Sucker's Rally, so nennen Börsenhändler einen Aktienboom, der vor allem unerfahrene Anleger anlockt. Eine "Aufholjagd der Trottel": Wenn die Blase platzt, müssen vor allem Laien, die zu spät eingestiegen sind, Verluste in ihrem Aktiendepot hinnehmen.

Die USA könnten eine solche Aufholjagd gerade erleben. Am Dienstag schloss der Dow Jones bei 14.450 Punkten. Es war der sechste Rekordtag in Folge. Seit dem Tiefstand während der Finanzkrise hat der Index sich mehr als verdoppelt. Einen vergleichbaren Anstieg an den amerikanischen Börsen hat es bisher erst zwei Mal gegeben: während des Internet-Booms in den späten 1990er Jahren und Anfang der achtziger Jahre, als der republikanische Präsident Ronald Reagan seine Wirtschaftsreformen durchsetzte.

Kann denn das wahr sein? Die Börsen boomen – obwohl die Politik in Washington erst vor wenigen Wochen Zwangssparmaßnahmen in Milliardenhöhe in Kraft gesetzt hat und sich die Wirtschaft nur schleppend erholt. Die Entwicklung der Aktienkurse scheint auf den ersten Blick nicht zur ökonomischen Lage des Landes zu passen. Viele Anleger erinnern sich noch an die beiden jüngsten Spekulationsblasen: den Dotcom-Crash im Jahr 2000 und den Zusammenbruch des Immobilienmarktes im Jahr 2008.

"Dieser Aufschwung sieht schon so aus, als könnte er schnell ins Gegenteil umschlagen", sagt Robert Shiller, Verhaltensökonom an der US-Universität Yale. Als einer der wenigen Ökonomen hatte er die beiden vergangenen Blasen fast punktgenau vorhergesagt. Vor allem die Geschwindigkeit des Wachstums sei heute ähnlich, sagt Shiller. 

Überreaktion der Märkte

Laut Shiller ist der Kursanstieg eine Überreaktion der Märkte auf starke Unternehmenszahlen. Apple erlöste etwa einen Gewinn von 13,1 Milliarden Dollar – allein im vierten Quartal 2012. "Die Menschen sind beeindruckt von den enormen Gewinnen", sagt Shiller. "Dabei unterschätzen sie allerdings, wie unbeständig diese Zahlen sein können." Er warnt vor Risiken: Amerikas Schuldenprobleme und der Haushaltsstreit im Kongress, Krisen in Europa, Asien und im Nahen Osten – all das könnte das Vertrauen der Anleger erschüttern.

Auch die lockere Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve befördert den Boom. "Die monetären Schmerzmittel haben die gewünschten finanziellen Effekte", schreibt der Chefanalyst von Barclays, Simon Hayes. "Aber die Anzeichen für Erfolge in der Realwirtschaft sind nach wie vor unbeständig und der Gegenwind bleibt stark."