WaffenhandelAmerika rüstet auf

Seit der Tragödie von Newtown debattiert Amerika über ein strengeres Waffenrecht. Paradoxe Folge: Die Waffenhändler machen Rekordumsätze. von 

In Salt Lake City/Utah demonstriert eine junge Frau mit einer AR-15 gegen ein strengeres Waffenrecht

In Salt Lake City/Utah demonstriert eine junge Frau mit einer AR-15 gegen ein strengeres Waffenrecht  |  © George Frey/Getty Images

Mitte Dezember entschuldigte sich Pete Brownell im Online-Forum AR15.com bei seinen Kunden.  Es tue ihm "absolut leid", schrieb der Chef von Brownells, dem größten Lieferanten von Waffenzubehör in den USA. Man liege leider mit den Bestellungen zurück. Die Nachfrage sei "ohne Beispiel" und übersteige die Kapazität des Bestellsystems. "Wir arbeiten wie verrückt, um die Lieferungen so schnell wie möglich zu bearbeiten."

Der Grund für den Andrang war eine Gewalttat, die sich keine 48 Stunden zuvor ereignet hatte. In Newtown im Bundesstaat Conneticut stürmte der Amokschütze Adam Lanza eine Grundschule und erschoss innerhalb weniger Minuten 20 Kinder und sechs Erzieher. Die Tatwaffe: eine halbautomatische Schnellfeuerwaffe vom Typ AR-15. Kurz darauf gingen Hunderte neue Bestellungen bei Brownell ein. Besonders oft wurde die Tatwaffe AR-15 verlangt.

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Es ist eine auf den ersten Blick paradoxe Reaktion auf die Tragödie von Newtown: Amerika erlebt einen Ansturm auf Waffen. Analysten berichten von "explodierenden Verkäufen", Geschäftsleute von Umsatzsteigerungen zwischen 100 und 500 Prozent. In diesem Jahr rechnet Amerikas Waffenbranche damit, zwischen 19 und 20 Millionen Waffen zu verkaufen. Im vergangenen Jahr waren es noch zwischen 14 und 18 Millionen. "Die Unternehmen schlagen aus dem Drama Kapital", sagt Lee Goodman von der Anti-Waffen-Organisation Stop Concealed Carry Coalition in Chicago.

Der Boom hängt eng mit den Plänen des Präsidenten zusammen. Barack Obama galt schon vor seiner Wiederwahl im November als Verfechter strengerer Waffengesetze. Als Obama schließlich seine zweite Amtszeit antreten konnte, stieg auch die Nachfrage nach Waffen im Land. Der Grund: Amerika fürchtet, dass der Zugang zu Waffen künftig schwerer werden könnte. Als Obama auf dem Trauergottesdienst für die Verstorbenen von Newtown im Dezember strengere Waffenkontrollen forderte, explodierte die Nachfrage schließlich. Amerika rüstet auf, solange es noch geht.

Amerika fürchten um den Zugang zu Waffen

Eine der Profiteure ist Smith & Wesson, der größte börsennotierte Hersteller von Handfeuerwaffen. Das Unternehmen steigerte seinen Gewinn in den vergangenen drei Monaten auf 17,5 Millionen Dollar. Das ist rund 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz der Firma fiel sogar um rund 40 Prozent höher aus. Auch die Waffenschmiede Sturm Roger vermeldete die besten Quartalszahlen seit 1987. Das Unternehmen baut derzeit mehrere neue Fabriken, um weiter liefern zu können. Die Amerikaner würden Einkaufswagen voll von Geschützen nach Hause schleppen, sagte Brian Rufn von Morgan Dempsey Capital Management, einem Großaktionär von Sturm Ruger, der Los Angeles Times

Leserkommentare
  1. Obama hätte anstatt eines Verbotes für bestimmte Waffen, lieber hohe Steuern für ebendiese ankündigen sollen, dann wäre den USA diese Aufrüstung erspart geblieben.

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    Denn dann hätten sich noch mehr Leute noch schnell eine Waffe oder mehrere gekauft bevor sie teurer werden.

    Wenn man sich mit dem Thema jedenfalls ein bisschen Beschäftigt und Fakten von Schweiz, Japan, Deutschland, Finnland und Australien einbezieht, wird einem sehr schnell klar, dass das alles eh nur Populismus ist und die Politiker mal wieder zu faul/dumm/korrupt sind die Probleme bei der Wurzel zu packen.

    Immer mehr Bürger "erwachen" und bereiten sich auf das Kommen eines "Orwellstaates" entsprechend vor.

    Daszu gehört in den USA die Ansicht, seine Menschenrechte notfalls mit der Waffe verteidigen zu müssen.

