AktienAmerikas unheimlicher Börsenaufschwung

Die Börsenkurse in den USA steigen und steigen. Ökonomen wie Robert Shiller warnen: Wer jetzt am Boom verdienen will, könnte der Dumme sein. Von Kim Bode, New York von Kim Bode

Händler an der New Yorker Börse

Händler an der New Yorker Börse  |  © Brendan McDermid/Reuters

Sucker's Rally, so nennen Börsenhändler einen Aktienboom, der vor allem unerfahrene Anleger anlockt. Eine "Aufholjagd der Trottel": Wenn die Blase platzt, müssen vor allem Laien, die zu spät eingestiegen sind, Verluste in ihrem Aktiendepot hinnehmen.

Die USA könnten eine solche Aufholjagd gerade erleben. Am Dienstag schloss der Dow Jones bei 14.450 Punkten. Es war der sechste Rekordtag in Folge. Seit dem Tiefstand während der Finanzkrise hat der Index sich mehr als verdoppelt. Einen vergleichbaren Anstieg an den amerikanischen Börsen hat es bisher erst zwei Mal gegeben: während des Internet-Booms in den späten 1990er Jahren und Anfang der achtziger Jahre, als der republikanische Präsident Ronald Reagan seine Wirtschaftsreformen durchsetzte.

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Kann denn das wahr sein? Die Börsen boomen – obwohl die Politik in Washington erst vor wenigen Wochen Zwangssparmaßnahmen in Milliardenhöhe in Kraft gesetzt hat und sich die Wirtschaft nur schleppend erholt. Die Entwicklung der Aktienkurse scheint auf den ersten Blick nicht zur ökonomischen Lage des Landes zu passen. Viele Anleger erinnern sich noch an die beiden jüngsten Spekulationsblasen: den Dotcom-Crash im Jahr 2000 und den Zusammenbruch des Immobilienmarktes im Jahr 2008.

"Dieser Aufschwung sieht schon so aus, als könnte er schnell ins Gegenteil umschlagen", sagt Robert Shiller, Verhaltensökonom an der US-Universität Yale. Als einer der wenigen Ökonomen hatte er die beiden vergangenen Blasen fast punktgenau vorhergesagt. Vor allem die Geschwindigkeit des Wachstums sei heute ähnlich, sagt Shiller. 

Überreaktion der Märkte

Laut Shiller ist der Kursanstieg eine Überreaktion der Märkte auf starke Unternehmenszahlen. Apple erlöste etwa einen Gewinn von 13,1 Milliarden Dollar – allein im vierten Quartal 2012. "Die Menschen sind beeindruckt von den enormen Gewinnen", sagt Shiller. "Dabei unterschätzen sie allerdings, wie unbeständig diese Zahlen sein können." Er warnt vor Risiken: Amerikas Schuldenprobleme und der Haushaltsstreit im Kongress, Krisen in Europa, Asien und im Nahen Osten – all das könnte das Vertrauen der Anleger erschüttern.

Auch die lockere Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve befördert den Boom. "Die monetären Schmerzmittel haben die gewünschten finanziellen Effekte", schreibt der Chefanalyst von Barclays, Simon Hayes. "Aber die Anzeichen für Erfolge in der Realwirtschaft sind nach wie vor unbeständig und der Gegenwind bleibt stark."

Leserkommentare
  1. Um kein Trottel zu sein, sollte man seine Stärken und Schwächen kennen. Wenn man diese nicht kennt oder missachtet wird man zum Trottel.

    2 Leserempfehlungen
  2. http://de.wikipedia.org/w...

    Viel zu viel billiges Geld, keine Renditen mehr, keine Anlage-Alternativen zu Aktien ......

    - was sagt eine Arbeitskollegin dazu immer schön trocken?
    Ach ja: "first world problems".

    Interessanterweise sind auch nur bestenfalls 20% der "first world" von diesem "Problem" betroffen - der Rest verfügt ja überhaupt gar nicht erst über nennenswerten Ersparnisse, wo man sich den Kopf über "Anlagestrategien" zerbrechen müsste.

    Ich frage mich gerade, wie sich ein Land mit "Leitmedien" gänzlich ohne "Börsen-Nachrichten" auf den Happyness-Index auswirken würden ...

