Die notwendige Restrukturierung der Großbanken Zyperns markiert nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem einen Einschnitt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise in der Euro-Zone. Zum einen stehe der Fall Zypern Modell für den Umgang mit drohenden Bankpleiten in der Zukunft, sagte Dijsselbloem. Zum anderen sei klar, dass auch andere Euro-Länder mit übergroßem Bankensektor diesen verkleinern müssten.  

Befragt nach möglichen Folgen für Luxemburg oder Malta, deren Finanzsektoren ebenfalls extrem groß sind, sagte er, die Staaten müssten die Probleme beseitigen, bevor es zu Schwierigkeiten komme. "Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen", appellierte er. Geschwächte Banken müssten damit ebenso wie ihre Heimatländer damit rechnen, in Zukunft abgewiesen zu werden.  

Der Bankensektor Zyperns ist mit einem Verhältnis von Bilanzsumme zu Bruttoinlandsprodukt von acht zu eins doppelt so groß wie der EU-Durchschnitt. Doch in Luxemburg, Irland und Malta ist die Wirtschaft ebenso vom Finanzsektor dominiert, was die Euro-Finanzminister im Fall Zypern als nicht tragfähiges Geschäftsmodell betrachteten.

Die Aktien in Deutschland und anderen europäischen Börsenplätzen rutschten am Montagnachmittag überraschend ins Minus, Händler führten dies auf die Äußerungen Dijsselbloems zurück. Der Dax drehte 0,66 Prozent ins Minus, obwohl die New Yorker Börse ein neues Rekordhoch nach der Zypern-Einigung erreicht hatte. Der Euro erreichte ein Viermonatstief.

Die Euro-Finanzminister hatten am frühen Montagmorgen beschlossen, Zypern gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds und der europäischen Zentralbank bis zu zehn Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, um die geschwächten Großbanken zu stabilisieren und zugleich einen Staatsbankrott zu verhindern. Im Gegenzug soll Zypern seinen Finanzsektor umstrukturieren und durch eine Sonderabgabe auf Spareinlagen zusätzliche Einnahmen erzielen.  

Die Guthaben unter 100.000 Euro sollen dabei aber verschont bleiben, für Guthaben darüber ist eine Abgabe von bis zu 30 Prozent im Gespräch. Die Popular Bank (auch Laiki genannt), die zweitgrößte Bank des Landes, soll zerschlagen werden. Stark riskikobehaftete Wertpapiere der Bank kommen in eine sogenannte Bad Bank, die dann schließen soll. Die anderen Guthaben sollen an die größte Bank des Landes fließen – die Bank of Cyprus. Die Reaktionen darauf waren abwartend positiv. Nur Russlands Premier sprach von "Diebstahl" – weil russische Anleger nun Verluste befürchten müssen.

Nach der Einigung auf den Rettungsplan sollen nun erste Banken wieder öffnen. Mit Ausnahme der Bank of Cyprus und der Popular Bank (Laiki-Bank) sollen alle Institute am Dienstag wieder Kunden empfangen. Möglicherweise konnte die tagelange Schließung aber nicht verhindern, dass das Geld im Land bleibt: Die FAZ zitierte Finanzfachleute, die Anzeichen für Milliardenabflüsse in den vergangenen Tagen beobachtet haben wollen.