Managervergütung: EU will die Schweiz zum Vorbild machen
Binnenmarktkommissar Barnier will, dass Aktionäre EU-weit über Managerbezüge abstimmen. Erste Staaten signalisierten Interesse. Die Wirtschaft aber fürchtet Nachteile.
© Laurent Gillieron/dpa

Nestle-Chef Paul Bulcke – sein Gehalt steht künftig auch unter Kontrolle der Aktionäre.
Das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung über die Begrenzung von Managergehältern ist auch im Ausland auf Aufmerksamkeit gestoßen. Die EU-Kommission kündigte eine ähnliche Gesetzesinitiative an. Bis Jahresende werde EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier einen Vorschlag dazu vorlegen, sagte dessen Sprecher. "Unser Vorschlag basiert ebenfalls auf einem verpflichtenden Beschluss [der Aktionäre], wie er gestern in der Schweiz angenommen wurde."
Auch in der EU müssten die Aktionäre die Verantwortung für die Vergütung tragen. Zudem gehe es darum, mehr Transparenz zu schaffen "bei individuellen Vergütungen, vor allem bei Top-Gehältern. Der Vorschlag würde alle börsennotierten Unternehmen umfassen. Erst in der vergangenen Woche hatten sich Europaparlament, EU-Kommission und EU-Staaten auf einen Kompromiss zur Begrenzung von Bonuszahlungen geeinigt.
Barnier hat bereits erste Unterstützer. Die Bundesregierung hält das Votum für einen "interessanten Vorstoß", wie ein Regierungssprecher sagte. "Es lohnt sich sicherlich, diesen Schweizer Ansatz genauer unter die Lupe zu nehmen." Auch Bundespolitiker von Koalition und SPD äußerten sich positiv. Koalitionsvertreter hoben eher die gestärkte Entscheidungsbefugnis der Aktionäre hervor, die Opposition lobte den Entscheid als "Mittel gegen Gehaltsexzesse".
Schweizer Unternehmen in Sorge
Frankreich äußerte sich ebenfalls interessiert. Regierungschef Jean-Marc Ayrault sagte, es gelte, sich von der Volksabstimmung "inspirieren" zu lassen.
68 Prozent der Schweizer Wähler hatten sich am Wochenende für die "Volksinitiative gegen die Abzockerei" ausgesprochen. In Zukunft stimmen nun die Aktionäre börsennotierter Unternehmen jedes Jahr über die Vergütung von Verwaltungsräten und Geschäftsführung ab. Bisher war das Sache der Verwaltungsräte. Antritts- und Abgangszahlungen werden verboten. Bei Verstößen drohen Managern hohe Geldbußen und Freiheitsstrafen.
Schweizer Unternehmen äußerten sich besorgt. Das künftige Prozedere könnte dazu führen, dass eine Firma einen Spitzenmanager zwar anwerben kann, ihm seine Vergütung aber nicht wie bisher vertraglich zusichern. Topkräfte könnten in andere Länder abwandern, lautet die Kritik.
"Keine gute Entwicklung"
Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse etwa sieht in dem Abstimmungsergebnis ein "negatives Signal für den Wirtschaftsstandort Schweiz". Vor allem Spitzenmanager aus dem Ausland dürften es sich nun zweimal überlegen, ob sie bei einem Schweizer Konzern anheuern, hieß es. Der Verband hatte Millionen investiert, um mit einer Kampagne gegen die sogenannte Abzocker-Initiative anzukämpfen.
"Es ist keine gute Entwicklung, wenn sie einen Menschen anstellen wollen und ihm aber nicht sagen können, wie viel er verdienen wird", sagte der Präsident des internationalen Speditionskonzerns Kühne+Nagel, Karl Gernandt. "Die Schweiz hat sich da in eine fundamental nachteilige Situation gebracht." Auch die Führung des Standortvermarkters Greater Zurich Area befürchtet, dass börsennotierte Unternehmen abwandern.
In der Schweiz kommen viele Führungskräfte der großen, international ausgerichteten Unternehmen aus dem Ausland. So sind die Chefs von ABB, Credit Suisse, Nestle, Novartis, Roche und Swiss Re keine Schweizer.
Keinen Handlungsbedarf
Skeptisch ist auch die deutsche Industrie: Die Unternehmenspraxis sei im Vergleich mit der Schweiz zu unterschiedlich, die Sensibilität der Verantwortlichen bereits ausgeprägt. "In Deutschland besteht kein Bedarf für eine gesetzliche Neuregulierung", sagte Heiko Willems, Leiter der Abteilung Recht und Versicherung des Bundesverbands der deutschen Industrie BDI. Zudem seien die Gehälter der Vorstände im Schnitt niedriger. Bisher entscheidet in Deutschland der Aufsichtsrat über Vorstandsgehälter.
Ob die Sorgen der Schweizer Wirtschaft begründet sind, muss sich noch zeigen: Die Aktionäre vieler Schweizer Großfirmen sind zu großen Teilen ausländische Investoren. Ob Fondsmanager aus London oder den USA die Frage der Managergehälter genauso sehen wie Schweizer Wähler, die meistens Kleinaktionäre sind, bleibt abzuwarten. Fachleute führen an, Manager erhielten in der Schweiz noch immer mehr Geld als anderswo. Für Führungskräfte spielten außerdem Faktoren wie Lebensqualität, Stabilität oder geringe Steuern eine wichtige Rolle.





Das fällt der EU nach der Schweiz und 5 Jahre nach dem fast Finanzkollaps der Welt ein?
Ich fühl mich komischer weise kein bischen besser.
