DIHK-Chef Schweitzer : "Die guten Leute verlassen dann Deutschland"

Die Obergrenze für Managergehälter sei schädlich, sagt der neue DIHK-Präsident Schweitzer. Mindestlöhne hält er für nicht praktikabel. Gegen Armut helfe Arbeit am besten.

Frage: Herr Schweitzer, jetzt als DIHK-Präsident müssen Sie sagen, wie wohlhabend Sie sind.

Eric Schweitzer: Warum?

Frage: Das Land debattiert über Managergehälter und wachsende Ungleichheit, und Sie sind nun eine wichtige Stimme.

Schweitzer: Ich trage mit meinem Bruder zusammen die Verantwortung für unser Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern. Unser familiäreres Schicksal ist mit dem des Unternehmens verbunden. Kein Unternehmer hat die Garantie, dass er immer Gewinne macht.

Frage: Sie könnten eine ungefähre Hausnummer nennen.

Schweitzer: Nein, das habe ich bisher nicht getan, dabei soll es bleiben.

Frage: Ihr Verdienst dürfte ein Vielfaches dessen betragen, was Ihre Beschäftigten etwa in den Müllsortieranlagen bekommen. Ist das gerechtfertigt?

Eric Schweitzer

Der 47jährige ist seit dem 20. März 2013 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK, der Spitzenorganisation der 80 Industrie- und Handelskammern mit 3,6 Millionen Mitgliedern. Er ist bislang der jüngste DIHK-Chef.

Schweitzer: 90 Prozent der deutschen Firmen sind in Familienbesitz, bei ihnen arbeiten 60 Prozent der Beschäftigten. Ein Unternehmer setzt sein eigenes Geld ein und haftet mit seinem gesamten Vermögen. Ich kenne keinen Fall, wo das Einkommen eines Familienunternehmens nicht in einer vernünftigen Beziehung zur Verantwortung steht, die er trägt.

Frage: Haben nicht auch Beschäftigte ein Recht darauf zu wissen, ob sie am Unternehmenserfolg angemessen beteiligt werden?

Schweitzer: Dies ist bereits Realität. Soll der Staat eine Obergrenze für Manager-Gehälter einziehen? Das hieße, ein Unternehmer darf sich nicht mehr die besten Führungskräfte und Mitarbeiter aussuchen. Die Politik entscheidet dann die Personalauswahl. Ich glaube, die guten Leute verlassen dann Deutschland.

Frage: Deutsche Top-Manager an der Spitze ausländischer Firmen kann man an zwei Händen abzählen.

Schweitzer: Das muss nicht so bleiben. Dürfte Bastian Schweinsteiger nur noch einen Bruchteil dessen verdienen, was er derzeit bekommt, würde er kaum bei Bayern München bleiben, sondern vermutlich ins Ausland wechseln.

Frage: Es geht bei der Debatte auch um Transparenz und Angemessenheit.

Schweitzer: Wir führen diese Diskussion mit Blick auf sehr wenige Manager börsennotierter Konzerne, deren Gehalt manchem zu hoch ist. Ich erinnere daran, dass in diesen Fällen die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten zugestimmt haben. Diese werden ihre Gründe gehabt haben, etwa das Gehalt des VW-Chefs zu genehmigen. Das Unternehmen ist ja auch nicht zufällig eines der erfolgreichsten in der Branche und weltweit.

Frage: Stehen nicht die Manager-Gehälter exemplarisch für ein wachsendes Gefälle in der Gesellschaft?

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Kommentare

144 Kommentare Seite 1 von 21 Kommentieren

Ekelhaft, Sie meinen sicher die Neidhammeldiskussion, oder?

Die Managergehälter wirken sich auf die Kosten in einem Unternehmen quasi nicht aus.
Ekelhaft, Sie meinen sicher die Neidhammeldiskussion, oder?
Im übrigen finde ich es gerade zu als kapitalistische Ausbeutung, wenn die Staatsquote mehr als 50% beträgt und so verschleiert wird, daß wir nicht merken, wie wir von den Politkern ausgebeutet werden.

