Managergehälter : Politiker sehen Schweizer Votum als Vorbild für Deutschland

Das Ja der Schweizer zur Begrenzung der Managergehälter hat auch in Deutschland eine Debatte ausgelöst. Aus allen Parteien kommt Lob – Wirtschaftsexperten sind skeptisch.
Thomas Minder, der Gründer der Schweizer Initiative "Gegen Abzockerei" © Michael Buholzer/Reuters

Nach dem Schweizer Votum gegen überzogene Millionenvergütungen für Spitzenmanager fordern auch deutsche Politiker eine Diskussion über Gehaltsgrenzen. "Der Volksentscheid ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um der Abzockerei im Management auch andernorts zu begegnen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß. "Das Resultat sollte als Ermutigung für die Einführung der europäischen Richtlinie verstanden werden."

Zwar könne die Entwicklung in der Schweiz nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen werden, sagte Poß. Aber es gehe um den Grundsatz: "Die Menschen akzeptieren dieses perverse Boni-System nicht nur bei Banken, sondern auch in der Realwirtschaft nicht mehr."

Auch der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs äußerte sich positiv über die Schweizer Initiative. "Gehaltsentscheidungen der Unternehmen werden so von den Eigentümern, nicht vom Staat getroffen", sagte Fuchs. "Die Aktionäre wissen genau, was sie sich leisten können."

"Vorbild gegen die Gehaltsexzesse in der Finanzbranche"

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, die Schweiz werde "zum Vorbild gegen die Gehaltsexzesse in der Finanzbranche". Auch in Deutschland müssten "schärfere Regeln" eingeführt werden. Auch die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht forderte Deutschland zum Handeln auf. Deutschland sei "ein Paradies für völlig überdrehte Managergehälter, die das Leistungsprinzip untergraben".

Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner kritisierte die von der Deutschen Bank gezahlten Millionen-Provisionen für Banker. "Grenzen für die Freiheit zieht nicht nur das Gesetz, sondern auch das Verantwortungsgefühl. Man sollte für in Freiheit getroffene Entscheidungen Gründe angeben können, die vor Moral, Vernunft und Gemeinwohl Bestand haben", sagte Lindner.

Wirtschaftsexperten halten Regulierung für falsch

Der Wirtschaftsexperte Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln begrüßte zwar die öffentliche Debatte. "Aber statt mehr Gesetzen brauchen wir mehr Aufsichtsräte und Vorstände, die selbst Verantwortung übernehmen", sagte Hüther.

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, sagte, er halte Eingriffe von außen bei den Managergehältern für falsch. "Aus meiner Sicht müssen sich sowohl der Gesetzgeber wie auch die Öffentlichkeit aus der Lohnfindung in einzelnen privaten Betrieben völlig raushalten", sagte der Ökonom, der selbst Schweizer ist.

Bei dem Schweizer Referendum "Volksinitiative gegen die Abzockerei" stimmten laut amtlichem Ergebnis 67,9 Prozent der Teilnehmer (1.615.720 Stimmen) mit Ja. Die Beteiligung lag bei rund 46 Prozent. Die Initiative will erreichen, dass künftig die Aktionäre eines Unternehmens über die Gehälter an der Spitze entscheiden. Verstöße können mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und hohen Geldstrafen geahndet werden. Bevor die Regelung in Kraft tritt, muss die Regierung einen entsprechenden Gesetzentwurf formulieren und dem Parlament vorlegen. Es ist möglich, dass es Gegnern der Initiative im Parlament gelingt, die Regeln noch abzuschwächen und mit Ausnahmen zu versehen.

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Kommentare

102 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Primat der Politik?

Das wird immmer wieder gefordert. Man will den "Raubtier-Kapitalismus" zähmen,(Jean Ziegler) soziale, nein, universelle Gerechtigkeit herstellen, Chancengleichheit bei der Bildung, etc, etc. Das alles sind hehre Ziele. Jeder, der seiner Sinne mächtig ist, wird sich hüten, diese in Frage zu stellen. Bei diesen Forderungen handelt sich um den Kern einer menschlichen Utopie, deren Umsetzung in der gedachten Form nie gelingen wird. Das alles ist sehr, sehr kompliziert. Der Wunsch war schon immer der Vater aller positiven Gedanken. Ich wage die These aufzustellen, dass die gesellschaftliche und soziale Position, bzw Situation, des Bürgers in Deutschland, in der Schweiz, BeNeLux, Skandinavien, Österreich, aktuell den maximalen Möglichkeiten entspricht, welche ein freiheitliches System überhaupt bieten kann. Alles andere geht Richtung Illusionen. Das wirkliche, bzw. alleinige Primat der Politik war noch nie hilfreich. Die Geschichte ist nicht arm an Beispielen.