    10 Leserempfehlungen
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    Wenn es denn so wäre!

    Eine lockere Geldpolitik stand bereits am Anfang jener v.a. US-amerikanischen Immobilienblase, die uns eine bisher fünf Jahre andauernde Weltwirtschaftskrise beschert hat.
    Es erstaunt somit nicht wirklich, dass in unserem heutigen Umfeld mit ultra-expansiver Geldpolitik sich bereits die nächsten Blasen am Horizont abzeichnen.

    Die Wirtschaftsprobleme der ersten Welt sind aber immer auch die der dritten Welt, vor allem die der Ärmsten der Armen:

    "Die Weltbank sieht auf 129 Entwicklungsländer in diesem Jahr [2009] als Folge der Finanzkrise ein Finanzierungsdefizit von insgesamt 270 bis 700 Milliarden US-Dollar zukommen. Nur ein Viertel dieser Länder verfüge über genügend Ressourcen einen Anstieg der Armut zu verhindern" ... "Die Finanzkrise werde langfristige Folgen für die Entwicklungsländer haben, so die Weltbank. Die Begebung von Anleihen in Ländern mit hohem Einkommen werde dramatisch anwachsen und viele Entwicklungsländer vom Kapitalzufluss abschneiden. Diejenigen, die noch Zugang zum Finanzmarkt hätten, müssten mit höheren Kreditzinsen rechnen." ... "Ein Folge ist nach Darstellung der Weltbank, dass immer mehr arme Länder von Entwicklungshilfe abhängig werden. Die Geberländer hätten aber 39 Milliarden Dollar weniger Hilfe bereitgestellt..." http://www.epo.de/index.p...

    First world problems können so sehr schnell auch zu third world problems werden.

  3. ... die Inflationsraten zum bisherigen Höchstand hinzu, dann ist man noch weit entfernt von einem tatsächlichen neuen Höchstand.

    Noch eine etwas menschliche Anmerkung: Nicht nur Märkte auch der Mensch im Allgemeinen tendiert hie und da zu Übertreibungen. Aber auf Dauer gesehen, gleichen sich die Dinge dann doch meistens wieder aus - sowohl bei den Märkten wie auch bei den Menschen.

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    ... wenn die Experten empfehlen, nicht einzusteigen, so sollte sich genau dies eigentlich lohnen!

  4. ... wenn die Experten empfehlen, nicht einzusteigen, so sollte sich genau dies eigentlich lohnen!

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    Zur Erinnerung: Das heißt heutzutage "Experten und Expertinnen"

    • Otto2
    • 13. März 2013 17:15 Uhr

    Mit freundlichen Grüßen
    Otto2

  5. ... ich habe vergessen, "Experten" in Anführungszeichen zu setzen, Entschuldigung ;-)

  6. ... der sollte sein Geld lieber unter die Matratze stecken. Aktien sind nämlich kein Glücksspiel, sondern Anteile an einer Firma.

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    wieder einmal sehr gut an Facebook

    Die urspruengliche Rolle der Aktien als Unternehmens-Anteile die dann ueber Jahrzehnte hinweg zu Dividenden Zahlungen an die Aktionaere fuehrten ist leider in den Hintergrund getreten. Wuerden Unternehmen allein an dem gemessen was sie an Dividenden ausschuetten waere die Beliebtheit mancher Aktien viel hoeher (und anderer viel niedriger). Aber im Zeitalter des Millisekunden Handels durch Computerprogramme, speilt das alles keine Rolle mehr. Da ist es dann doch hauptsaechlich Gluecksspiel.

  7. Aufblasen und platzen lassen, das ist nur das neueste Kapitel im dem Spiel.. Die virtuelle Finanzwirtschaft gewinnt dabei immer, ob es aufwaerts oder abwaerts geht. Nur der sogenannte kleine Anleger (Mittelklasse) guckt immer wieder in die heisse Luft.

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  8. wieder einmal sehr gut an Facebook

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  • Schlagworte Dow Jones | Aktiengesellschaft | Aktienmarkt | Barclays | Börse | Geldpolitik
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