Konjunktur : Deutsche Wirtschaft hängt Euro-Zone weiter ab

Das wirtschaftliche Auseinanderdriften der Euro-Zone geht nach Ansicht der OECD weiter. Die Wirtschaft in Deutschland wächst deutlich stärker als im Rest Europas.
Arbeiten an einer U-Bahn-Station in Köln © Ina Fassbender/Reuters

Die deutsche Wirtschaft wächst im Vergleich zu den anderen Ländern der Euro-Zone deutlich stärker und lässt Länder wie Italien oder Frankreich beim Wachstum zurück. Für das laufende Quartal erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Steigerung des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,6 Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal.

Im zweiten Quartal dürfte Deutschlands BIP um fast 0,7 Prozent steigen. Auf das gesamte Jahr gerechnet bedeutet dies einen Zuwachs von 2,3 beziehungsweise 2,6 Prozent.

Damit dürften die Unterschiede zwischen dem Wachstum in Deutschland und dem in den anderen Euro-Staaten verstärkt werden. Dort erwartet die OECD nur geringe Zuwächse oder sogar Schrumpfungen. So befindet sich Frankreich derzeit in einer leichten Rezession: Nach einem Rückgang des BIP um 0,3 Prozent im vierten Quartal 2012 dürfte die Wirtschaft in den ersten drei Monaten 2013 laut OECD nochmals um knapp 0,2 Prozent schrumpfen. Erst im zweiten Quartal gibt es dann wieder ein minimales Wachstum von rund 0,1 Prozent. Für die drittgrößte Euro-Zonen-Volkswirtschaft Italien erwartet die OECD ein Minus von 0,4 Prozent.

Wegen der Zypern-Krise fordert die OECD eine stärkere Bankenaufsicht für die Euro-Zone. Es müssten die richtigen Institutionen zum Erhalt der Stabilität des Bankensystems eingerichtet werden. Zypern sei zwar ein "außergewöhnlicher Fall", heißt es in dem Bericht der Organisation. Dieser zeige aber, dass Bankenkrisen "direkt und entschieden" entgegengetreten werden müsse. Die Eurozone bleibe verletzlich angesichts der Zerbrechlichkeit des Bankensystems und der hohen Schuldenlast der Euro-Staaten.
 

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Folgen der DMark

(Denken wir uns einmal, was wäre, wäre die jetzige Situation mit ähnlicher Rollenverteilung, aber mit der DMark aufgetreten...)

Die nachteiligen Effekte einer deutschen Einheitswährung zeigen sich immer stärker. Hätte Bayern noch den Gulden, so hätte dieser spätestens jetzt kräftig aufgewertet, während der sog. "Ruhrpott" abgewertet hätte. Dies hätte eine Abschwächung der bayrischen Exporte zur Folge gehabt, bei gleichzeitig sinkenden Preisen in Norddeutschland. Dieses wunder elegante, fast natürliche System wurde durch die DMark zerstört.

Oder um es anders auszudrücken: Na und?

Wieder die schönsten Vergleiche...

Nun, im Gegensatz zur Euro-Zone bestach das ehemalige deutsche Währungsgebiet durch kleine, aber feine Unterschiede:

Es war identisch mit einem Nationalstaat: die Deutsche Bundesrepublik.

Alle Einwohner entsprangen einem Kulturkreis.

Daraus folgend waren Lebens- und Wirtschaftsbedingungen weitaus ähnlicher als zwischen den Peripherien Europas

Das System hat, Dt. Reich etc. mit eingeschlossen, schon mehr als hundert Jahre überdauert; hat nie in einer solche Krise gestanden, einzig und allein aufgrund der D-Mark, die unbestreitbar ein Erfolgsmodell war.

Sie mögen grundsätzlich recht haben, was ihr Beispiel betrifft, dennoch ist es mit der Euro-Zone nicht gleichzusetzen, wegen oben genannter Punkte.

Daher war es wohl Blödsinn die neuen Bundesländer sofort mit der D-Mark zu beglücken, die Folgen: Milliardentransfers. Und das bei einem Land, in dem genauso Deutsche leben! Was die Wirtschaft betrifft sind die neuen Bundesländer noch immer nicht bei derselben Produktivität wie die alten Bundesländer.

Man kann dieses für Deutschland noch verschmerzen aber rechnen Sie mal die Einwohnerzahlen und die unterschiedliche Kultur bzw. Wirtschaft der europäischen Peripherie-Länder mit darein.

Ein Tor der meint, die Wirtschaften der Euro-Länder glichen sich nach selbst 20 Jahren automatisch an...

So ist es

Na gut, unsere Europäischen Nachbarn haben den Dienstleistungssektor und den Staatsdienst mächtig aufgeblasen und die Industrie vernachlässigt. Im Grunde haben doch nur die Länder echte Probleme, wo der monströse Staatsdienst fast ein Viertel der Beschäftigten stellt und der eigentliche Hauptgrund der Verschuldung ist. Die Industrie einiger euro Länder es versäumt, weltweit neue Absatzmärkte zu erschließen. Ist das nun unsere Schuld? Die deutschen Industrieprodukte sind keineswegs billig und wir zwingen niemanden unsere Produkte zu kaufen, der Erfolg der deutschen Exportwirschaft hat also andere Gründe.