Liegt es jetzt daran, dass die "Elite" allsamt korrupt ist? Oder wäre es der "kleine Bürger" genauso, wenn er alle diese Optionen, Möglichkeiten und Entscheidungsbefugnisse hätte? Oder sind eher Widersacher am Werk, die einem den Erfolg nicht gönnen?

    2 Leserempfehlungen
  6. Der Sozialist Hollande weiß wahrscheinlich, daß Fr. demnächst
    Hilfe in Form von Krediten, Garantien usw. benötigen könnte.
    Dann würde er auf die knallharte Lagarde treffen.

    Eine Leserempfehlung

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