Der Euro geht nach Ansicht von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestärkt aus der Zypern-Krise hervor. Schäuble sagte der Bild-Zeitung, der Euro sei heute stabiler als noch vor drei Jahren. "Die ganzen Turbulenzen haben eben nicht auf andere Länder Südeuropas ausgestrahlt." Das sei Anfang 2012 noch anders gewesen: Damals seien wegen der anstehenden Neuwahlen in Griechenland plötzlich die Zinsen für ganz Südeuropa in die Höhe geschnellt. "Auch die Finanzmärkte haben verstanden: Wir sind besser vorbereitet. Wir haben viel erreicht."

Bis jetzt sei alles viel besser gelaufen, als es Experten vorhergesagt hätten. "Wir werden in den Geschichtsbüchern lesen, dass diese Krise Europa noch stärker zusammengebracht hat", sagte Schäuble. Er wandte sich zugleich gegen Überlegungen, einige Länder aus der Währungsunion ausscheiden zu lassen. "Wichtiger ist, dass wir stark genug sind, alle im Boot zu halten."

In dem Rettungspaket für Zypern sieht Schäuble allerdings kein Vorbild für andere kriselnde Euro-Länder. "Zypern ist und bleibt ein spezieller Einzelfall."

Der Minister ging damit auf Gegenkurs zu Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem, der die Beteiligung der Bankkunden an der Zypern-Rettung als mögliches Vorbild für künftige Rettungsaktionen bezeichnet hatte – etwa in Spanien oder Italien. "Die Spareinlagen in Europa sind sicher", sagte Schäuble dazu. In Zypern seien die beiden großen Banken faktisch nicht mehr zahlungsfähig gewesen.

Haushaltsexperte sieht Bundestag zu wenig eingebunden

Zypern muss im Gegenzug für internationale Finanzhilfen seinen Bankensektor drastisch umstrukturieren und die zweitgrößte Bank des Landes abwickeln. Aktionäre, Gläubiger und Inhaber großer Bankguthaben werden vermutlich hohe Verluste hinnehmen müssen. Kunden der Bank of Cyprus beispielsweise, die mehr als 100.000 Euro auf ihren Konten haben, könnten oberhalb dieses geschützten Betrags im Extremfall 60 Prozent ihres Vermögens verlieren.

In einem ersten Schritt sollten Vermögende mit 37,5 Prozent ihrer Einlagen oberhalb der 100.000 Euro-Grenze zur Kasse gebeten werden, sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris am Samstag in Nikosia. Weitere 22.500 Euro könnten folgen. "Wir werden zusätzlich 22,5 Prozent sozusagen beiseite legen", sagte Sarris im zyprischen Fernsehen (RIK). Falls die Bank of Cyprus noch mehr Geld zur Rettung benötige, werde man auch diese 22,5 Prozent nehmen. Die Sparer sollen für ihre Verluste Aktien der Bank bekommen.

Dadurch sehen sich auch zahlreiche zyprische Unternehmer geschädigt. Große Teile der Spareinlagen würden sich "in Luft auflösen", schimpfte der Hotelier Giannis Sophokleous aus Nikosia. Zahlreiche kleinere Unternehmer hätten bereits Angestellte entlassen. Andere würden neue Arbeitsverträge mit ihren Angestellten aushandeln – mit 30 Prozent weniger Lohn, wie es in Kreisen des Händler- und Kleinunternehmer-Verbandes Zyperns hieß. Viele Betriebe seien bereits ruiniert, berichteten zyprische Medien am Samstag. Offizielle Daten dazu gibt es freilich noch nicht.

Noch schlimmer als für die Kunden der Bank of Cyprus ist die Situation für die Sparer der zweitgrößten Bank, der Laiki Bank (Volksbank). Diese soll gespalten werden. Nur Geldeinlagen bis 100.000 Euro werden gerettet. Diese gehen an die gesunde Bank, die von der Bank of Cyprus übernommen wird. Der Rest geht an eine sogenannte Bad Bank. Die Sparer können nur hoffen, dass sie in der Zukunft einen Teil ihres Geldes zurückbekommen.

Kritik an mangelnder Einbeziehung des Bundestags

Die Euro-Gruppe hatte sich am 24. März auf die Eckpunkte der Zypern-Hilfe geeinigt. Nach Ansicht des Unionshaushaltsexperten Klaus-Peter Willsch (CDU) war der Bundestag bei der Abstimmung über die Rettung nicht ausreichend eingebunden. Das Parlament müsse zweimal über den Plan abstimmen und nicht, wie nun vorgesehen, nur einmal. "Die nur einmalige Beteiligung des Parlaments ist ein ungeheuerlicher Vorgang", sagte er. Das zweistufige Verfahren sei im Gesetz zum Euro-Rettungsfonds ESM klar festgeschrieben.

Nach der Entscheidung der Euro-Gruppe hatten Bundesregierung und Opposition vor Ostern auf eine Sondersitzung zur Zypern-Rettung verzichtet. Der Bundestag stimmt voraussichtlich in der dritten Aprilwoche ab. Es wird eine breite Mehrheit aus Regierungskoalition, SPD und Grünen erwartet.