Zyperns Parlament hat die umstrittene Zwangsabgabe für Bankkunden abgelehnt. Damit ist die Voraussetzung für das EU-Rettungspaket nicht erfüllt. Die Abgeordneten debattierten erregt über die geplante Sondersteuer, welche die Euro-Partner für ihre Hilfszusage über zehn Milliarden Euro verlangen. Schon vor Beginn der Plenarsitzung galt als nahezu sicher: Der Plan wird durchfallen.

Das Parlament stimmte mit 36 Stimmen gegen den Gesetzentwurf. Kein einziger Abgeordneter votierte mit Ja. 19 Parlamentarier der konservativen Regierungspartei Disy enthielten sich.

Die Konservativen forderten während der Sitzung eine Verschiebung der Abstimmung auf Mittwoch, setzten sich damit allerdings nicht durch. Mehrere Abgeordnete sagten, es sei "eine Frage der Ehre, Nein zu sagen". Draußen vor dem Parlament skandierten Demonstranten: "Wir werden nicht die Sklaven des 21. Jahrhunderts werden."

Parlamentspräsident Giannakis Omirou sagte, einige versuchten, die EU von einer Solidargemeinschaft in einen Raum der Armut zu verwandeln, zu einem "Europa der kolossalen Unterschiede zwischen Nord und Süd".

Der Chef der Zentrumspartei (DIKO), Marios Karogian, warf den EU-Partnern vor, sie bestraften die Zyprer, statt anzuerkennen, "dass wir so viel verloren haben wegen des Schuldenschnitts (in Griechenland)". Er fügte hinzu: "Wir sagen Nein. Und wir sagen Nein für unsere Kinder und Enkel. Vor uns steht nun ein Leidensweg, aber wir werden es schaffen." 

Gerüchte über Finanzminister-Rücktritt

Der Plan der Euro-Gruppe sah vor, die Hilfen an das von der Pleite bedrohte Zypern von gut 17 Milliarden auf zehn Milliarden Euro zu drücken. Dazu sollten alle Anleger, die ein Sparkonto bei einer zyprischen Bank haben, einen Beitrag leisten. Nur dann wären Kredite der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) freigegeben worden.

Obwohl die Regierung den ursprünglichen Plan in den letzten Tagen modifizierte und Kleinsparer mit Einlagen von bis zu 20.000 Euro nicht heranzuziehen versprach, gab es keine Mehrheit für die Vorlage.

Für zusätzliche Unruhe sorgten am Nachmittag Berichte, nach denen der zyprische Finanzminister Michalis Sarris zurücktreten wolle. Eine Zeitung berichtete, er habe seinen Rücktritt eingereicht, aber der zyprische Präsident habe ihn nicht akzeptiert. Eine andere Zeitung berichtete, Anastasiades sei unzufrieden mit Sarris und wolle ihn entlassen.

Sarris war auf dem Weg nach Moskau, um dort zu sondieren, ob sich Russland an der Rettung Zyperns beteiligen würde. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte scharfe Kritik an dem Plan der Euro-Gruppe und der EZB geübt. Viele Russen haben auf Zypern Milliarden Euro angelegt, eine Zwangsabgabe würde sie teuer zu stehen kommen.