Managergehälter : Aktionäre bleiben lieber machtlos

Künftig sollen Aktionäre über Vorstandsgehälter entscheiden – so will es die Politik. Doch die Anteilseigner selbst finden die Pläne gar nicht gut.

Es war eine schallende Ohrfeige für den Vorstand des Baustoffkonzerns HeidelbergCement. Auf der Hauptversammlung im Mai 2010 lehnte eine Mehrheit der Aktionäre die Gehälter des Vorstands ab: Sie erfüllten noch nicht einmal gängige Transparenzstandards, kritisierten die Anteilseigner. Der Aufsichtsrat musste das Vergütungssystem zähneknirschend überarbeiten.

Es war ein nie dagewesener Affront – der bis heute einmalig blieb. In Deutschland ist es üblich, dass die Hauptversammlung die Gehälter der obersten Manager mit überragender Mehrheit abnickt. Wenn sie überhaupt Einfluss nehmen darf. Rein rechtlich ist ihr Votum nämlich nicht bindend.

Geht es nach Plänen der EU-Kommission, dann soll sich das in Zukunft ändern. Das komplexe Maßnahmenpaket, dessen erster Entwurf ZEIT ONLINE vorliegt, sieht vor, dass Boni künftig maximal doppelt so hoch sein dürfen wie das Festgehalt der Manager. Ausnahmen sind zwar erlaubt, aber die Hauptversammlung muss ihnen ausdrücklich zustimmen.

EU fordert mehr Macht für die Aktionäre

Bei allen an der Börse notierten Unternehmen in der EU müssten die Aktionäre über die Höhe der Gehälter entscheiden, forderte Michel Barnier, EU-Kommissar für den Binnenmarkt, kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und zwar "inklusive goldener Handschläge".

Die Fraktionen im Bundestag treiben ebenfalls Pläne für einen Gesetzentwurf voran. Am liebsten wollen sie noch im Sommer darüber beraten. Die Managergehälter sind ein wunderbares Wahlkampfthema. Auch Kanzlerin Merkel warnt vor Maßlosigkeit.

Aktionärsvertreter selbst sind aber gar nicht so erpicht auf mehr Einfluss. Deutschlands größte Aktionärsvereinigung, die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitzer (DSW), hält ein gesetzliches Veto-Recht der Aktionäre und vor allem eine gesetzlich festgelegte Obergrenze für Managergehälter sogar für falsch. Vor allem die Obergrenze würde "die Rolle des Aufsichtsrats aushöhlen", sagt DSW-Rechtsanwältin Christiane Hölz.

Marlies Uken

Marlies Uken ist Redakteurin im Ressort Wirtschaft und bloggt bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Laut Rechtslage entscheidet bislang der Aufsichtsrat über die Vorstandsgehälter. Die Aktionäre haben darüber kein direktes Mitspracherecht. Sie entscheiden aber, wer im Rat sitzt. In den vergangenen Jahren, sagt Hölz, sei das Kontrollgremium durch mehrere Gesetze immer mehr gestärkt worden. Das findet sie gut. "Wir sollten den Aufsichtsrat nicht durch eine neue gesetzliche Regelung wieder schwächen."

Dabei sagt Hölz auch, dass die Firmen die Diskussion über ihre Managergehälter ernst nehmen müssen. "Es kann nicht im Sinne der Vorstände sein, wenn ihnen Selbstbedienungsmentalität unterstellt wird." Die DSW hat in ihrer jüngsten Vergütungsstudie für das Jahr 2011 ermittelt, dass ein Volkswagen-Vorstand im Schnitt rund 8,4 Millionen Euro erhält, vier Mal mehr als noch vor zehn Jahren. Die Gehälter der Angestellten stiegen in der gleichen Zeit bestenfalls um einen einstelligen Prozentbetrag.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Hallo overseasreader

"Grundsätzlich kein Einfluß des Staates auf Gehälter"
"Markt soll Vergütung der Spitzenmanager regeln"

Ich frage mich, warum man sich bei den 41 Millionen Arbeitnehmern, von denen immer mehr in Leiharbeit und Niedriglohn geschleusst werden, von staaticher Seite eimischen darf (agenda 2010: Arbeitsagenturen: arbeite für 8 € oder wir kürzen Dir das Arbeitslosengeld) und bei der "Elite" (Lakkeien des Geldadels) soll der Markt die Vergütung regeln!

Wirtschaftstheorie!
Würde man dem Markt die Vergütung der Arbeitnehmer überlassen, würde niemand für 7 oder 8 € arbeiten müssen. Wer von seinem Lohn nicht leben kann, würde verhungern und fällt aus dem Arbeitsmarkt. Weniger Arbeitskräfte = Verknappung von Arbeitskraft = höhere Löhne.
Würden die Arbeitneher höhere Löhne bekommen, könnten die Aktionäre nicht so hohe Gewinne einfahren und die Manager bekämen nicht so hohe Boni und Abfindungen.

Die Agenda 2010 hat es möglch gemacht. Wieso sonst steigen seit 10 Jahren die Gewinnqote und die Lohnquote sinkt?
Das ganze hat einen Namen SPD-Schröder-AGenda 2010.
Steinmeier und Steinbrück waren auch dabei und sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Schröder. Damals hat man den Wählern Lafontaine zur Wahl gestellt und Schröder hinterher regieren lassen. Diesmal muß Seinbrück den Lafontaine machen. Und hinterher kommt die Agenda 2020.