  2. Wild West Mentalität eben.

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    man stelle sich eine kleine Siedlung vor, in der fast jeder eine Waffe besitzt. Die Unbewaffneten werden sich leider auf kurz oder lang dann wohl auch noch bewaffnen, mit der Argumentation sich selbst und vor allem die Familie beschützen zu müssen und auf der anderen Seite, weil eine Waffe dann leicht auch ein Statussymbol ist. Droht man nun mit einer Verschärfung des Waffenrechts, dann kommt es zum hamstern und diejenigen, die noch keine Waffe haben, versuchen sich noch eine zu sichern, bevor eventuell Verbote entstehen und greifen. Das hat mit WildWest nichts zu tun, auch nichts mit Marketingstrategien der Konzerne und dem Einfluss einer Waffenlobby, oder eine Mentalität. Es ist einfaches, rationales menschliches Handeln.
    Um diesen Effekt zu umgehen, hätte man vielleicht wirklich, wie es ein Forist schrieb, Waffen und Munition deutlich höher besteuern müssen.
    Man kann nur hoffen, dass auf lange Sicht gesehen, sich ein Verbot durchsetzt und dann die Nation "abgerüstet" wird. Allein eine Umsetzung erscheint schwierig.

  3. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis mal absichtlich an Geisteskranke Waffen verkauft werden, damit diese Amok laufen und dadurch den Umsatz stärken.

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    Der deutsche Bundestag stimmt sowas niemals zu.

  4. Denn dann hätten sich noch mehr Leute noch schnell eine Waffe oder mehrere gekauft bevor sie teurer werden.

    Wenn man sich mit dem Thema jedenfalls ein bisschen Beschäftigt und Fakten von Schweiz, Japan, Deutschland, Finnland und Australien einbezieht, wird einem sehr schnell klar, dass das alles eh nur Populismus ist und die Politiker mal wieder zu faul/dumm/korrupt sind die Probleme bei der Wurzel zu packen.

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    Antwort auf "Steuern statt Verbot"
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    Etwas mehr Kreativität bitte, das ist doch ein Forum und kein Gesetzblatt.
    Wie beim Auto, da zahlen Sie jedes Jahr Steuern, und nicht nur einmalig beim Erwerb.
    Ich meine eine Waffenbesutzsteuerm wie eine Immobilienbesitzsteuer oder eine Autobesitzsteuer

    was ist die Wurzel des Problem?

    Und wenn das Umbringen mit gewissen Schusswaffen nur ein schwerwiegendes Symptom darstellt, wieso sollte dies nicht mit einem einfachem Gesetzt beseitigt werden? Wenn sie einen Magen-Darm Virus haben, würden Sie nicht eine Tablette gegen Übelkeit einnehmen, auch wenn dadurch der Virus nicht bekämpft wird, es Ihnen jedoch besser geht?

    Sie können gerne die Wurzel des Problems sowie die Lösung dafür nennen.

  5. Ist in den USA schon Bürgerkrieg?

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    • an-i
    • 11. März 2013 13:03 Uhr

    aber die haben Tatort Hamburg gesehen...

  6. Erst wenn der letzte Dollar für Munition, Waffen und Kriege verpulvert ist, werden die USA merken, dass man Blei nicht essen kann.

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  7. in den USA medial angemessen begleitet. Durch kriegs- und gewaltverherrlichende Dauerberieselung kann somit Fehlverhalten vorgebeugt werden.

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  8. man stelle sich eine kleine Siedlung vor, in der fast jeder eine Waffe besitzt. Die Unbewaffneten werden sich leider auf kurz oder lang dann wohl auch noch bewaffnen, mit der Argumentation sich selbst und vor allem die Familie beschützen zu müssen und auf der anderen Seite, weil eine Waffe dann leicht auch ein Statussymbol ist. Droht man nun mit einer Verschärfung des Waffenrechts, dann kommt es zum hamstern und diejenigen, die noch keine Waffe haben, versuchen sich noch eine zu sichern, bevor eventuell Verbote entstehen und greifen. Das hat mit WildWest nichts zu tun, auch nichts mit Marketingstrategien der Konzerne und dem Einfluss einer Waffenlobby, oder eine Mentalität. Es ist einfaches, rationales menschliches Handeln.
    Um diesen Effekt zu umgehen, hätte man vielleicht wirklich, wie es ein Forist schrieb, Waffen und Munition deutlich höher besteuern müssen.
    Man kann nur hoffen, dass auf lange Sicht gesehen, sich ein Verbot durchsetzt und dann die Nation "abgerüstet" wird. Allein eine Umsetzung erscheint schwierig.

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    Mir ist es herzlich egal, wie viele Waffen der US Amerikaner zu Hause hat, ich muss und will dort nicht leben und brauche also vor Gunslinger Joe keine Angst zu haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | Barack Obama | USA | Handfeuerwaffe | Umsatz | Waffenbesitz
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