Das EU-Mitgliedsland Lettland will bald den Euro einführen. Finanzminister Andris Vilks reichte den offiziellen Antrag in Brüssel ein und bat um den nötigen Prüfbericht der EU-Kommission zur Euro-Reife.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte nach einem Treffen der EU-Finanzminister: "Lettland hat beschlossen, eine Konvergenzprüfung zu beantragen mit dem Ziel, im Jahr 2014 den Euro einzuführen." Er kündigte an, den Antrag gründlich und objektiv zu prüfen. Der Bericht werde vermutlich Anfang Juni vorliegen.

Die EU-Kommission wertete Lettlands Antrag als "Zeichen des Vertrauens" in die europäische Gemeinschaftswährung. "Der Antrag ist eine wichtige Entwicklung", sagte Rehn. Denn noch vor weniger als einem Jahr sei über das Ende der europäischen Währung spekuliert worden. Der lettische Finanzminister Andris Vilks äußerte die Hoffnung, dass die Wirtschaft seines Landes vom Euro profitiert.

Den Kriterien auch langfristig gerecht werden

Lettland hat noch die Landeswährung Lats (derzeit knapp 1,43 Euro)  und wäre der zweite baltische Staat in der Euro-Zone. Estland hat bereits seit 2011 den Euro. Litauen peilt die Mitgliedschaft 2015 an.

Lettland erfüllt nach eigenen Angaben seit September 2012 sämtliche Maastricht-Kriterien. Das bedeutet: Die laufende Staatsverschuldung darf 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) nicht übersteigen, die Gesamtverschuldung soll maximal 60 Prozent vom BIP betragen.

Außerdem darf die Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen. Zudem muss sich der Wechselkurs der Landeswährung stabil zeigen.

Lettlands Finanzminister Vilks sagte: "Die Erfüllung dieser Kriterien ist das Gütesiegel unserer Wirtschaft." Er sei zuversichtlich, dass Lettland den Kriterien auch langfristig gerecht werde. Das Land bemühe sich um eine verantwortungsvolle Finanzpolitik.

Die neuen EU-Länder in der Mitte und im Osten Europas hatten sich beim Beitritt verpflichtet, den Euro einzuführen, wenn sie die Kriterien dafür erfüllen. Wegen der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern und den damit verbundenen Turbulenzen hatten sich in den vergangenen Jahren die Kandidaten aber zurückgehalten.