Verhältnismäßigkeit

Mit Ihren Ausführungen haben Sie völlig Recht. Aber was soll eine Begrenzung von Arbeitnehmergehältern damit zu tun haben?

Es ist die Verantwortung des Eigentümers bzw. der Aufsichtsräte, dass die Bezahlungen in Relation zur Leistung stehen. Winterkorn ist seine 17 Mio doch wert. Leute wie Middelhoff aber eben nicht. Dass die dann Abfindungen etc bekommen, kann und sollte man auch tatsächlich regeln. Aber warum darf Winterkorn keine 17 Mio verdienen, wenn damit jeder glücklich ist und der Laden läuft?

Doch! Die Tüchtigen gehen!

Ich war bereits 2003- 2005 in Großbritannien als umsatzbeteiligter, angestellter Zahnarzt tätig. Dort konnte ich als Angestellter das doppelte bis dreifache eines selbstständigen (!) Zahnarztes in Deutschland verdienen, dessen Verdienst in D etwa dem eines Gymnasiallehrers entspricht.

Da mit Facharzt Kieferorthopädie die Verdienstmöglichkeiten in D besser sind, das Fach angenehmer ist, und mich die Kieferorthopädie fachlich einfach begeistert hat, bin ich 2005 wieder zur Facharztausbildung nach D zurückgekehrt und seit 2008 als Kieferorthopäde mit eigener Praxis in D niedergelassen.

Sollten sich die Rahmenbedingungen hier wesentlich verschlechtern, werde ich meine Praxis hier aufgeben und weiterziehen.....-Sozialismus ist nichts für mich....

zu@139 robertmk und seine Sozialismus-Phobie....

....naja, wenn's dem Robert zum Allerheiligsten "zum Geld" hinzieht, naja, dann soll der Robert eben ziehen...aber zurückkommen sollte man dem Robert dann auch verwehren...schließlich hat der Robert ja auf Kosten des Steuerzahlers sein sehr gutes Zahnarztstudium hier in deutschen Landen absolvieren können...und das ohne soziale Not - das sollte der Robert doch einmal im "Queensland" Großbritannien in Angriff nehmen - ob der Robert danach dann immer noch so große Töne spucken wird?...gelle?

Den Verdienst eines Gymnasiallehrers

und/oder selbstständigen Zahnarztes in allen Ehren, aber denken Sie wirklich, Herr Schweitzer redet von diesen Größenordnungen?

Da irren Sie sehr, denke ich.

Ansonsten sind Herrn Schweitzers Argumente dürftig und es wäre wohl für so manches Unternehmen eine Wohltat gewesen, einige derer mit extrem hohem Salär gar NICHT erst an der Spitze gehabt zu haben...

Ansonsten stört es weniger, wenn einer an der Spitze eines äusserst produktiven, wertschöpfenden Unternehmens überdurchschnittlich verdient. Auch meine Zahnarztrechnungen zahle ich ohne Murren, weil ohne ihn ich gar nicht ohne Schmerzen murren könnte... ;-)

Aber die Praxis des goldenen Handschlags auch bei Versagen auf der ganzen Linie, 80 Mio- Boni für das Hinundherschieben von heisser Luft, Antrittsprämien von 9 Mio bei einem 180 Mann- Betrieb ohne Auflagen, und einiges mehr gehört tatsächlich abgeschafft.

Ihr Kommentar ist Brandgefährlich -

denn ich wäre eben beim Lesen fast vor Lachen unter den Tisch gefallen ...
Nein, mal ganz ernsthaft, Herr Schweitzer bringt doch sehr klar zum Ausdruck, wie sehr sich ein Teil der wirtschaftlichen Elite (oder doch ein Großteil?) von den realen Problemen in dieser Republik entfremdet hat. Also ein fairer Mindestlohn wäre schlecht, weil der Arbeitsplätze kosten würde - dieses Argument wird immer wieder gerne wiederholt. Die Frage ist nur, wovon sollen die Betroffenen dann leben - von Staatlichen Transferleistungen, also den Steuern, die bevorzugt von den abhängig Beschäftigten erbracht werden?
Immerhin räumt er ein, ein zu niedrig angesetzter Mindestlohn würde nichts bringen.