Haltet den Staat da raus!!

Die Schweizer haben sich mit dieser Abstimmung sicher keinen Gefallen getan. Denn die Auswirkung ist eine staatliche Deckelung der Einkommen in privaten Unternehmen. Was hat der Staat - oder in diesem Fall die Bevölkerung, da mit hineinzureden bzw. Vorschtiften zu machen, wenn Unternehmen bereit sind, bestimmte Zahlungen an Mitarbeiter zu leisten? Das sind private Geschäfte, die die Öffentlichkeit aber auch rein gar nichts anzugehen haben.

Wenn hier etwas geändert wird, sollten das die Besitzer, die Aktionäre also, festlegen. Aber wenn die bereit sind, ihre Dividenden durch solche Zahlungen selbst zu kürzen, ist das deren Privatangelegenheit, die niemanden zu interessieren hat.

Ich bin gespannt, ob die Schweizer Unternehmen das so hinnehmen - oder mit dieser Causa ihr Bundesgericht anrufen werden.

Sicher, in dem zugrunde liegenden Fall gab es eine Übertreibung, die ethisch eigentlich nicht zu vertreten ist - wie bei dem Händler der Deutschen Bank, der sich 80 Mio Euro einsäckelte - vornehmlich aus dem Liborbetrug.

Normalerweise sollte die Geschäftsführung bzw. der Vorstand soviel Fingerspitzengefühl besitzen, derartige Ausreißer einfach zu verhindern. Wer gut und effektiv arbeitet, soll auch gut verdienen.

Grundsätzlich: Statt die Gehälter und Sonderzahlungen zu monieren, sollte man lieber die Geschäftspraktiken vieler Unternehmen hinterfragen, die solche Auswüchse erst möglich machen.

Genau das ist auch meine Meinung

Nur Diktatoren schaffen es über einen mehr oder weniger langen Zeitraum, das Primat der Politik zum Dogma zu erheben; mit grauenhaften Folgen. Im Kreis von Stalin, Hitler, Kaiser Hirohito, war Benito Mussolini der harmloseste Despot, (Clown?) Dieser konnte 1943 immerhin vom Grossen faschistischen Rat abgesetzt und vom damaligen Staatsoberhaupt, König Viktor Emanuel III, ordnungsgemäss entlassen werden. Ein eigentlich in einer Diktatur nicht vorgesehener Vorgang. Heute werden die "Superreichen" zu den neuen Diktatoren hochstilisiert. Diese Einschätzung greift zu kurz. Theoretisch könnte man die "neuen Diktatoren" mit dem Instrument "Primat der Politik" entmachten. Die Freude der Schwachen würde nur kurz währen und sehr schnell der Ernüchterung weichen.

richtig

deshalb sollten die Leistungsträger auch in Länder wie die USA auswandern.
Gut: auch dort gibt es für Leistungsträger Billiglöhner die die Arbeit erledigen.

Blöd: dort gibt es keinen riesigen staatlichen oder staatliche reglementierten sektor oder Gebührengarantien für Freiberufler und sonstige bereiche zum Ausplündern oder subventionen kassieren (es sei denn man riskiert an der Front sein Leben).

Viel Erfolg allen Leistungsträgern in den USA !

Bitte nicht!

Bitte keine Volksabstimmungen in Deutschland!

Warum? Sie sind das Beste Beispiel gerade. Es geht nicht um eine Begrenzung der Managergehälter, sondern dass diese von den Shareholdern abgesegnet werden muss.

Solange man sich nicht selbst informiert, sollte man also bitte auch über nix abstimmen oder Volksabstimmungen werden sonst von manipulativem Journalismus und damit den Verlagen gesteuert.

Mein Empfinden

Meiner Ansicht nach halte ich Frau Merkel, die sich 18 Stunden am Tag mit Weltpolitik beschaeftigt, wesentlich qualifizierter als mich, der drei Stunden am Tag Zeitung liest und vielleicht zwei/drei reflektierende Gespraeche in der Woche mit Kollegen oder Freunden ueber derartige Themen fuehrt. Und damit zaehle ich wahrscheinlich noch zu den eher motivierteren Menschen bezueglich Selbstinformation.