NetzentgelteRabatte für Strom-Großverbraucher vor dem Aus

EU und Justiz machten Druck, nun reformiert die Bundesregierung die Regeln für die Stromnetz-Entgelte: Ein kompletter Gebührenerlass für Großverbraucher dürfte entfallen.

 Bundeskanzlerin Angela Merkel will finanzielle Entlastungen für die Industrie begrenzen und damit die Bürger bei den Stromkosten entlasten. Die Regierung sei bereits dabei, die Netzentgeltverordnung zu reformieren, sagte die CDU-Politikerin nach einem Treffen mit Vertretern von Wirtschaft und Umweltverbänden zur Energiewende im Kanzleramt. Damit kommt sie der EU zuvor, die angekündigt hatte, zu prüfen, ob die deutsche Regelung eine unerlaubte Beihilfe für die Industrie ist. Zudem entspricht sie einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, das die Befreiung von besonders stromfressenden Unternehmen für nichtig erklärte.

Die Verbraucher zahlen die Netzentgelt-Befreiung der Großverbraucher bisher über den Strompreis mit. Für bestimmte Stromverbraucher gibt es allerdings weitreichende Nachlässe, so sind große Abnehmer seit 2011 ganz von den Entgelten befreit.

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Unter anderem Aluminiumhütten oder Golfplätze profitieren davon: Zum einen gibt es Nachlässe bei einer atypischen Nutzung, wenn beispielsweise nachts viel Strom verbraucht wird – etwa zur Pflege und Wässerung eines Golfplatzes. Und zum anderen sind stromintensive Unternehmen komplett von den Netznutzungskosten befreit, wenn sie mindestens 7.000 Stunden pro Jahr dauerhaft am Netz hängen und der Stromverbrauch 10 Gigawattstunden übersteigt.

Zumindest der 100-Prozent-Rabatt dürfte bald entfallen. Alle großen Unternehmen sollen künftig gestaffelt nach Verbrauch Netznutzungskosten zahlen, im Gespräch sind rund 10 bis 20 Prozent der vollen Umlage.

Bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden schlägt die Umlage zur Finanzierung der Netzkosten-Ausnahmen derzeit mit etwa 11,50 Euro pro Jahr zu Buche. In diesem Jahr wird das Volumen der Rabatte und Befreiungen bei den Netzentgelten mit 800 Millionen Euro beziffert (2012: 440 Millionen Euro).

Leser-Kommentare
    • Lefty
    • 07.03.2013 um 20:10 Uhr

    Mal so tun als ob.Es bringt dem Verbraucher nur "Peanuts",ärgert Großverbraucher und der Opposition gibt man Angriffsfläche.
    Entweder ganz oder gar nicht.

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    bringt es dem Verbraucher noch nicht mal Peanuts, sondern eine weitere kräftige Erhöhung....

    Verbrauch der befreiten Unternehmen 2012: 440 Millionen Euro
    Verbrauch der befreiten Unternehmen 2013: 800 Millionen Euro

    Das bedeutet beinahe eine Verdoppelung der Netzgeldumlage. Nun sollen die Unternehmen etwa 10-20% selbst tragen.

    Das macht dann für den privaten Verbraucher eine Erhöhung der Netzgeldumlage von NUR NOCH 70 -80%.

    Das ist doch ein Grund zur grenzenlosen Freude...

    ... für die Wirtschaft!

    bringt es dem Verbraucher noch nicht mal Peanuts, sondern eine weitere kräftige Erhöhung....

    Verbrauch der befreiten Unternehmen 2012: 440 Millionen Euro
    Verbrauch der befreiten Unternehmen 2013: 800 Millionen Euro

    Das bedeutet beinahe eine Verdoppelung der Netzgeldumlage. Nun sollen die Unternehmen etwa 10-20% selbst tragen.

    Das macht dann für den privaten Verbraucher eine Erhöhung der Netzgeldumlage von NUR NOCH 70 -80%.

