Zypern-RettungEuro-Gruppen-Chef redet Aktienmarkt ins Minus

Jeroen Dijsselbloem hat die Anleger mit Äußerungen zur finanziellen Rettung Zyperns verunsichert. Er empfahl das Konzept für die gesamte Euro-Zone.

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, der auch niederländischer Finanzminister ist

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, der auch niederländischer Finanzminister ist  |  © Sebastien Pirlet/Reuters

Die notwendige Restrukturierung der Großbanken Zyperns markiert nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem einen Einschnitt im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise in der Euro-Zone. Zum einen stehe der Fall Zypern Modell für den Umgang mit drohenden Bankpleiten in der Zukunft, sagte Dijsselbloem. Zum anderen sei klar, dass auch andere Euro-Länder mit übergroßem Bankensektor diesen verkleinern müssten.  

Befragt nach möglichen Folgen für Luxemburg oder Malta, deren Finanzsektoren ebenfalls extrem groß sind, sagte er, die Staaten müssten die Probleme beseitigen, bevor es zu Schwierigkeiten komme. "Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen", appellierte er. Geschwächte Banken müssten damit ebenso wie ihre Heimatländer damit rechnen, in Zukunft abgewiesen zu werden.  

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Der Bankensektor Zyperns ist mit einem Verhältnis von Bilanzsumme zu Bruttoinlandsprodukt von acht zu eins doppelt so groß wie der EU-Durchschnitt. Doch in Luxemburg, Irland und Malta ist die Wirtschaft ebenso vom Finanzsektor dominiert, was die Euro-Finanzminister im Fall Zypern als nicht tragfähiges Geschäftsmodell betrachteten.

Die Aktien in Deutschland und anderen europäischen Börsenplätzen rutschten am Montagnachmittag überraschend ins Minus, Händler führten dies auf die Äußerungen Dijsselbloems zurück. Der Dax drehte 0,66 Prozent ins Minus, obwohl die New Yorker Börse ein neues Rekordhoch nach der Zypern-Einigung erreicht hatte. Der Euro erreichte ein Viermonatstief.

Die Euro-Finanzminister hatten am frühen Montagmorgen beschlossen, Zypern gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds und der europäischen Zentralbank bis zu zehn Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, um die geschwächten Großbanken zu stabilisieren und zugleich einen Staatsbankrott zu verhindern. Im Gegenzug soll Zypern seinen Finanzsektor umstrukturieren und durch eine Sonderabgabe auf Spareinlagen zusätzliche Einnahmen erzielen.  

Die Guthaben unter 100.000 Euro sollen dabei aber verschont bleiben, für Guthaben darüber ist eine Abgabe von bis zu 30 Prozent im Gespräch. Die Popular Bank (auch Laiki genannt), die zweitgrößte Bank des Landes, soll zerschlagen werden. Stark riskikobehaftete Wertpapiere der Bank kommen in eine sogenannte Bad Bank, die dann schließen soll. Die anderen Guthaben sollen an die größte Bank des Landes fließen – die Bank of Cyprus. Die Reaktionen darauf waren abwartend positiv. Nur Russlands Premier sprach von "Diebstahl" – weil russische Anleger nun Verluste befürchten müssen.

Nach der Einigung auf den Rettungsplan sollen nun erste Banken wieder öffnen. Mit Ausnahme der Bank of Cyprus und der Popular Bank (Laiki-Bank) sollen alle Institute am Dienstag wieder Kunden empfangen. Möglicherweise konnte die tagelange Schließung aber nicht verhindern, dass das Geld im Land bleibt: Die FAZ zitierte Finanzfachleute, die Anzeichen für Milliardenabflüsse in den vergangenen Tagen beobachtet haben wollen.    

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Leserkommentare
  1. ... Mal abwarten, ob er das immer noch sagt, wenn die Auswirkungen in Zypern sich noch zeigen werden.
    Zypern und seine Banken sind doch tot, keiner wird dort sein Geld auf den Konten lassen. Soll das das Modell für ganz Europa werden? Kann ich mir nicht vorstellen, dass das gewollt ist.
    Der alternativlosen Politik bleibt eigentlich nur eine Alternative: Drucken!

