StaatskriseZyperns Banken sollen Politikern Millionen erlassen haben

Zyprische Medien haben eine brisante Liste veröffentlicht: Sie enthält Namen von Politikern, die Kredite in Millionenhöhe bekamen – und diese nie zurückzahlen mussten.

Kunden warten vor einer Filiale der Laiki Bank in Nikosia.

Kunden warten vor einer Filiale der Laiki Bank in Nikosia.

Banken aus Zypern haben Politikern und Unternehmern des Landes angeblich Kredite in Millionenhöhe erlassen. Die Staatsanwaltschaft geht Medienberichten nach, denen zufolge zahlreiche Personen zwischen 2007 und 2012 Darlehen von der Bank of Cyprus und der Laiki Bank bekamen, diese aber nur zum Teil oder gar nicht zurückzahlten.

Eine griechische Boulevardzeitung und eine Nachrichtenwebsite hatten zuvor eine Liste mit den Namen der betreffenden Politiker und Unternehmer veröffentlicht. Wie Spiegel Online berichtet, finden sich auf der Liste Vertreter sämtlicher zyprischer Parteien, außer der sozialdemokratischen EDEK und der sozial-ökologischen KKO.

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So sollen einer Gewerkschaft 193.000 Euro erlassen worden sein, von einem Abgeordneten der Regierungspartei DISY wurden 101.000 Euro eines Darlehens über 168.000 Euro nicht zurückgefordert. Einer Firma, die dem Bruder eines früheren Ministers der Mitte-Rechts-Partei DIKO gehört, sollen demnach 1,28 Millionen von insgesamt 1,59 Millionen geliehenen Euro erlassen worden sein.

Ein Sprecher der zyprischen Staatsanwaltschaft sagte, die Vorwürfe würden in den kommenden Tagen geprüft. "Vorerst gibt es jedoch keine Anklage." Auch der zyprische Generalstaatsanwalt bestätigte die Untersuchungen. "Wir werden uns ab Dienstag mit den Veröffentlichungen befassen. Weitere rechtliche Schritte gibt es bislang nicht", sagte er.

Anleger müssen Zwangsabgabe von 37,5 Prozent zahlen

Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank sind die größten des Landes. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Krise: Laiki wird nun abgewickelt, die Bank of Cyprus zurechtgestutzt und übernimmt den lebensfähigen Teil von Laiki. Wie das staatliche zyprische Fernsehen (RIK) berichtete, müssen die Anleger eine Zwangsabgabe 37,5 Prozent für die Rettung der Bank of Cyprus zahlen. Auch die zyprische Zeitung Kathimerini veröffentlichte entsprechende Dokumente der Zentralbank.

Zypern-Chronik

Zwei Dinge wurden Zypern zum Verhängnis: sein Geschäftsmodell und die Nähe zu Griechenland. Wie andere europäische Kleinstaaten – etwa Malta, Luxemburg oder Liechtenstein – förderte das Land den Finanzsektor. Die Regulierer in Brüssel störte das vor der Krise nicht. Steuererleichterungen und hohe Zinsen lockten ausländische Anleger an, vor allem aus Russland. So viel Geld kam ins Land, dass die Bilanzsumme der Banken heute um ein Vielfaches höher ist als die jährliche Wirtschaftsleistung Zyperns. Das System geriet durch den griechischen Schuldenschnitt ins Rutschen. Die zyprischen Banken, die Griechenland viel Geld geliehen hatten, verloren dadurch hohe Summen.

Bankenkrise

Zypern brauchte dringend Geld. Das Problem dabei: Der Staat war hoch verschuldet. Seine Schuldenlast wäre vermutlich untragbar geworden, wenn Europa und der IWF die komplette Finanzlücke einfach durch einen Hilfskredit geschlossen hätten. Zudem zögerten die Geberländer die Rettung hinaus. Nach mehreren Rettungsaktionen innerhalb der Eurozone wuchs in den Geberländern der innenpolitische Widerstand gegen weitere Hilfe – zumal das kleine Zypern für den Rest Europas ökonomisch viel weniger wichtig schien als beispielsweise Spanien oder Italien. Als man sich schließlich auf Rettung einigte, war klar: Zypern sollte zehn Milliarden Euro erhalten, aber weitere 5,8 Milliarden selbst aufbringen.

Wer zahlt?

Die Frage war, woher die 5,8 Milliarden kommen sollten. Es schien naheliegend, die Eigentümer oder Gläubiger der Geldinstitute an deren Rettung zu beteiligen. Doch Zyperns Banken finanzieren sich kaum durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen. Die Banken zu beteiligen heißt in Zypern: Die Anleger müssen zahlen. Dass ursprünglich auch Kleinanleger eine Zwangsabgabe entrichten sollten, war offenbar die Idee des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Dabei sind Guthaben bis 100.000 Euro in der Eurozone eigentlich geschützt. Doch Anastasiades fürchtete, die Großanleger aus Zypern zu vertreiben. Um sie nicht die ganze Last tragen zu lassen, wollte er auch die kleinen Sparer beteiligen. Anastasiades setzte sich durch – vorerst.