    Das ist doch ein Grund zur grenzenlosen Freude...

    ... für die Wirtschaft!

  1. Es gibt keine komplette Befreiung von der EEG-Umlage, sondern die Firmen zahlen 0,05 Cent statt 5,28.

    Und welcher Golfplatz ist befreit? Ich dachte, das wäre ein Mißverständnis Trittins...

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    • wd
    • 07.03.2013 um 21:03 Uhr

    Herr Trittin hat behauptet, dass Golfplätze von der EEG-Abgabe befreit sind. Da die Liste der befreiten Betriebe öffentlich zugänglich ist kann man dort nach Golfplätzen suchen. Man findet keine. Vielleicht betreibt z.B. irgendein öffentliches Straßenbahnunternehmen auch nebenbei einen Golfplatz. Das kann ich nicht ausschließen. Das ist dann so wie bei Stadtwerken, die die Stromkunden das Stadtbad teilweise mit bezahlen lassen.

    • wd
    • 07.03.2013 um 21:03 Uhr

    Herr Trittin hat behauptet, dass Golfplätze von der EEG-Abgabe befreit sind. Da die Liste der befreiten Betriebe öffentlich zugänglich ist kann man dort nach Golfplätzen suchen. Man findet keine. Vielleicht betreibt z.B. irgendein öffentliches Straßenbahnunternehmen auch nebenbei einen Golfplatz. Das kann ich nicht ausschließen. Das ist dann so wie bei Stadtwerken, die die Stromkunden das Stadtbad teilweise mit bezahlen lassen.

  2. Große Verbraucher können nur über den Preis zum Sparen und zur effektiven Energienutzung gezwungen werden. Wenn die anteiligen Stromverbrauchskosten künstlich gering gehalten werden, dann erhalten Hochschulen, Ingenieurbüros und andere Spezialisten keine Aufträge für Konzepte und Produkte zur Energieeinsparung. Warum auch?

    Wenn allerdings der Absatz wegen hoher Preise stagniert, dann werden Energien und Phantasien bei ingenieurtechnischem Personal freigesetzt, um den Nachteil des hohen Energiekostenanteils wettzumachen. Ein regelrechtes Konjunkturprogramm mit zusätzliche Arbeitsplätzen könnte daraus entstehen. Aber wenn die Lobby unsere demokratisch gewählten Politiker bremst, dann kann es keinen Fortschritt geben. Dann muss der kleine Mann die Rechnung für die Großen übernehmen.

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    Die Strompreise sind in ihrer derzeitigen Höhe Anlass zum Sparen genug.

    Jedoch hat das Sparpotential seine Grenzen. Und zwar ganz natürliche, technologische Grenzen. Wenn Sie Aluminium zu einer Alufolie walzen möchten, dann müssen Sie nun mal die erforderliche Umformenergie reinstecken. Die Wirkungsgrade sind bei den heutigen Prozessen so hoch und ausgereizt, dass sie schlichtweg nicht weiter sparen KÖNNEN.

    Und genau DANN steigen hierzulande die Stromkosten weiter. Konsequenz: Die aus Effizienz getrimmten deutschen Unternehmen machen dicht und ihre Alufolie wird demnächst in China mit miserablen Wirkungsgraden und viel höherer Umweltbelastung hergestellt. Vom Transport ganz zu schweigen.

    Gratuliere.

    Es ist quatsch zu behaupten, dass Unternehmen ohne noch höhere Stromkosten keine Stromsparanstrengungen mehr unternehmen. Stattdessen belohnen wir durch höhere Netzentgelte hierzulande schmutzige Produktion im Ausland, die sich einen Dreck um die Umwelt schert.

    Die Strompreise sind in ihrer derzeitigen Höhe Anlass zum Sparen genug.

