Bankenöffnung Zypern"Alles läuft gut. Ich bin zufrieden"

In Zyperns Banken herrscht Normalbetrieb, abgesehen von vielen Schaulustigen. Dabei waren die Banken zehn Tage geschlossen. Der Geldverkehr ist aber eingeschränkt.

 Frühjahrssonne, Passanten in leichter Bekleidung, Touristen mit Kameras – das Geschehen auf den Straßen im Zentrum von Nikosia wirkt wie immer um diese Zeit. Doch die vielen Fernsehteams vor den Gebäuden der Laiki-Bank und der Bank of Cyprus zeigen: Dieser Tag ist anders – seit der Mittagszeit sind die Schalter der Banken erstmals seit zwei Wochen wieder offen. Konteninhaber dürfen wieder Überweisungen und andere Bankgeschäfte ausführen. In den vergangenen Tagen hatten nur noch Geldautomaten funktioniert. 

Der befürchtete Massenansturm auf die Banken blieb bisher aus, die Bürger verhielten sich diszipliniert. Das Fernsehen berichtete, die Bankkunden sollten in Gruppen von zehn Personen eingelassen werden, um Tumulte zu verhindern. Vereinzelt hoben Zyprer vor den Banken Plakate zum Protest – denn die Regierung hat den Banken ein Sanierungskonzept verordnet für dessen Finanzierung auch Inhaber großer Sparguthaben zahlen sollen.

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Der zyprische Abgeordnete Prodoromos Prodromou äußerte sich erfreut über die stabile Lage. "Alles läuft gut. Ich bin zufrieden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Schon der Vormittag war in den Städten des Landes weitgehend ruhig verlaufen. Die Banken arbeiteten seit dem Morgen. Warteschlangen von Kunden gab es kaum, nur vereinzelt harrten Wartende vor den Eingängen aus.   

Die Geldgeschäfte und -bewegungen sind bis auf Weiteres stark limitiert, um panikartige Abhebungen zu verhindern, mit denen Konten- und Depotinhaber ihr Kapital ins Ausland transferieren könnten. Und um 18 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) sollen die Banken wieder schließen.

Die zum Schutz des Bankensystems geltenden Beschränkungen des Geldverkehrs umfassen im Wesentlichen folgende Punkte:

  • Pro Person und Konto sollen die Zyprer maximal 300 Euro pro Tag abheben dürfen – weniger als zunächst angenommen.
  • Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt, damit Angestellte ihre Gehälter erhalten.
  • Alle Geschäfte mit einem Volumen von mehr als 5.000 Euro werden überprüft.
  • Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland sind auf 5.000 Euro im Monat beschränkt.
  • Auslandsüberweisungen, Immobilienverkäufe und Exportgeschäfte sind vorerst eingeschränkt.

Die Regeln sollen zunächst für vier Tage gelten. Die Kapitalverkehrskontrollen stehen eigentlich dem EU-Prinzip eines freien Geld- und Warenverkehrs entgegen. Die Maßnahmen seien durch den EU-Vertrag gedeckt, teilte die EU-Kommission mit.

 

Die Banken rechnen über den ganzen Nachmittag mit großem Andrang, schon seit Tagen stehen viele Geldhäuser unter Polizeischutz. Denn die Banken waren wegen der Krise des Finanzsektors seit fast zwei Wochen geschlossen. Geldautomaten funktionierten zwar mancherorts noch, Überweisungen und Lastschrifteinzüge mussten aber unterbleiben. Eine Korrespondentin der Basler Zeitung berichtete, Banken hätten ihr Personal sogar in Kommunikationskursen geschult, um mit möglicherweise aufgebrachte Kunden beruhigen zu können. 

Die Regierung wollte durch die Restriktionen verhindern, dass Kunden durch überstürzte Transaktionen den geschwächten Finanzsektor des Landes weiter gefährden.

Der Polizeisprecher Zyperns sagte, die Polizei tue alles, um kriminelle Angriffe auf Bankkunden zu verhindern. "Wir haben alle nötigen Maßnahmen getroffen, damit die Leute geschützt werden", sagte Andreas Angelides. Die Kunden sollten selbst aufmerksam sein. Ein Sprecher der Genossenschaftsbanken rief die Menschen zur Ruhe auf: "Ich sage den Leuten: Keine Panik, keine Panik. Jeder wird das bekommen, was ihm zusteht."

