Stuttgart 21 : Ramsauer warnt vor steigenden Bahnpreisen

Der Bund erhöht den politischen Druck auf Baden-Württemberg: Gibt das Land nicht mehr Geld für Stuttgart 21, wird das Zugfahren teurer, warnt der Verkehrsminister.
Verkehrsminister Peter Ramsauer © Tobias Schwarz/Reuters

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat vor einem Ansteigen der Fahrpreise der Deutschen Bahn gewarnt, falls sich Stuttgart und Baden-Württemberg nicht an den Mehrkosten für den umstrittenen Bahnhof Stuttgart 21 beteiligen. Bahnfahren dürfe nicht deshalb teurer werden, "weil sich ein einzelnes Land seiner Verantwortung entzieht", sagte der CSU-Politiker der Bild-Zeitung.

Die Kosten für das vor Jahrzehnten gemeinsam vereinbarte Bauprojekt müssten von Bahn, Land und Stadt gemeinsam getragen werden: "Baden-Württemberg darf seine Vertragspartner nicht im Regen stehen lassen", sagte der Minister.

Am Dienstag hatten die Bahn-Aufseher entschieden, dass das Tiefbahnhofprojekt in Stuttgart trotz Mehrkosten weitergebaut werden soll. Der Aufsichtsrat hatte dabei einer Erhöhung des Kostenrahmens von 4,5 auf 6,5 Milliarden Euro zugestimmt.

Der Konzern fordert seine Projektpartner – das Land Baden-Württemberg, die Stadt und die Region Stuttgart – auf, sich an den Mehrkosten zu beteiligen und will dies notfalls vor Gericht durchsetzen. Stadt und Land sind dazu bisher nicht bereit.

Auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), hält steigende Fahrpreise wegen Stuttgart 21 für wahrscheinlich. Die Bahn werde die Mehrkosten für den Stuttgarter Bahnhof "vielleicht nicht sofort, aber wenigstens mittelfristig auf die Tickets umlegen", sagte er.

"Andere Bahnhöfe verfallen lassen"

Nach Schätzungen des Bahnexperten Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin müssten die Bahnpreise rein rechnerisch um drei Prozent für die nächsten zehn Jahre steigen, um die Mehrkosten für Stuttgart 21 aufzufangen. Er rechne allerdings eher damit, dass die Bahn an der Infrastruktur sparen werde, statt die Preise zu erhöhen. "Das heißt, wir bauen Stuttgart, lassen aber andere Bahnhöfe verfallen", sagte Böttger.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner, forderte den Bund auf, einen Teil der zusätzlichen Kosten zu übernehmen. Obwohl Ramsauer sich stets für den Weiterbau stark gemacht habe, fehle nun ein Bekenntnis der Bundesregierung, sagte Kirchner der Frankfurter Rundschau. Alle Partner sollten sich an den Mehrkosten beteiligen.

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Kommentare

206 Kommentare Seite 1 von 30 Kommentieren

Ramsauer eine "rote Socke"?

Herr Ramsauer scheint in der Tiefe seines Herzens doch ein Kommunist zu sein. Er möchte nicht, dass die Bürger für die Leistung bezahlen, die sie benutzen (->Die Bahn soll ihre Kosten selber tragen), nein er scheint es zu bevorzugen, dass die Ausgaben auf alle Bürger verteilt werden, egal ob sie nun jemals die Bahn benutzen wollen oder nicht.

p.s. ich mag den Begriff rote socke nicht und würde ihn auch i.d.r. nicht verwenden.

So oder so wird's teurer.

Nickt.

So oder so wird's teurer. S21 muss irgendwie finanziert werden und am ende ist es so oder so immer jeder.

Einen Zug unter die Erde bringen, was "schlaueres" konnten einem da echt nicht einfallen.

Der Bürger bezahlt mehr, aber andere Bahnhöfe werden immer Maroder.

Wenn man auf einen ländlichen Bahnhof geht, sofern er noch aktiv ist, fragt man sich auch immer: Kommt hier echt noch ein Zug vorbei?

Okay.

Mein Fehler.
Aufteilung der Kosten finden Sie sicher im Vertrag, schätzungsweise §6 ff. , wie auch im Zitat angebracht wird.
Welche Mischkalkulationen die Bahn vornimmt, um die Kosten für sich zu minimieren, können Sie auch dem unserer Diskussion zugrundeliegenden Link zu den Kosten des Ausstiegs entnehmen, auch da finden Sie Kalkulationen, aus denen hervorgeht, dass eben die Bahn null auf null oder mit Gewinn aus dem Projekt rausgeht.
Ich habe bei dem Text nicht den Eindruck gehabt, das sei schlampig recherchiert.
Wenn Sie sich selbst die Mühe machen wollen, bitte gerne :-).