    Jedoch hat das Sparpotential seine Grenzen. Und zwar ganz natürliche, technologische Grenzen. Wenn Sie Aluminium zu einer Alufolie walzen möchten, dann müssen Sie nun mal die erforderliche Umformenergie reinstecken. Die Wirkungsgrade sind bei den heutigen Prozessen so hoch und ausgereizt, dass sie schlichtweg nicht weiter sparen KÖNNEN.

    Und genau DANN steigen hierzulande die Stromkosten weiter. Konsequenz: Die aus Effizienz getrimmten deutschen Unternehmen machen dicht und ihre Alufolie wird demnächst in China mit miserablen Wirkungsgraden und viel höherer Umweltbelastung hergestellt. Vom Transport ganz zu schweigen.

    Gratuliere.

    Es ist quatsch zu behaupten, dass Unternehmen ohne noch höhere Stromkosten keine Stromsparanstrengungen mehr unternehmen. Stattdessen belohnen wir durch höhere Netzentgelte hierzulande schmutzige Produktion im Ausland, die sich einen Dreck um die Umwelt schert.

  3. "Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) warnte die Regierung vor zu starken Einschnitten für die Industrie. Sonst sei die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gefährdet. "Die Energiepreise werden immer mehr zu einem entscheidenden Faktor, ob Investitionen noch in Deutschland oder anderswo stattfinden", sagte sie."
    Reichlange hat die SPD gebraucht, bis sie das begriffen hat. Jahrelange hat sie den Energiewendefuror ohne Rücksicht auf die Kosten mitbetrieben, allen voran der (inzwischen leider verstorbene) Herrmann Scheer. Dabei geht die Energiewende vor allem zulasten ihrer Wählerschaft (Industriearbeitnehmer, Hartz IV Empfänger, Niedriglohnempfänger) Wenn es so weiter geht, werden wir Frankreich, Italien und Spanien bald wirtschaftlich auf Augenhöhe begegnen. Die Energiewende, so wie wir sie betreiben, ist eine wirtschaftliche Selbstamputation.

    4 Leser-Empfehlungen
  4. Man sollte nicht vergessen, dass eine wie auch immer geartete Verteilung der Kosten nichts an den steigenden Gesamtkosten der Stromversorgung ändert. Auch wenn man nun einen Teil in die Bilanzen der Industrie etc. verschiebt, wird es über Produktpreise oder Arbeitsplatzverluste gesellschaftliche Rückwirkungen auf die privaten Haushalte geben.

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    führen, weil der Kostendruck steigt.

    Unser BIP hat einen hohen Innovationsanteil, daher sehe ich das nicht langfristig als ein Schwächung der Industrie an.

    Ferner ist z.B. die Frage, ob eine Kupferhütte heute noch nach Deutschland gehört?. Die erstverhüttung von Kupfer gehört bevorzugt in Länder mit z.b. viel Wasserkraft, oder Solarstrompotenzial... (Griechenland?)

    Das Thema Recycling hat andere Einflußgrößen. und könnte auch dezentralisierter stattfinden. Siehe auch Aluminium....

    führen, weil der Kostendruck steigt.

    Unser BIP hat einen hohen Innovationsanteil, daher sehe ich das nicht langfristig als ein Schwächung der Industrie an.

    Ferner ist z.B. die Frage, ob eine Kupferhütte heute noch nach Deutschland gehört?. Die erstverhüttung von Kupfer gehört bevorzugt in Länder mit z.b. viel Wasserkraft, oder Solarstrompotenzial... (Griechenland?)

    Das Thema Recycling hat andere Einflußgrößen. und könnte auch dezentralisierter stattfinden. Siehe auch Aluminium....