Wie sieht das denn mit der versprochenen Bankenaufsicht aus?
Sie sollten sich besser informieren. Die Eu will schon seit Jahren an die Boni von "Managern".
Es gab bisher aber natürlich jedemenge Gegenwind, vorallem aus Gb. Dort wird schon seit Jahren gewettert, dass bei einer Beschneidung der Boni von Topmanagern in Banken, die guten Leute dann z.B. in die Schweiz abwandern. So ein Pech das die Schweiz das seit gestern wohl etwas anders sieht. :D
Banken waren nicht wegen der Gehälter am Abgrund.
Sie sollten sich besser informieren. Die Eu will schon seit Jahren an die Boni von "Managern".
Es gab bisher aber natürlich jedemenge Gegenwind, vorallem aus Gb. Dort wird schon seit Jahren gewettert, dass bei einer Beschneidung der Boni von Topmanagern in Banken, die guten Leute dann z.B. in die Schweiz abwandern. So ein Pech das die Schweiz das seit gestern wohl etwas anders sieht. :D
Banken waren nicht wegen der Gehälter am Abgrund.
klar sehen sie Nachteile. Nachteile für sich.
Wobei die Wirtschaft ein sehr weiter Begriff ist und sich nicht auf managergeführte Aktiengesellschaften beschränkt.
Ich denke , es gibt einige Unternehmer, die damit keinerlei Probleme haben. Eigentlich trifft es doch nur eine überschaubare Zahl überbezahlter Angestellter.
Wobei die Wirtschaft ein sehr weiter Begriff ist und sich nicht auf managergeführte Aktiengesellschaften beschränkt.
Ich denke , es gibt einige Unternehmer, die damit keinerlei Probleme haben. Eigentlich trifft es doch nur eine überschaubare Zahl überbezahlter Angestellter.
sehr viel länger zum Vorbild genommen hätte. Womöglich hätten wir heute weder das Desaster rund um den Euro noch die Problematik mit den Armutsflüchtlingen aus den "EU-Ländern" Rumänien und Bulgarien.
keinen Handlungsbedarf sieht.
Auch wenn sie nicht die Höhe der Schweizer Vergütungen erreicht, haben die meisten doch ihren Rentenvertrag in der Tasche. Wo sonst wird man noch mit Millionenbeträgen abgefunden, wenn man Mist baut.
Hier haben sich unsere Manager ein schönes Nest gebaut.
Wo hier der Anreiz für nachhaltige Entscheidungen sein soll, das wissen einzig und allein diese Damen und Herren.
Im übrigen wird deswegen bei uns Hauptsächlich Wettbewerb über die Löhne gemacht. Innovation ist doch nur noch ein Fremdwort.
Ja jetzt ist es die gute Schweiz der SVP (Schweizer VolksPartei).
Dieser Linkspopulismus ist ja fast schon ätzend. Jetzt erwachen Sie alle, dabei sind die Schweizer am Sonntag nicht aufgewacht und haben spontan eine Volksentscheid aus langeweile abgehalten.
So weltbewegend war der Entscheid nicht den er betrifft Aktionäre. Was in der EU wichtiger wäre wäre das Thema "Haftung".
Die EU sollte lieber die Schweiz beim Thema Volksbefragungen zum Vorbild nehmen. Vierleicht würde dieses Gebilde dann irgentwann den Gestank eines autokratischen, Lobbyverseuchtem Projekt der Eliten loswerden. Referenden sind nicht bei jedem Thema das richtige Mittel. Allerdings gibt es Themen, die so tief in die Souveränität der Mitgliedsländer eingreifen, dass nur ein Volksbegehren demokratische Legitimation erreichen kann.
EU, Bundesregierung und Opposition finden das Ergebnis eines Volksentscheids gut, halten dieses politische Mittel aber den Bürgern vor.
EU, Bundesregierung und Opposition finden das Ergebnis eines Volksentscheids gut, halten dieses politische Mittel aber den Bürgern vor.
"Wenn wir weniger zahlen, finden wir kein gutes Personal mehr"
Dieses alte Argument wird von Wirtschafts-Lobbyisten immer wieder erfolgreich entstaubt.
Das Beispiel von Pep Guardiola, der nach Bayern München geht obwohl andere mehr bezahlen würden, zeigt: Die wirklichen Top-Leute gehen dahin, wo die Arbeits- und Rahmenbedigungen stimmen, nicht wo das Portemonnaie am meisten geöffnet ist. Natürlich sollte die Entlohnung angemessen hoch sein, aber wenn man ein Vielfaches eines Bundeskanzlers verdient und noch rummeckert, dann ist das Weinerlichkeit auf hohem Niveau.
Wenn wir die, die nur wegen dem Geld kommen, ans Ausland verlieren, ist das mMn eine Bereicherung für Deutschland.
Für das 12x des Gehalts des Zeugwarts wäre er aber vermutlich nicht gekommen... Im Übrigen sind bei dem Schweizer Volksentscheid lediglich die Eigentümerrechte gestärkt worden, so daß abzuwarten ist, welche praktischen Auswirkungen diese Regelung hat.
Für das 12x des Gehalts des Zeugwarts wäre er aber vermutlich nicht gekommen... Im Übrigen sind bei dem Schweizer Volksentscheid lediglich die Eigentümerrechte gestärkt worden, so daß abzuwarten ist, welche praktischen Auswirkungen diese Regelung hat.
hätte ich ja nicht wirklich erwartet, zum Glück gibts Schlupflöcher jeglicher Art oder es steht eben ein Umzug in einen Mikrostaat bevor...
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