Frage: Herr Schweitzer, jetzt als DIHK-Präsident müssen Sie sagen, wie wohlhabend Sie sind.

Eric Schweitzer: Warum?

Frage: Das Land debattiert über Managergehälter und wachsende Ungleichheit, und Sie sind nun eine wichtige Stimme.

Schweitzer: Ich trage mit meinem Bruder zusammen die Verantwortung für unser Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern. Unser familiäreres Schicksal ist mit dem des Unternehmens verbunden. Kein Unternehmer hat die Garantie, dass er immer Gewinne macht.

Frage: Sie könnten eine ungefähre Hausnummer nennen.

Schweitzer: Nein, das habe ich bisher nicht getan, dabei soll es bleiben.

Frage: Ihr Verdienst dürfte ein Vielfaches dessen betragen, was Ihre Beschäftigten etwa in den Müllsortieranlagen bekommen. Ist das gerechtfertigt?

Schweitzer: 90 Prozent der deutschen Firmen sind in Familienbesitz, bei ihnen arbeiten 60 Prozent der Beschäftigten. Ein Unternehmer setzt sein eigenes Geld ein und haftet mit seinem gesamten Vermögen. Ich kenne keinen Fall, wo das Einkommen eines Familienunternehmens nicht in einer vernünftigen Beziehung zur Verantwortung steht, die er trägt.

Frage: Haben nicht auch Beschäftigte ein Recht darauf zu wissen, ob sie am Unternehmenserfolg angemessen beteiligt werden?

Schweitzer: Dies ist bereits Realität. Soll der Staat eine Obergrenze für Manager-Gehälter einziehen? Das hieße, ein Unternehmer darf sich nicht mehr die besten Führungskräfte und Mitarbeiter aussuchen. Die Politik entscheidet dann die Personalauswahl. Ich glaube, die guten Leute verlassen dann Deutschland.

Frage: Deutsche Top-Manager an der Spitze ausländischer Firmen kann man an zwei Händen abzählen.

Schweitzer: Das muss nicht so bleiben. Dürfte Bastian Schweinsteiger nur noch einen Bruchteil dessen verdienen, was er derzeit bekommt, würde er kaum bei Bayern München bleiben, sondern vermutlich ins Ausland wechseln.

Frage: Es geht bei der Debatte auch um Transparenz und Angemessenheit.

Schweitzer: Wir führen diese Diskussion mit Blick auf sehr wenige Manager börsennotierter Konzerne, deren Gehalt manchem zu hoch ist. Ich erinnere daran, dass in diesen Fällen die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten zugestimmt haben. Diese werden ihre Gründe gehabt haben, etwa das Gehalt des VW-Chefs zu genehmigen. Das Unternehmen ist ja auch nicht zufällig eines der erfolgreichsten in der Branche und weltweit.

Frage: Stehen nicht die Manager-Gehälter exemplarisch für ein wachsendes Gefälle in der Gesellschaft?