Im Streit um die Übernahme von Mehrkosten bei dem Projekt Stuttgart 21 kann die Bahn nach Einschätzung von Konzernchef Rüdiger Grube erst in drei bis vier Jahren klagen. Sollte es tatsächlich hart auf hart kommen, könnten die Voraussetzungen "frühestens 2016 oder 2017" erreicht sein, sagte Grube der Stuttgarter Zeitung Sonntag Aktuell.

"Ich will keine härtere Gangart einschlagen und will keinen Streit, aber ich kann als Vorstandsvorsitzender einer Aktiengesellschaft auch nichts verschenken", sagte Grube. Der unterirdische Bahnhof soll nun bis zu 6,5 Milliarden Euro kosten und damit etwa zwei Milliarden Euro mehr als zuletzt geplant.

Die Bahn will einen Teil der Mehrkosten selbst übernehmen, weitere Risiken will sie mit dem Land Baden-Württemberg, der Stadt und der Region Stuttgart teilen. Stadt und Land lehnen das ab. Die Bahn will deshalb vor Gericht gegen sie für eine weitere Kostenübernahme klagen. Die Projekt-Gegner fordern ein Ende des Bauvorhabens.

"Phase der Unsicherheit ist vorbei"

Nachdem der Bahn-Aufsichtsrat am Dienstag der Ausweitung des Finanzrahmens zugestimmt und so den Weiterbau ermöglicht hatte, sei die Phase der Unsicherheit vorbei, sagte Grube. Jetzt hoffe er auf eine gute Zusammenarbeit mit den Projektpartnern. "Wir reichen allen Projektpartnern in Baden-Württemberg bewusst die Hand für eine bessere Zusammenarbeit", sagte er. "Auch den Bürgern, die uns bisher kritisch begleitet haben."

Grube habe sich vorgenommen, das Vertrauen der Bürger Stück für Stück zurückzugewinnen. "Damit die Bürger wieder sagen: Wir glauben der Bahn. Das ist mein Anspruch, mein Ziel."

Indirekt warnte er davor, Stuttgart 21 zum Thema im Bundestagswahlkampf zu machen. "Ich habe den Parteien keine Empfehlungen für ihre Wahlkämpfe zu geben", sagte er. Unnötige Verzögerungen verteuerten aber das Projekt. "Jeder Tag, an dem auf der Baustelle nichts passiert, kostet Geld. Das kann doch kein politisches Ziel sein." Bei der politischen Aufladung des Projekts sei das "erträgliche Maß mit Sicherheit überschritten".