    • wd
    • 07.03.2013 um 20:38 Uhr

    Es geht nur um die Netzentgelte. Der Strom wird dann um 0,3ct/kWh billiger oder besser gesagt, die nächste Erhöhung für die Netzentgelte fällt etwas niedriger aus (Wir bauen doch neue Stromtrassen oder nicht?).
    Die EEG-Abgabe von ca. 6ct/kWh bleibt voll erhalten. Wenn von den 20Mrd EEG 0,5Mrd auf die Straßenbahnen und ähnliches abgewälzt werden, dann zahlen die Kunden dort mehr und der Strompreis sinkt doch nicht, denn wenn die nächste Erhöhung durch das EEG 3ct/kWh würden, dann sind es halt nur 2,5ct/kWh.
    Ich wollte eigentlich nur anmerken, dass der kleine Mann die Zeche so oder so bezahlt.
    Und wenn dann Arbeitsplätze wegfallen, dann ist es für die dann betroffenen Personen und Kommunen katastrophal.

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  5. führen, weil der Kostendruck steigt.

    Unser BIP hat einen hohen Innovationsanteil, daher sehe ich das nicht langfristig als ein Schwächung der Industrie an.

    Ferner ist z.B. die Frage, ob eine Kupferhütte heute noch nach Deutschland gehört?. Die erstverhüttung von Kupfer gehört bevorzugt in Länder mit z.b. viel Wasserkraft, oder Solarstrompotenzial... (Griechenland?)

    Das Thema Recycling hat andere Einflußgrößen. und könnte auch dezentralisierter stattfinden. Siehe auch Aluminium....

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    So wie sie es verkaufen, geraten Kostenerhöhungen ja geradezu zu einem VORTEIL im Wettbewerb. Damit stellen Sie die ökonomische Realität auf den Kopf. Zwar können Unternehmen vielleicht einen Teil der Kostensteigerungen durch Innovationen kompensieren. Nur werden die Kosten des Netzausbaus dadurch im Ergebnis nicht verschwinden sondern allenfalls umverteilt und auch Innovationen sind nach meiner Erfahrung noch nirgends gratis vom Himmel gefallen.

    Davon mal abgesehen möchte ich das auch nicht als Statement gegen eine Beteiligung der Unternehmen verstanden wissen. Es geht nur um die Erkenntnis, dass eine geänderte Verteilung der Kosten nicht mit einer Senkung der Gesamtkosten zu verwechseln ist und dass die Kosten in anderer Gestalt trotzdem auch beim Verbraucher ankommen werden.

    So wie sie es verkaufen, geraten Kostenerhöhungen ja geradezu zu einem VORTEIL im Wettbewerb. Damit stellen Sie die ökonomische Realität auf den Kopf. Zwar können Unternehmen vielleicht einen Teil der Kostensteigerungen durch Innovationen kompensieren. Nur werden die Kosten des Netzausbaus dadurch im Ergebnis nicht verschwinden sondern allenfalls umverteilt und auch Innovationen sind nach meiner Erfahrung noch nirgends gratis vom Himmel gefallen.

    Davon mal abgesehen möchte ich das auch nicht als Statement gegen eine Beteiligung der Unternehmen verstanden wissen. Es geht nur um die Erkenntnis, dass eine geänderte Verteilung der Kosten nicht mit einer Senkung der Gesamtkosten zu verwechseln ist und dass die Kosten in anderer Gestalt trotzdem auch beim Verbraucher ankommen werden.

  6. daran muss sie mal erinnert werden. Die Energiewendie ist das Gegenteil von Schaden gegenüber Deutschland abwenden.

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    Die Energiewende ist ein Innovationsmotor 1. Klasse.

    Wenn man allerdings ausschließlich konservativ denkt, kann ich Ihre Einstellung bedingt nachvollziehen, das macht sie aber nicht richtig!

    Ein schönes Wort. Aber erklären Sie mir bitte wo diese Innovation stattfindet.

    Die Energiewende ist ein Innovationsmotor 1. Klasse.

    Wenn man allerdings ausschließlich konservativ denkt, kann ich Ihre Einstellung bedingt nachvollziehen, das macht sie aber nicht richtig!

    Ein schönes Wort. Aber erklären Sie mir bitte wo diese Innovation stattfindet.

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