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  2. Recht hat er, Banken die zu hohe Risiken eingehen und die Risiken nicht genügend streuen müssen (!) damit rechnen in die Insolvenz geschickt zu werden! Ob sie nun allzu leichtfertig Immobilienkredite vergeben oder auf riskante Wertpapiere / Staatsanleihen setzen spielt dabei keine Rolle.Wenn sich eine Bank verzockt hat sie und ihre Gläubiger die Folgen zu tragen - und nicht der Staat oder die EU.
    Dies mag im Einzelfall auch schwere Turbulenzen auslösen, diese bleiben aber im Hier und Jetzt. Die ganze bisherige "Bankenrettung" mit der Vergesellschaftung der Schulden haben die Probleme ja nicht gelöst, sondern nur ein wenig in die Zukunft verschoben!
    Die Banken werden es gehört haben und nun hoffentlich vorsichtiger agieren....

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  3. ...genau so wollte es Irland 2010 doch machen.
    Anglo Irish Bank pleite gehen lassen, die zwei größten Banken verstaatlichen und Einlagen bis 100,000,- garantieren, Bondhalter entweder ganz enteignen oder mit kräftigen Abschlag neuausgeben.
    Es war die EZB und Tim Geithner die sie das damals nicht haben machen lassen.
    Tja, damals ging es aber um US, britische und deutsche Kohle und nicht um russische...

    Das wird sich alles noch einmal rächen, davon bin ich überzeugt.

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    statt ca. 17 in Zypern um ca. 70 Milliarden in Irland.

    Was damals abgelaufen ist wurde schon völlig zurecht als Erpresung der irischen Regierung / des irischen Volkes durch die EZB bezeichnet.

    Entweder Ihr zahlt das verspekulierte Einleger Geld zu 100 % an die Anleger zurück oder wir lassen Euch pleitegehen...

    kein Wort davon, die Zocker am Schaden zumindest zu beteiligen...

    Das Problem der Iren war, sie hatten nicht das Geld russischer Investoren attrahiert sondern u.a. dass der Deutsche Bank, HRE, Depfa usw.. In Falle Zyperns scheint man zu der besseren Loesung gekommen zu sein, weil es zunaechst nur Zyprioten, Griechen und Russen trifft. Bei Luxemburg, wird man wohl eher auf die irische Loesung zurueckkommen. Aber machen wir uns nichts vor, trotz aller Behauptungen zum Trotz, auch die Iren werden ihre Schulden niemals zurueckzahlen koennen, ausser sie werden wieder Casino und bleiben Steuerparadies. Das wahre Problem ist letztlich, dass Politiker bis heute glauben, es gaebe eine Moeglichkeit, dass Banken durch kreieren von Bankprodukten irgendwelche realen Werte schaffen zu koennen. Nur man kann keine Werte durch Papier schaffen, auch nicht wenn das Papier den Globus 5mal umkreist. Der Sinn von Banken besteht darin die Transaktionskosten der Realwirtschaft zu senken, nicht mehr und nicht weniger und solange man dieser schlichten Erkenntnis nicht Rechnung traegt, werden uns Bankprobleme erhalten bleiben. Die einzige Hoffnung waere die Realwirtschaft in Europa wieder richtig ans Laufen zu bekommen, aber da ist Frau Merkel vor.

    Das im Falle Irland eine 100%-ige Anlegerauszahlung (faktisch lediglich zeitlich gestreckt durch EU-Kredite) verlangt wurde, ist angesichts des heutigen Falles nicht verständlich! Und das Argument, dass die irische Wirtschaft eher Möglichkeiten hat(te), aus der Misere raus zu kommen, spielt keine Rolle.

    Wer mehr zum Irischen Fall wissen möchte, kann ich wärmstens folgenden Arte-Film empfehlen, in dem ein deutscher Journalist hartnäckig eine Antwort auf die Frage sucht: "where does all this money go", wie er mittendrin seufzt.
    Die Deutschen glauben, mit dem Geld Irland gerettet zu haben. Die Iren selbst glauben, mit ihrem eigenen Geld den Euro bzw. Europa gerettet zu haben. Ich sagte bereits: die Hilfen sind als Kredite geflossen. Und dies wiederum geht an die Gläubiger der Banken, die ihre Forderungen schmelzen sahen durch die dortige Immobilienblase. Es sind mitnichten etwa Sparer, die ein leeres Konto vorfanden, sondern Gläubiger der Banken, zumeist aus Deutschland und Frankreich. Die Iren brauchen viele, viele Jahre, bis diese 70 Milliarden Kredit wieder nach Europa zurückgeflossen ist.