Kompromiss

Die Zyprer gingen gegen den Beschluss auf die Straße – und gaben den Deutschen die Schuld für ihre Einbußen. Das zyprische Parlament lehnte den Vorschlag aus Brüssel ebenfalls ab. Doch die anderen europäischen Länder bestanden auf dem Eigenanteil. Eine Woche lang war unklar, wie Zypern diesen finanzieren wollte. Ein sogenannter Plan B wurde verworfen. Währenddessen wuchs die Unsicherheit im Land. Die Banken blieben geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen sollten verhindern, dass reiche Anleger ihr Geld außer Landes schafften. In anderen Euro-Ländern blieben die Anleger allerdings ruhig. Eine Woche nach dem ersten Beschluss in Brüssel gab es einen neuen Kompromiss. Jetzt werden Kleinanleger doch verschont, die Großen zahlen dafür mehr. Anastasiades hat verloren. Das Geschäftsmodell Zyperns aber ist zerstört.

Die Laiki Bank wird demnach wie erwartet in eine gesunde Bank und eine Bad Bank aufgespalten. Geldeinlagen von über 100.000 Euro würden vorerst nicht ausgezahlt. Ein Insolvenzverwalter soll in den kommenden Jahren versuchen, durch den Verkauf von Immobilien und die Eintreibung fauler Kredite der Bad Bank einen Teil des verlorenen Geldes wiederzuerlangen und an die Anleger zurückzuerstatten. Finanzminister Michalis Sarris sagte, er rechne damit, dass dieses Verfahren etwa sieben Jahre dauern werde.

 
Leser-Kommentare
  1. erst mal abwarten

    wenn es aber so ist, ist das typisch Politikermentalität

    auch hierzulande findet doch ähnliches statt

    Es wird ein System durch Politik in der Welt aufrecht erhalten, wo man anderen zumutet und selbst nimmt.

    3 Leser-Empfehlungen
    • Ximer
    • 30.03.2013 um 11:26 Uhr

    da kommt mir der mock hoch!

  2. ... sollen die zypriotischen Hochtrabenden Führer nicht ebenso handeln wie anderswo?

    3 Leser-Empfehlungen
  3. Am Beispiel Zypern wird deutlich, dass das Land politisch und wirtschaftlich total aus dem Ruder gelaufen ist und das seit vielen Jahren.

    Man mag auch sicherlich darüber diskutieren, ob das Verhalten der Bundesregierung im Rahmen dieser Finanzkrise immer glücklich war - Gott sei Dank hat sie sich allerdings bisher erfolgreich gegen die Einführung von EURO-Bonds gewehrt hat.

    Aber Frau Merkel jetzt immer noch die Hauptschuld an dieser Krise zuzuschreiben, ist - auch bei all jenen, die nicht in diesen Ländern gewohnt und gearbeitet haben - nur schwer nachzuvollziehen.

  4. unsere "Eliten" zur Verantwortung?

    Oder lassen wir uns im September doch wieder Mär(kel)chen aus tausend und einer Alternativlosigkeit vorlesen...???

    Wenn man's selbst nicht besser kann, sollte man sich mit Vorwürfen etwas zurückhalten!

    7 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Wann?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    siehe als Alternative die Freien Wähler www.freiewaehler.eu mit dem veröffentlichten Wahlprogram.

    Das bestehende System gehört auf den Prüfstand der Wähler!

    siehe als Alternative die Freien Wähler www.freiewaehler.eu mit dem veröffentlichten Wahlprogram.

    Das bestehende System gehört auf den Prüfstand der Wähler!

  5. Ausländische Konten werden mit 37.5% enteignet während Politiker kredite erlassen werden. Was soll man dazu noch sagen? Diesen Schurkenstaat aus der EU werfen und zwar sofort!

    Eine Leser-Empfehlung
  6. sind ein und das selbe!

    Von daher wird es da nie einen Interessenkonflikt geben...

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    Diclaimer:
    Dieser Kommentar enthält möglicherweise Anteile von Verschwörungstheorien. Jegliche Haftung für eventuelle Schäden an Ihrem Weltbild wird hiermit ausdrücklich ausgeschlossen!

    4 Leser-Empfehlungen
  7. ...das Spitzenpolitiker auch Spitzenkräfte von überragender Intelligenz sind, der glaubt auch an den Osterhasen! Spitzenpolitiker sind Menschen mit unbedingtem Willen zur Spitze zu gelangen und dort so lange wie möglich zu verbleiben! Diesem Ziel ordnen sie alles Andere unter! Drum merke: An der Spitze gibt es keine Gutmenschen!

    10 Leser-Empfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, ff
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  • Schlagworte Zypern | Bank | Banken | Euro-Krise | Euro-Zone | Euro
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