Demonstrationen in Zypern richten sich auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel © barbara Laborde/AFP/Getty Images

Politiker der Euro-Zone kämpfen um Vertrauen und den Zusammenhalt der Währungsunion, denn die Kritik am Krisenmanagement und am Rettungspaket für Zypern reißt nicht ab: Befürchtet wird unter anderem, dass Zypern als Modell für andere Staaten dienen könnte. Reiche Sparer werden dort an der Rettung der angeschlagenen Banken beteiligt. Für Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem ist das vorbildhaft. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sprach hingegen von einem "künstlichen Modell", das Vorrang vor der Realwirtschaft erhalten habe und nicht als Modell für andere Krisenländer gelten dürfe.

Führende Politiker der Unionsfraktion im Bundestag sprachen sich dagegen aus, das Modell auf andere Staaten zu übertragen. Der haushaltspolitische Sprecher Norbert Barthle sagte der Rheinischen Post, er habe dahingehend "größte Bedenken". Ein solches Vorgehen "könnte das Bankensystem in Europa nicht verkraften". Auch der stellvertretende Fraktionschef Michael Meister sagte, Zypern sei ein Spezialfall, da es sich nicht um eine einzelne Bank, sondern um einen übergroßen Bankensektor handele, der umstrukturiert werden müsse.

Frankreichs Präsident François Hollande und Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy versuchten ebenfalls, Bedenken aus dem Weg zu räumen: Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz sagten sie, Zypern sei ein außergewöhnlicher und einzigartiger Fall, die Garantie von Bankeinlagen müsse ein unumstößliches Prinzip sein.

Wieder Proteste in Nikosia

Die EU-Finanzminister hatten milliardenschwere Hilfen für Zypern am Montag genehmigt. Teil der Einigung ist, dass vermögende Bankkunden einen Sanierungsbeitrag leisten müssen. Bei Einlagen von mehr als 100.000 Euro bei der marktführenden Bank of Cyprus ist eine Zwangsabgabe von rund einem Drittel vorgesehen. Zugleich soll der Bankensektor des Landes umstrukturiert werden.

Am Donnerstag sollen in Zypern die Banken wieder öffnen. Um einer Kapitalflucht vorzubeugen, sind Abhebungen aber auf 100 Euro pro Tag begrenzt. Am Dienstag demonstrierten in der Hauptstadt Nikosia wieder zahlreiche Menschen gegen das Rettungspaket, unter ihnen Schüler und Bankangestellte. Ihr Ärger richtet sich besonders gegen Deutschland, das für den harten Kurs verantwortlich gemacht wird. So wurden deutsche Politiker von Demonstranten mit Nazis verglichen.

Deutschland wehrt sich gegen "ungerechtfertigte Vorwürfe"

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verlangte deswegen nun mehr Solidarität mit Deutschland in der Euro-Krise. Kommissionschef José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman van Rompuy forderte sie auf, Deutschland "gegen ungerechtfertigte Vorwürfe" zu verteidigen.

Auch Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker zeigte sich besorgt: Er sagte, nun aufkommende Nationalismen und Ressentiments zeigten, "wie fragil die europäische Konstruktion trotz der Erfolge der vergangenen Jahrzehnte ist". Er habe "immer vermutet, dass unter der Oberfläche noch vieles brodelt".

Fatale Signalwirkung für den Euro-Raum

Kritik am Rettungspaket für Zypern kommt auch von Wirtschaftsexperten: Peter Bofinger sagte, die Signalwirkung für den Euro-Raum sei fatal. Er sprach von einem "Aufruf an die Anleger, ihr Geld abzuziehen, sobald sich auch nur die geringsten Probleme bei ihrer Bank zeigen".

Der US-Ökonom Adam Posen prognostizierte in der Welt, dass Spanien oder Irland noch vor dem Jahresende Unterstützung aus dem Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank beantragen müssten. Die Wahrscheinlichkeit für einen Antrag eines der beiden Länder bezifferte er auf 80 Prozent.