Es ist eines der bekanntesten Bilder aus der Zeit der Finanzkrise: Im Oktober 2008 traten die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück vor die Presse, um die Deutschen zu beruhigen. Kurz zuvor hatte die Investmentbank Lehman Brothers Bankrott angemeldet und die Finanzmärkte ins Chaos gestürzt. Einige Berater der Bundesregierung fürchteten, dass es in Deutschland zu einem Bank run kommen könnte, also zu einem unkontrollierten Ansturm der Sparer auf ihre Bankkonten. Merkel und Steinbrück sprachen deshalb ein weit reichendes Versprechen in die Fernsehkameras: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind."

Es war ein dramatischer Wendepunkt in der Krise, der sich an diesem Montag wiederholt hat – zumindest wenn man der Nachrichtenlage Glauben schenkt. Tatsächlich meldeten am Nachmittag fast alle Agenturen, Merkel habe wie vor fünf Jahren den Bestand der deutschen Spareinlagen garantiert. Die Nachricht passte insofern in den Tag, als dass zu diesem Zeitpunkt der Rettungsplan der Euro-Finanzminister für Zypern weltweit eine Debatte darüber ausgelöst hatte, wie sicher die Sparkonten noch vor dem Zugriff des Staates sind. Sorgt sich also die Bundesregierung vor einem Sturm auf die deutschen Bankkonten wie einst 2008?

Dem ist freilich nicht so. In Wahrheit hatte auch nicht Merkel selbst ihr Versprechen erneuert, sondern lediglich ihr Sprecher Steffen Seibert – und das auch nur auf Nachfrage in der Bundespressekonferenz. Dort hatte ein Journalist gefragt: "Mich würde interessieren, ob Frau Merkel zu ihrer Zusage in Sachen deutsche Spareinlagen vom 05.10.2008 steht, dass sie sich unbegrenzt und unbefristet keine Sorgen machen müssen?" Seibert antwortete hierauf das einzig in dieser Situation Mögliche, nämlich:  "Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt."

So kam schließlich die Meldung zustande, Merkel garantiere die Spareinlagen der Deutschen, was so klang, als habe die Kanzlerin aktiv die Offensive gesucht, weil im Hintergrund bereits die Bürger die Konten räumten. Und so kam auch die Titelzeile der Bild-Zeitung zustande, die fragte: "Müssen wir Angst um unser Erspartes haben?"

Klar ist aber auch: Die deutsche Seite hat offenbar die Verunsicherung unterschätzt, die die Beteiligung der Sparer in Zypern um den Globus schicken würde. Der Bundesregierung wird daran gelegen sein, dass die Angst an den Märkten sich bald legt – auch in Deutschland. Wenn die triviale Bemerkung, dass eine Garantie eine Garantie ist, dabei hilft: okay.