    Info zum Film (dauert eine Stunde, betrifft auch Spanien):
    http://www.arte.tv/de/729...
    Der Film ist wohl nur über YouTube einsehbar:
    https://www.youtube.com/w...

  4. Sind manche Eliten
    Banditen ?
    Auch Putin der Judorecke
    parkte sein Geld in dieser Ecke
    Die Steuern die konnte man so sparen
    und mit den Jahren
    steigen die Renditen
    der Eliten
    Mit den fehlenden Steuern
    fehlt auch dem Staat das Geld
    und die Armut in die Höhe schnellt
    Auch fehlt das Geld der Wissenschaft
    und damit fehlt die Erfinderkraft
    So macht vor allem eines Spaß
    das Geschäft mit dem Gas
    Vor allem die Armen und Kranken
    die brachte dieses System ins Wanken
    Die vielen Kinder als Waisen
    die frieren jetzt im Eise
    Hauptsach der Rubel rollt
    und das Geschäft geht toll

    Von vielen Millionen Menschen im Osten
    da schwiegen die Medien verdrossen.

    Sind die Slaven
    denn wirklich die Sklaven
    der Renditen
    der Banditen ?

    6 Leserempfehlungen
  5. Sachlich kann man der Aussage, der Drohung nicht viel entgegen halten. Sie ist richtig. Allerdings bleibt Dijsselbloem zum Glüch im Konjunktiv, wenn er sagt: "dass auch andere Euro-Länder mit übergroßem Bankensektor diesen verkleinern müssten."

    Die Frage ist, wie man "Länder mit übergroßem Bankensektor" ausserhalb des Euroraumes oder gar ausserhalb Europas auf diesen Kurs bringen kann. Hat man darauf eine Antwort, selbst wenn sie ihm Konjunktiv bleibt, so wäre die Chance geringer, dass es nicht zur umfassenden psychologischen Kriegserklärung in Europa wird für schnell flüchtiges Geld...

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  6. gesagt. Jeder kann es nachvollziehen und fast alle haben es gefordert: Die Anleger und Eigner haften zu lassen und nicht die Steuerzahler zu betrügen.

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    ist es ein sicheres Zeichen dass die "Casino Fraktion" um Ihren Freibrief fürchtet, drohende Spekulationsverluste weiterhin durch Steuergelder ausgleichen zu lassen.

    Die Ansage allein wird aber nicht wirklich was nutzen.

    Es braucht endlich eine mindestens europaweit effektive Banken- Geldflußkontrolle, Steuerkontrolle Hauptsitz, Nebensitz beliebige Bilanzverschiebungen etc....

    Sonst geht das Monopoly letztlich wieder weiter.
    Zypern war ein letztlich noch verkraftbarer Warnschuss für Zocker mehr noch nicht, solange jetzt die EU Politiker nicht nachlegen und beweisen, das es Ihnen wirklich Ernst damit ist, Zocker an den Verlusten beteiligen zu wollen.

    Warum hat wohl Amazon den "finanztechnischen Hauptsitz" in Europa in Luxenburg ?!...

    Warum war Junker/ Luxenburg bis heute die treibende Kraft beim absegnen sämtlicher Rettungsaktionen seit 2008...und glühender Verfechter des ESM !

  7. statt ca. 17 in Zypern um ca. 70 Milliarden in Irland.

    Was damals abgelaufen ist wurde schon völlig zurecht als Erpresung der irischen Regierung / des irischen Volkes durch die EZB bezeichnet.

    Entweder Ihr zahlt das verspekulierte Einleger Geld zu 100 % an die Anleger zurück oder wir lassen Euch pleitegehen...

    kein Wort davon, die Zocker am Schaden zumindest zu beteiligen...

    10 Leserempfehlungen
  8. "Die FAZ zitierte Finanzfachleute, die Anzeichen für Milliardenabflüsse in den vergangenen Tagen beobachtet haben wollen."

    So wird es sein! Der Schotter ist längst über alle Berge. Gut gedacht also, aber mal wieder schlecht gemacht. Aber merkt ja kaum einer, dass wir mal wieder einer weiteren Mogelpackung aufsitzen.....

    6 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP, tst
  • Schlagworte Jeroen Dijsselbloem | Aktienmarkt | Zypern | Bruttoinlandsprodukt | Diebstahl | Euro
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