Umfrage Euro-ZoneBundesbank hält Bericht über Vermögensverhältnisse zurück

Eine Umfrage in der Euro-Zone hat ein heikles Ergebnis erbracht: In einigen Krisenstaaten werden besonders große Vermögen gehortet. Große Ungleichheit wird auch deutlich.

Die Bundesregierung hat ihren Bericht zur Verteilung der Vermögen in Deutschland veröffentlicht – die Bundesbank zaudert, eine eigene Untersuchung freizugeben. Grund ist offenbar der Inhalt, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er gelte als "politisch zu brisant", da er zeige, dass in Ländern wie Deutschland und Österreich die Einkommen besonders ungleich verteilt sind. 

Auffällig ist laut dem Bericht auch, dass die Vermögen in Euro-Krisenländern größer sind als in einigen finanzstarken Ländern wie der Bundesrepublik. Dies sei zwar aus früheren Untersuchungen bekannt. Angesichts der Höhe der Vermögen in Defizitländern könnte es jedoch Kritik an der Haftungsübernahme zur Euro-Rettung geben.

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Die Fachleute ermittelten einen speziellen Durchschnittswert der privaten Vermögen, den sogenannten Medianwert, der im Gegensatz zum arithmetischen Mittel Ausreißerwerte nach oben und unten vermeidet. In Italien liegt er bei 164.000 Euro, wie die Zeitung berichtete. In Deutschland dürfte dieser Wert demnach in etwa auf dem österreichischen Niveau von 76.000 Euro liegen.

In Österreich weicht der Medianwert laut dem Bericht stark vom arithmetischen Mittel ab. Letzterer betrage 265.000 Euro – im Vergleich zum Medianwert von 76.000 Euro. Die große Abweichung ist ein demnach ein Zeichen für die "starke Ungleichverteilung der privaten Vermögen". 

Bundesbank als Nachzügler

Die Notenbanken der Euro-Zone haben seit 2006 Tausende Privathaushalte zu ihrem Geld- und Sachvermögen sowie Verschuldung befragt. In einigen Ländern sind die Daten schon veröffentlicht. 

Die Bundesbank sei "Nachzügler", berichtete die Zeitung. In den kommenden Wochen und Monaten werde die Europäische Zentralbank eine Zusammenfassung für die 17 Mitgliedsländer der Euro-Zone veröffentlichen.

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Leserkommentare
  1. dauert es in diesem Fall ja weniger als 1 Jahr bis der Bericht "schön genug" gemacht ist.

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  2. Und damit das so bleibt; können dann ab nächstem Jahr die Leiharbeiter und prekär Erwerbstätigen wieder "den Gürtel enger schnallen", wenn die MwSt. zur Krisenfinanzierung angezogen werden muss...
    Aber keine Angst: Auf euch wartet dafür im Jenseits Wohlstand und Wachstum.

  3. Dass hier die Schere immer weiter auseinander geht haben inzwischen alle kapiert, also alle Realbürger.

    Manche Politiker nicht, sie leben immerhin nicht in prekären Verhältnissen oder sind vom Absturz gefährdet, während sie immer als Steuermelkkuh herhalten müssen. Das trifft nicht nur auf FDPler zu, auch so manche Sozialdemokraten sehen diese Probleme nicht oder wenn, dann argumentieren sie, dass es uns nach dem Krieg ja schlimmer ging.

    Wie auch immer. Interessant der europäische Vergleich, wo wir doch alle nur vom EURO und der Liberalisierung der Finanz- und Arbeitsmärkte profitieren (hüstel), sagen ja auch Qualitätsmedien...

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  4. "Die Fachleute ermittelten einen speziellen Durchschnittswert der privaten Vermögen, den sogenannten Medianwert, der im Gegensatz zum arithmetischen Mittel Ausreißerwerte nach oben und unten vermeidet." - Was für eine verharmlosende Interpretation! Ausreißer nach unten gibts sowieso keine, denn die Leute mit null Vermögen sind Legion. Nein, es geht nur um das Ausblenden der sehr Reichen und um die Höhe dieses Reichtums:
    "Die Fachleute" nehmen den Median einfach deshalb, weil er sich um die Höhe der Spitzenvermögen nicht nur wenig sondern überhaupt nicht kümmert! Ob der Reichste nur 1 Million oder 50 Milliarden hat, ändert am Median nicht einmal einen Cent!!! Er sagt eben - im Gegensatz zum Mittelwert - nichts über das Gesamtvermögen im Verhältnis zur Größe der Bevölkerung aus, sondern nur etwas über das Vermögen des einzelnen Durchschnittsbürgers.
    Ob man also den Mittelwert oder den Median verwendet, hängt davon ab, zu welcher Fragestellung man eine Aussage machen will - und welche Aussage man ggf. vermeiden möchte. Das ist der springende Punkt.

    Eine Leserempfehlung
    • Atue
    • 23. März 2013 0:11 Uhr

    Diese Studie bestätigt einen denkbaren Weg für die nachhaltige Lösung der Euro-Krise:

    1) Alle Länder der Euro-Zone halten ab dem 01.01.2014 das 60%-Kriterium der Maastricht-Verträge ein.
    2) Alle Schulden oberhalb der 60% werden auf die Bevölkerung umgelegt. Die individuelle Höhe dieser Schuldenumlage wird nach der Höhe der individuellen Vermögen jedes Einzelnen in jedem Mitgliedsland ermittelt.
    3) Die Schulden werde auf ein Schuldkonto einer von der EZB beauftragten Bank geführt. Der Schuldzins beträgt 3%. Die Tilgung des Darlehens wird auf 30 Jahre berechnet. Höhere Tilgungen der Schuld sind jederzeit möglich.
    4) Jeweils zum 01.01. der Folgejahre wird das 60%-Kriterium erneut angewendet. Wenn ein Staat zwei Jahre in Folge aus der Anwendung dieses Kriteriums seiner Bevölkerung eine erneute Schuldumlage zumuten muss, werden automatisch Neuwahlen in diesem Land ausgelöst.
    5) Ab dem 01.01.2020 wird das Kriterium jährlich um 2% verringert - im Jahr 2020 beträgt es also nur noch 58%, 2021 56% usf. - in der Folge sind die Staaten der Eurozone im Jahr 2050 schuldenfrei.

    Man kann diese Maßnahmen in jedem Staat der Eurozone - also auch in Zypern oder Griechenland, Italien, Spanien, Portugal oder Irland hochrechnen - stets ergibt sich, dass die monatliche Mehrbelastung der Bevölkerung in deren jeweiliger individueller Vermögenssituation niemanden überfordert, sondern im Gegenteil relativ moderate Mehrbelastungen auslöst.

    Wer eine echte Reform will, kann einen stabilen Euro bekommen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tst
  • Schlagworte Bundesbank | Umfrage | Bundesregierung | Euro-Zone | Europäische Zentralbank | Einkommen
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