Anlass der Beschränkungen des Geldverkehrs war ein Rettungsprogramm, mit dem Europäische Zentralbank, Internationaler Währungsfonds und die Euro-Staaten den geschwächten Bankensektor des Landes stützen. Die Finanzminister hatten es am Montag beschlossen.

Zypern-Chronik

Zwei Dinge wurden Zypern zum Verhängnis: sein Geschäftsmodell und die Nähe zu Griechenland. Wie andere europäische Kleinstaaten – etwa Malta, Luxemburg oder Liechtenstein – förderte das Land den Finanzsektor. Die Regulierer in Brüssel störte das vor der Krise nicht. Steuererleichterungen und hohe Zinsen lockten ausländische Anleger an, vor allem aus Russland. So viel Geld kam ins Land, dass die Bilanzsumme der Banken heute um ein Vielfaches höher ist als die jährliche Wirtschaftsleistung Zyperns. Das System geriet durch den griechischen Schuldenschnitt ins Rutschen. Die zyprischen Banken, die Griechenland viel Geld geliehen hatten, verloren dadurch hohe Summen.

Bankenkrise

Zypern brauchte dringend Geld. Das Problem dabei: Der Staat war hoch verschuldet. Seine Schuldenlast wäre vermutlich untragbar geworden, wenn Europa und der IWF die komplette Finanzlücke einfach durch einen Hilfskredit geschlossen hätten. Zudem zögerten die Geberländer die Rettung hinaus. Nach mehreren Rettungsaktionen innerhalb der Eurozone wuchs in den Geberländern der innenpolitische Widerstand gegen weitere Hilfe – zumal das kleine Zypern für den Rest Europas ökonomisch viel weniger wichtig schien als beispielsweise Spanien oder Italien. Als man sich schließlich auf Rettung einigte, war klar: Zypern sollte zehn Milliarden Euro erhalten, aber weitere 5,8 Milliarden selbst aufbringen.

Wer zahlt?

Die Frage war, woher die 5,8 Milliarden kommen sollten. Es schien naheliegend, die Eigentümer oder Gläubiger der Geldinstitute an deren Rettung zu beteiligen. Doch Zyperns Banken finanzieren sich kaum durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen. Die Banken zu beteiligen heißt in Zypern: Die Anleger müssen zahlen. Dass ursprünglich auch Kleinanleger eine Zwangsabgabe entrichten sollten, war offenbar die Idee des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Dabei sind Guthaben bis 100.000 Euro in der Eurozone eigentlich geschützt. Doch Anastasiades fürchtete, die Großanleger aus Zypern zu vertreiben. Um sie nicht die ganze Last tragen zu lassen, wollte er auch die kleinen Sparer beteiligen. Anastasiades setzte sich durch – vorerst.

Kompromiss

Die Zyprer gingen gegen den Beschluss auf die Straße – und gaben den Deutschen die Schuld für ihre Einbußen. Das zyprische Parlament lehnte den Vorschlag aus Brüssel ebenfalls ab. Doch die anderen europäischen Länder bestanden auf dem Eigenanteil. Eine Woche lang war unklar, wie Zypern diesen finanzieren wollte. Ein sogenannter Plan B wurde verworfen. Währenddessen wuchs die Unsicherheit im Land. Die Banken blieben geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen sollten verhindern, dass reiche Anleger ihr Geld außer Landes schafften. In anderen Euro-Ländern blieben die Anleger allerdings ruhig. Eine Woche nach dem ersten Beschluss in Brüssel gab es einen neuen Kompromiss. Jetzt werden Kleinanleger doch verschont, die Großen zahlen dafür mehr. Anastasiades hat verloren. Das Geschäftsmodell Zyperns aber ist zerstört.

 

Es sieht vor, dass Zypern zehn Milliarden Euro vorübergehende Finanzhilfe erhält und dafür einen Eigenbeitrag von etwa 5,8 Milliarden leisten muss. Dazu sollen unter anderem die Inhaber von Sparguthaben von mehr als 100.000 Euro mit einer Zwangsabgabe beitragen. Zypern soll zudem das zweitgrößte Geldhaus, die Laiki-Bank, schließen. Einen Teil ihres Geschäfts soll die Bank of Cyprus übernehmen.

Informationen von Reportern aus Zypern hier

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Leserkommentare
  1. richtig viel.

    Geld fehlt heißt: Guthaben das da sein sollte, ist es nicht.

    Keiner wollte wissen wo es herkommt, jetzt wird keiner sagen können wo es hin ist.

    Dann steht Zypern wieder auf der Matte und pumpt die Eu an.

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  2. „Der Polizeisprecher Zyperns sagte, die Polizei tue alles, um kriminelle Angriffe auf Bankkunden zu verhindern. "Wir haben alle nötigen Maßnahmen getroffen, damit die Leute geschützt werden"

    Nicht zu unterschätzende Gefahren und die Möglichkeit krimineller Übergriffe bestehen nach wie vor. Von Brüssel soll sich bereits die berühmt und berüchtigte „Euroklaubande“ aufgemacht haben. Normalerweise schlägt diese Bande bereits vor der Geldabhebung zu. Diesmal, so die Aussagen der Geheimdienste, will die Bande nach Geldabhebung zuschlagen.

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  3. 3. Zypern

    Heute werden wir erleben, wie unflexibel der Mensch ist, wenn ihm der Staat die Butter vom Brot klaut. Eigentlich gut, dass der Präzedenzfall in Südeuropa passiert, denn dort haben die Menschen noch den Mut sich zu wehren.

    Ein spannender Tag :)

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    • spacko
    • 28. März 2013 14:13 Uhr

    Der Mensch ist schon erstaunlich unflexibel...Tja. Man soll den Südländer icht vor dem Abend loben.

  4. ...dass die zyprischen Medien und auch Stimmen aus der Bevölkerung dort zunehmend kritisch mit sich selbst und mit ihrern Politikern und Eliten werden, z.B. wird die Forderung laut, die ehemalige Regierung vor Gericht zu stellen, oder einen Untersuchungsausschuss einzurichten.

    vielleicht sollte man bei ZO mal hierüber berichten, statt die Xenophopie von Zypreren Richtung Brüssel und Deutschland ,und diejenige von dort Richtung Zypern zu befördern, mit Artikeln und Wahlkampfintentionen ?

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    ...haben einzig und allein Politiker verursacht, besonders auch deutsche, wie Steinbrück und Merkel bei der unsinnigen HRE-Rettung, alle unfährigen Landespolitiker mit ihren Landesbanken und Schäuble mit seinem Steuerkriminellenschutzabkommen für Reiche.Die Hälfte der Banken gehört in die Insolvenz, die andere Hälfte an die harte Kandarre, samt Politikern, die Zyprioten können ja schon mal anfangen damit.

  5. ...Tag bei der Bank sein, und in dem von den Kriminellen "vorgegebenen Rahmen", sein Geld retten.

    Wer jetzt nicht reagiert ist selbst schuld.

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  6. von meiner Seite: Wie darf man sich das eigentlich vorstellen, wenn Zypern sagt; wir gehen bald Pleite bzw. wie ist das ganze abgelaufen? Haben da Banken bei der Regierung angerufen und mitgeteilt, dass sie in den nächsten Wochen keinen Tilgungen mehr bedienen können? Oder war das Land Zypern nicht in der Lage, Anleihen auszuzahlen? Entweder wurde das überhaupt nicht in den Medien kommuniziert, oder es ist voll an mir vorbei gegangen.

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    • zozo
    • 28. März 2013 11:33 Uhr

    ... was aber (jetzt zumindest) jeder weiß:

    Regierung = Banken

    Da muss niemand niemanden anrufen

  7. Die Europäische Union verstößt mit den Auflagen, die für die Zyprer gelten, gegen die Grundsätze des Europäischen Binnenmarktes (Art. 64 Vertrag über die Arbeitsweise der EU). Mit diesen Maßnahmen existieren bereits jetzt zwei unterschiedliche Währungsräume. Der Euro ist das Ende von Europa.

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    Kapital- und Zahlungsverkehrsbeschränkungen verstoßen gegen Art. 73b des Vertrages von Maastricht.

    http://eur-lex.europa.eu/de/treaties/dat/11992M/htm/11992M.html#0001000001

    Eigentlich sollte man einmal ähnlich, wie die einzelnen Fundstellen bei plagierten Doktorarbeiten, auch Verstöße gegen EU-Recht listen.

    Ein weiteres Beispiel, die "no bailout" Klausel.

    Die Liste der Verstöße der Politiker gegen EU-Verträge wird immer länger.

  8. Ausgabe von Bargeld bis max. 500Euro und zwar nur in Münzen.

    Bei den bestehenden Gepäckbestimmungen der Luftlinien kann man davon ausgehen, dass das Geld im Land bleibt.

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